Münchner Mathematiker entwickeln Modell zur optimalen Wahlkreiseinteilung

Der Bundeswahlleiter geht davon aus, dass die Mängel bei dem Computerprogramm für die Bundestagswahl bis zum 24. September behoben werden können. Laut Experten ist es extrem anfällig für Manipulation

Mathematiker der Technischen Universität München haben ein Modell zu einer möglichst optimalen und neutralen Einteilung von Wahlkreisen entwickelt. Damit könnten mögliche Einflussversuche von Parteien auf den Zuschnitt der Wahlkreise verhindert werden, teilte die Hochschule am Freitag mit. Das Verfahren könne in vielen Staaten mit unterschiedlichen Wahlgesetzen angewandt werden.

Das Verfahren geht von der Grundidee aus, dass Wähler genauso viel Einfluss wie alle anderen Wähler haben sollten - und deshalb die Wahlkreise gemessen an der Bevölkerung möglichst gleich groß sein sollten.

"Eine möglichst effektive und neutrale Methode für den Wahlkreiszuschnitt, das klingt nach einem Verwaltungsproblem, hat tatsächlich aber demokratietheoretisch eine große Bedeutung", erklärte der Münchner Politikprofessor Stefan Wurster. Die Akzeptanz einer Wahl sei gefährdet, wenn einzelne Parteien oder Menschen Startvorteile hätten.

Das nun erstellte Verfahren verspreche den optimalen Zuschnitt von Wahlkreisen. Getestet worden sei es am Beispiel der Wahlkreise für den Bundestag. Laut Bundeswahlgesetz soll deren Bevölkerungszahl nicht mehr als 15 Prozent von der Durchschnittsgröße abweichen, bei mehr als 25 Prozent muss ein Wahlkreis zwingend neu festgelegt werden. Dazu kommen Vorgaben wie die regionale Beschaffenheit.

Allein wegen der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen in den einzelnen Bundesländern ließen sich Abweichungen zwischen 0,3 und 8,7 Prozent von der Durchschnittsgröße der Wahlkreise nicht vermeiden, erklärten die Forscher. Dieses Optimum schaffe aber die neue Methode und bleibe damit weit unter den erlaubten 15 Prozent.