Maas kündigt Aufstockung humanitärer Hilfe für Äthiopien an

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Flüchtlinge aus Tigray
Flüchtlinge aus Tigray

Angesichts der Kämpfe in Äthiopien und der daraus resultierenden Fluchtbewegung hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) eine Aufstockung der humanitären Hilfe für das ostafrikanische Land um fünf Millionen Euro angekündigt. Die Region habe in diesem Jahr bereits schwer mit Überschwemmungen, Heuschrecken und Covid-19 zu kämpfen gehabt, nun komme noch der bewaffnete Konflikt in der Region Tigray hinzu, erklärte Maas in der Nacht zum Freitag.

Der Konflikt spalte das Land, er schade den Menschen und ziehe auch die Nachbarstaaten Äthiopiens in Mitleidenschaft, erklärte Maas. Dies sei "brandgefährlich". "Um unmittelbar auf die Notlage zu reagieren und lebensrettende Hilfe zu leisten, haben wir jetzt entschieden, unsere humanitäre Hilfe für Äthiopien nochmal um fünf Millionen Euro zu verstärken."

Diese Mittel würden dem humanitären Länderfonds und damit Helferinnen und Helfern vor Ort zur Verfügung gestellt, "um Menschen, die ihre Häuser verloren haben oder vor den Kämpfen auf der Flucht sind, zu versorgen". Maas forderte einen politischen Prozess, "der mit Deeskalation und Dialog beginnt und den Reformkurs" von Ministerpräsident Abiy Ahmed fortsetze. Die Konfliktparteien hätten Vermittlungsangebote erhalten, die jetzt angenommen werden müssten.

In der Grenzregion Tigray gibt es seit Monaten Spannungen. Die dort regierende Volksbefreiungsfront TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die äthiopische Politik, bevor Regierungschef Abiy 2018 an die Macht kam. Die TPLF erkennt Abiy, der im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, nicht an.

Anfang des Monats entsandte Abiy Streitkräfte nach Tigray, wodurch der Konflikt mit der TPLF vollends entbrannte. Abiy hat die Appelle internationaler Politiker, die Kämpfe einzustellen und einen Vermittler in dem Konflikt zuzulassen, bisher ignoriert.

Hunderte Menschen sind bei den Kämpfen in Äthiopien bisher getötet worden, tausende flohen aus dem Konfliktgebiet. Beobachter befürchten zudem, dass sich die Krise ausweiten und die ganze Region destabilisieren könnte. Die UNO warnte bereits vor einer "umfassenden humanitären Krise" in der Region.

isd