Möglicherweise erneut Häftling aus Berliner Justizvollzugsanstalt entwischt

In Berlin ist erneut ein Gefängnisinsasse entwischt. Wie die Senatsverwaltung für Justiz mitteilte, wurde am Morgen das Fehlen eines Häftlings in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel festgestellt

In Berlin ist erneut ein Gefängnisinsasse entwischt. Wie die Senatsverwaltung für Justiz am Donnerstag mitteilte, wurde am Morgen das Fehlen eines Häftlings in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel festgestellt. Bei dem Mann handelt es sich um einen gewalttätiger Erpresser und Serieneinbrecher.

Ein JVA-Bediensteter habe beim morgendlichen Aufschließen der Hafträume festgestellt, dass der Gefangene sich nicht in seine Zelle befinde, sagte Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) vor Journalisten. Bei dem Ausbrecher handelt es sich der zuständigen Abteilungsleiterin Susanne Gerlach zufolge um einen 1994 geborenen Mann, der seit fast einem Jahr in Haft sitzt. Er hätte noch bis zum September 2022 zwei Freiheitsstrafen wegen Einbrüchen und räuberischer Erpressung verbüßen müssen. Zudem ist ein Verfahren wegen bewaffneten Diebstahls abhängig.

Behrendt sagte, der Ausbruch sei bei der morgendlichen Durchzählung der Gefangenen kurz nach sechs Uhr aufgefallen. Auf dem Zellenbett lag anstelle des Häftlings eine Attrappe aus mit Kleidung und Toilettenpapier ausgestopften Kleidungsstücken sowie eine Mütze. Binnen Minuten sei Alarm ausgelöst und eine Durchsuchung der Anstalt eingeleitet worden. Das Landeskriminalamt (LKA) nahm die Fahndung auf.

Die drappierten Kleidungsstücke hätten offenbar den Wärter getäuscht, der den Häftling am Vorabend um halb sechs eingeschlossen hatte, sagte Behrendt. Es sei davon auszugehen, dass der Gefangene irgendwann am Mittwochnachmittag entwichen sei.

Gerlach zufolge könnte er bei einer Freistunde verschwunden und sich zunächst auf dem JVA-Gelände versteckt haben. Am Mittwochnachmittag habe der Lkw einer Privatfirma das Gefängnis mit Lebensmitteleinkäufen der Häftlinge beliefert. "Es gibt Anlass zu der Annahme, dass es dem Gefangenen im Zusammenhang mit der Ausfahrt des Lkw gelungen ist, die Anstalt zu verlassen", sagte Gerlach. Wie genau, sei noch unklar.

Um den Jahreswechsel herum waren bereits vier Häftlinge spektakulär aus dem Berliner Gefängnis Plötzensee ausgebrochen. Unter noch immer nicht vollständig geklärten Umständen gelang es den Männern, aus einer Kfz-Werkstatt auf dem JVA-Gelände zu fliehen.

Fünf weitere, wegen minderer Delikte einsitzende Männer waren zudem aus dem offenen Vollzug von Plötzensee entwischt. Acht Flüchtige konnten gestellt werden oder kehrten freiwillig zurück. Ein wegen Schwarzfahrens zu offenem Vollzug verurteilter Mann ist weiter untergetaucht. Justizsenator Behrendt geriet wegen der Ausbrüche unter Druck: Aus Reihen der Berliner Opposition wurde vermehrt sein Rücktritt gefordert.