Mülheim: Mieter leben in Haus ohne Sanitäranlagen und fließend Wasser

Roma-Mieter leben in einem Mülheimer Haus ohne sanitäre Anlagen und fließend Wasser.

Mitten in Köln gibt es Häuser, in denen Menschen unter unwürdigen Bedingungen hausen müssen. Der Arbeitskreis „Wohnen“ im Sozialraum Mülheim Nord/Keupstraße kennt mehrere solcher Immobilien.

Wegen eines besonders krassen Falls – des Hauses Bergisch Gladbacher Straße 93 – schlugen die Aktiven nun Alarm. Mit einem Brief an Oberbürgermeisterin Henriette Reker schickten sie einen Hilferuf. Die Stadt möge doch etwas unternehmen.

Im Arbeitskreis sind die Sozialraumkoordination, Vereine, soziale Einrichtungen, Streetworker, die Polizei und der interkulturelle Dienst aktiv. „Wir kennen allein in unserem Einzugsgebiet etwa 17 Häuser, wo die Mieter in unzumutbaren Verhältnissen leben müssen. Das ist Wohnausbeutung“, sagt Sozialraumkoordinatorin Maria Fichte.

41 Personen leben auf Raum für drei Mietparteien

Die schlimmste dieser Immobilien sei das Haus an der Bergisch Gladbacher Straße. „Hier leben 41 Männer, Frauen und Kinder – das jüngste davon vier Monate alt – auf einem Raum, der eigentlich für drei Mietparteien vorgesehen war“, schildert Fichte.

Marius Henne, Streetworker des Projekts „Bonvene“, betreut die Bewohner des Hauses: „Es sind sehr unglückliche Familien, und sie kommen aus Roma-Ghettos in Bulgarien.“ Geregelte Verhältnisse gibt es nicht. Genau diese wollen die Mitglieder des Arbeitskreises aber erreichen.

Die Enge im Haus ist nur ein Aspekt. Das Gebäude befindet sich in einem verwahrlosten Zustand: Strom kommt von einem Dieselaggregat im Keller, der einzige Wasseranschluss befindet sich auf dem Hof. Es gibt keine sanitären Einrichtungen und es fehlen Brandschutzeinrichtungen. Es gibt Ungeziefer und viele Wände sind vom Schimmel befallen.

Der Müll wird nicht entsorgt und türmt sich im Hof. „Ich stamme aus Chile und kenne solche Lebensbedingungen aus den Slums von Santiago“, beschreibt Sozialarbeiter Camilo Bravo die Situation.

Besitzerwechsel erschwert die Situation

Auf dem Nachbargrundstück hatte Meral Sahin, die Vorsitzende der IG Keupstraße, vor wenigen Jahren ein Haus mit Ladenlokal gebaut. „Die Bauarbeiten verzögerten sich damals wegen der Zustände auf dem Nachbargrundstück“, beklagt sie.

Der Arbeitskreis hatte bereits verschiedene Behörden wie das Wohnungsamt, das Sozialamt oder die Bauaufsicht kontaktiert. „Doch das zögerliche Verhalten der Stadtverwaltung hat bisher zu keinem Ergebnis geführt“, begründet Fichte das Schreiben an Frau Reker. Erschwerend sei allerdings hinzugekommen, dass ein Besitzerwechsel stattgefunden habe.

Corinna Gaudszun vom Wohnungsamt beschreibt die Situation als äußerst komplex. „Die Stadt hat auf die Beseitigung der Missstände hingewiesen und ist der neuen Eigentümerin gegenüber tätig geworden“, teilt sie mit. Es habe vor wenigen Tagen eine Besichtigung durch das Ordnungsamt gegeben, das eine Entsorgung des Mülls anordnete.

Gaudszun: „Sollte es zur Beseitigung der Mängel, aufgrund des Ausmaßes der Sanierung, erforderlich sein, die Bewohner anderweitig zu versorgen, steht hier die Eigentümerin als Rechtsnachfolgerin des ehemaligen Besitzers in der Pflicht.“ Sie sei auch für die Unterbringung der Bewohner in Ausweichquartieren zuständig und nicht die Stadt. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung kündigt zudem Gespräche zwischen den beteiligten Ämtern und der Eigentümerin an, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.

„Haus in schlechterem Zustand als gedacht“

An Stelle der Eigentümerin nimmt ihr Ehemann Stellung: „Wir sind rein rechtlich seit sieben Wochen Eigentümer des Hauses, und es ist in schlechterem Zustand als wir dachten.“ Bereits jetzt liege eine Aufforderung der Bauverwaltung auf seinem Tisch, den Brandschutz innerhalb von zehn Tagen zu gewährleisten.

Schlimmer noch: Er habe den Bewohnern wegen des fehlenden Brandschutzes schon kündigen müssen. Auf der anderen Seite komme er mit dem Plan, die Immobilie zu sanieren oder neu zu bauen, nicht voran. „Es geht keine Firma rein, ohne dass alle Bewohner raus sind“, schildert der Ehemann der Eigentümerin.

Er selbst sei allerdings nicht in der Lage, allen ein Ausweichquartier zu verschaffen: „Ich könnte ein oder zwei Leute unterbringen.“ Er hofft, dass ihm die Stadt unter die Arme greift. Er wünscht sich, dass bei einem Treffen mit seiner Frau als Eigentümerin, allen beteiligten Ämtern und des Arbeitskreises eine Lösung gefunden wird.

Mit diesem Wunsch steht er nicht allein. „Ich habe der Stadtverwaltung den gleichen Vorschlag unterbreitet“, betont Maria Fichte....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta