Mit dieser Maßnahme steigert der Hive-Gründer seine mentale Gesundheit

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Franz Purucker, Co-Founder von Hive, lässt sich nicht von Dingen stressen, die er eh nicht ändern kann.
Franz Purucker, Co-Founder von Hive, lässt sich nicht von Dingen stressen, die er eh nicht ändern kann.

Wenn Franz Purucker auf das vergangene Jahr zurückblickt, muss sich das anfühlen, als wären es fünf Jahre. Mindestens. Im Winter war Hive noch das vielversprechende, kleine Startup von drei Elite-Uniabsolventen, Franz Purucker, Oskar Ziegler und Leonard von Kleist. Im Frühjahr investierten die VCs Earlybird, Amplifier und Picus Capital, der Gründer von Flixbus und Michael Wax von Forto dann 6,6 Millionen Euro in die Tech-Firma. Und im Herbst legten die Investoren noch einmal sauber nach: 29 Millionen Euro zusätzlich in einer Series-A-Runde, angeführt von Tiger Global aus den USA. Die Bewertung von Hive liegt nach Firmenangaben bei rund 135 Millionen Euro.

Hive profitiert vom Boom des Direct-to-Consumer-Segments. Das Gründertrio kümmert sich als Fulfillment-Provider um die Hersteller. In eigenen Lagerhallen übernimmt Hive die gesamten Prozesse für die Produzenten egal welcher Güter: eingehende Bestellungen bearbeiten, Bezahlung abwickeln, Pakete packen, verschicken. Dazu: Vorhersage oder Analyse. Automatisierung von Lagerbeständen, Lieferungen und Retouren, Inventar-Prognosen und Kostenanalysen.

Im Gründerszene-Fragebogen erzählt Purucker, was er in diesem aufregenden Jahr gelernt hat – und was er sich für das nächste vornimmt.

Franz, was hast du 2021 neu über dich selbst erfahren?

Ich habe gelernt, dass es mir hilft, im Gründeralltag klar zu differenzieren, ob ich ein Ereignis oder ein Risiko direkt beeinflussen kann oder nicht. Ereignisse wie die unerwartete Absage eines potentiellen Kunden oder eine verspätete Zugfahrt sind keine emotionale Anspannung wert. Alles was zählt, ist es, jeden Tag von neuem meine volle Energie in den Aufbau des besten Teams und des besten Produkts für unsere Kunden und Kundinnen zu investieren. Ich kann das Buch "The Daily Stoic" von Ryan Holiday sehr empfehlen, um stoische Ruhe in unerwarteten Situationen zu entwickeln.

Stichwort Mental Health: Wie hältst du dich psychisch fit?

Ich denke, der wichtigste Trick für mich ist es, das Streben nach der perfekten Balance aufzugeben – niemand erreicht das perfekte Leben. Ich liebe Intensität und versuche daher entweder komplett "on" oder komplett "off" zu sein. Unter der Woche bin ich 100 Prozent auf Arbeit fokussiert und verabrede mich nicht privat, an Samstagen schalte ich mein Handy aus und verbringe Zeit mit engen Freunden sowie meiner Freundin, am Sonntag erledige ich Administratives und mache Sport.

Wie würdest du die Entwicklung der Startup-Szene im vergangenen Jahr beschreiben?

Die Zunahme von enorm frühen Pre-Seed-Investitionen, die oft noch vor einer ersten Produktversion oder Umsätzen stattfinden, kombiniert mit dem makroökonomischen Umfeld aus jahrelangen Niedrigzinsen und hoher Kapitalverfügbarkeit in allen VC-Fonds hat das persönliche Risiko Gründer oder Gründerin zu werden deutlich reduziert - es gab nie eine bessere Zeit zu starten als jetzt!

Hast du ein Hobby neu für dich entdeckt?

Ich hatte im Frühjahr die Gelegenheit eine Woche Apnoetauchen zu gehen – also Tauchen mit dem eigenen Atem statt Sauerstoffflasche – und fand die Erfahrung, unter Wasser einen quasi meditativen Zustand zu suchen faszinierend. Das ist noch kein routiniertes Hobby, aber vielleicht schaffe ich es im kommenden Jahr noch mal abzutauchen.

Wen hättest du 2021 gern mal zum Lunch getroffen?

Ich hätte gerne die estnische Präsidentin Kersti Kaljulaid kennengelernt, die es geschafft hat, eine der weltweit digital-affinsten Regierungen mitzugestalten und Bürokratie einzustampfen. Ihre Amtszeit endete letztes Jahr, vielleicht stehen bald die Chancen für einen Lunchtermin besser.

Wofür hast du das meiste Geld ausgegeben?

Ich gebe viel zu viel Geld für Mobility Services aus – Uber, Swapfiets, ein Dance-Bike – statt einfach 15 Minuten früher aufzustehen und normal Fahrrad zu fahren.

Welche Startup-News hättest du im vorigen Jahr gern gelesen?

Ich hätte mich über noch mehr Ankündigungen von neuen europäischen Growth Equity Funds gefreut, um den Anteil der Spätphasen-Finanzierungen, die von lokalen statt amerikanischen Investoren angeführt werden, zu erhöhen und somit später mehr Gewinne unserer Tech-Szene den europäischen Volkswirtschaften zufließen zu lassen.

Von welcher Firma hättest du Aktien gekauft, wäre sie an der Börse?

Trade Republic, da die Lösung via Handy reibungslos mit ETFs zu handeln vielen Menschen den Zugang zum Investieren statt reinem Sparen erleichtert.

Welchen Trend fandest du 2021 überbewertet?

Ich muss zugeben, dass ich bisher nicht genügend Zeit in das Thema "Metaverse" investiert habe, um das Potential nachvollziehen zu können.

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