Münchener Rück: Gewinn runter, Kurs hoch? Verrückt?!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Schau dir das Titelbild gut an. Denn unter diesen stürmischen Vorzeichen stehen auch die letzten Quartalszahlen bei der Münchener Rück (WKN: 843002).

Schlechtes Wetter, sinnbildlich geprägt durch Hurrikans wie Irma und Harvey haben dem Rückversicherer ordentlich böse mitgespielt. Dazu später mehr.

Und trotzdem ging der Kurs nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen sogar bergauf. Verrückte Welt? Auf den ersten Blick ja. Bei etwas näherer Betrachtung gelingt es uns vielleicht, etwas Licht in die dunklen, stürmischen, widersprüchlichen Zeiten zu bringen.

Die stürmischen Zahlen im Detail!

Die Münchener Rück rechnet für das abgelaufene, dritte Quartal mit einem hurrikanbedingten Verlust von in etwa 2,7 Milliarden Euro. Bis jetzt. Allein die auf das dritte Quartal anfallenden Schäden liegen im Bereich von etwa 1,4 Milliarden Euro. Damit ist das bis dato ausgegebene Jahresziel beim Gewinn von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro definitiv dahin.

Stattdessen gehe man nunmehr davon aus, dass man das laufende Geschäftsjahr bei in etwa plus-minus-null abschließen könnte. Wenn überhaupt sei lediglich noch ein kleiner Gewinn im Bereich des Möglichen, so die aktuelle Verlautbarung.

Und trotzdem stieg die Aktie der Münchener Rück seit der Veröffentlichung dieser chaotischen Zahlen. Sind die Investoren etwa alle verrückt geworden?

Gründe, Gründe, wir brauchen Gründe

Nein, vermutlich eher nicht. Denn auch wenn diese Zahlen einen schmerzhaften Einschnitt in die bisherige Jahresprognose bedeuten, können die Zahlen auch in einem optimistischen Licht gesehen werden.

Zum einen, und das dürfte ein kurzfristiger Kurstreiber gewesen sein, hätte es definitiv auch noch schlimmer kommen können. Natürlich ist es ärgerlich, dass der Gewinnausblick drastisch revidiert werden musste. Nichtsdestotrotz halten sich die Schäden für die Münchener Rück womöglich im Rahmen. Sogar so sehr, dass man nach wie vor möglicherweise mit einem kleinen Gewinn rechnet.

Im Vorfeld war daher die Erwartungshaltung vielleicht zu negativ. Der ein oder andere Anleger dürfte wohl mit einem größeren Schaden gerechnet haben. Dementsprechend dürfte sich kurzweilig Erleichterung breit gemacht haben, was sich letztlich in kurzfristig steigenden Kursen geäußert hat.

Zum anderen, und möglicherweise viel wichtiger, weil langfristiger, könnten die Wirbelstürme eine preisbereinigende Wirkung im Rückversicherungssegment haben. Das Prämienniveau ist nämlich innerhalb der letzten Jahre immer weiter gesunken. Grund dafür waren unter anderem branchenfremde Investoren, niedrige Schäden und eine relativ hohe Kapitalschwemme.

Nun, nachdem der ein oder andere branchenfremde Investor sich vielleicht die Finger ordentlich verbrannt hat und die Prämien angesichts der derzeitigen Schäden wieder steigen, könnten langfristig gesehen wieder bessere Zeiten für die Münchener Rück bevorstehen.

Jahr abhaken, weiter gehts!

Was sollten wir daher abschließend aus diesem Quartalsbericht mitnehmen? Zum einen wohl, dass wir dieses Jahr aus Gewinnsicht abhaken sollten. Das wird wohl nicht mehr so richtig in Fahrt kommen.

Langfristig allerdings stehen die Zeichen angesichts preisbereinigender Wirkungen womöglich gar nicht mal so schlecht. Meiner Meinung nach sollten Investoren daher keine kurzfristigen Rückschlüsse ziehen, sondern abwarten, welche langfristigen Auswirkungen die Wirbelstürme haben werden.

Und, momentan, sich selbstverständlich über die kleine kurstechnische Erholung der letzten Tage freuen.

Vincent besitzt Aktien der Münchener Rück. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2017