„Wir müssen wieder mehr auf die Leute zugehen“

Die Chefs von WirtschaftsWoche, Handelsblatt und WDR diskutierten am Abend über die Bedeutung von Fake News und die Rolle von Journalisten.


Wie gefährlich sind falsche Nachrichten, die sich über die sozialen Netzwerke verbreiten? Und welche Rolle spielen sie mit Blick auf die Bundestagswahl? Zu diesen Fragen diskutierten WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli, WDR-Intendant Tom Buhrow und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe beim Düsseldorfer Terrassengespräch. Zwar musste die Veranstaltung entgegen dem Namen im Foyer abgehalten werden, dies hatte jedoch nichts mit Fake News zu tun, wie Frank Dopheide, Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt scherzhaft unterstellte. Vielmehr war die Verlegung dem schlechten Wetter geschuldet.

Somit konnten die Gäste das Gespräch, durch das die Handelsblatt-Redakteurin Ina Karabasz führte, im Trockenen verfolgen. Schnell entspann sich auf der Bühne eine Diskussion über verschiedene Arten von Fake News. Während WDR-Intendant Buhrow der Meinung war, Fake News ließen sich in verschiedene Arten unterteilen, hob WiWo-Chefredakteur Balzli hervor, dass die Grenzen des Begriffs immer schwammiger werden: „Es gibt Menschen, die schon dann ‚Fake News‘ rufen, wenn die Berichterstattung nicht zu ihrer Meinung passt.“

Einig waren sich die drei darin, dass falsche Nachrichten kein per se neues Phänomen darstellen, auch wenn sie früher vielleicht anders genannt wurden. Für Handelsblatt-Chefredakteur Afhüppe war jedoch klar, dass die Gefahr, die von ihnen ausgeht in letzter Zeit zugenommen habe. Hierin unterstütze ihn Balzli und betonte, dass sie besonders zur Gefahr werden, wenn die Betroffenen sie nicht mehr loswürden. Beispielhaft war für ihn hier die Behauptung, der französische Präsident Emmanuel Macron habe ein geheimes Konto auf den Bahamas. Eine falsche Unterstellung, die während des Wahlkampfes trotzdem mehrmals wiederholt wurde.


Doch wie soll mit falschen Behauptungen umgegangen werden? WDR-Intendant Buhrow riet dazu, nicht immer gegen falsche Aussagen vorzugehen, um ihnen nicht noch mehr Raum zu geben: „Manchmal sollte man das Ganze aussitzen, anstatt die Behauptung durch den Widerspruch noch einmal zu wiederholen. Zum Glück werden die Nachrichtenzyklen auch immer kürzer.“

Auf die Frage von Moderatorin Karabasz, ob Fake News zu den Landtagswahlerfolgen der AfD beigetragen hätten, fand Balzli eine klare Antwort: „Fake News sind noch kein Riesproblem in Deutschland. Die AfD war vor allem deshalb erfolgreich, weil sie Themen von Nichtwählern angesprochen hat und Protestwähler mobilisieren konnte.“ Ein Punkt, in dem ihm Buhrow und Afhüppe zustimmten. Trotzdem machte der WiWo-Chef eine Einschränkung: „Eine Entwarnung hinsichtlich der Bundestagswahl und ihrer Beeinflussung durch Fake News, Social Bots und Co. gibt es aber noch nicht."

Außerdem unterzogen die Diskutanten die Rolle der Journalisten einer kritischen Würdigung. Afhüppe befand, dass es insbesondere bei der Flüchtlingskrise und dem Hype um Martin Schulz zu Fehleinschätzungen von Journalisten gekommen sei. WDR-Intendant Buhrow konstatierte, dass viele Journalisten aus einem bestimmten Milieu kämen und sich „für den Nabel der Welt“ hielten. Balzli befand, dass es nur eine Möglichkeit gäbe, dieses Problem zu beheben: „Wir müssen wieder mehr auf die Leute zugehen.“


Auch auf die abschließende Frage von Moderatorin Karabasz, welche optimistische Fake News sich die Diskussionsteilnehmer wünschen würden, fanden alle drei eine klare Antwort. Während Handelsblatt-Chefredakteur Afhüppe die Berichte über ein mögliches Kartell der deutschen Autobauer aufgriff und sich für die Schlagzeile „Autokonzerne schummeln nicht“ aussprach, widmete sich WDR-Intendant Buhrow dem Rundfunkbeitrag: „Dass alle gerne etwas mehr für Qualitätsjournalismus zahlen, würde ich gerne lesen.“ Der WiWo-Chefredakteur und gebürtige Schweizer Balzli schloss die Diskussion mit einer sehr persönlichen Fake News: „Die Schweiz tritt der EU bei.“