Möbelland Deutschland ist in Gefahr

Die deutschen Möbelhändler verlieren immer weiter an Umsatz. Das liegt an der Konkurrenz aus dem Netz – und an ausufernden Rabattschlachten. Kurz vor der Möbelmesse IMM schlagen Experten Alarm.


Kurz vor dem Start der Möbelmesse in Köln schlägt die Handelsberatung BBE Alarm. Die Handelsexperten sehen einen schleichenden Niedergang des Möbelhandels in Deutschland – verbunden mit Umsatzverlusten. Als Gründe machen sie die zunehmende Konzentration im Handel und den Wettbewerb aus dem Internet aus.

Für das gerade abgelaufene Jahr haben die Experten einen Umsatzrückgang von über zwei Prozent auf 20,2 Milliarden Euro festgestellt. Trotz der Alno-Insolvenz wuchs der Markt für Küchen dagegen leicht auf 11,3 Milliarden Euro Umsatz.

Das spiegelt Markttrends wider: Während sich unabhängige Küchenstudios auch durch Einkaufsverbünde wie Musterhaus halten können, verlieren immer mehr kleinere Möbelhändler ihre Unabhängigkeit oder schließen ganz. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Vollsortimenter in Deutschland laut BBE um ein Fünftel auf 1792 Betriebe gesunken. Zugleich machen spezialisierte Versender wie Home24 und Universalhändler wie Otto.de den Möbelhäusern mit günstigen Preisen Konkurrenz.

BBE-Geschäftsleiter Sebastian Deppe warnt, der Möbelhandel profitiere nicht einmal mehr von der guten Konjunktur. „Da sich die Entwicklung des stationären Möbelhandels 2017 von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt zu haben scheint, ist es unwahrscheinlich, dass eine weitere positive Wirtschaftsentwicklung im nächsten Jahr den stationären Möbelhandel positiv beeinflussen wird“, sagte Deppe.


Auch auf der Kölner Möbelmesse IMM, die am Montag eröffnet, zeigt sich zunehmende Konkurrenz für die deutschen Hersteller. Günstige Anbieter aus Fernost drängen auf den europäischen Markt – und füllen Möbel-Paläste und Online-Plattformen mit Sonderangeboten. Entsprechend nimmt der Import-Anteil an Möbeln immer weiter zu. Der Möbelverband VDM, der am Mittwoch eigene Zahlen vorlegen will, errechnete zuletzt, dass fast zwei Drittel der Möbel in deutschen Geschäften aus dem Ausland stammen. Zwar wachse auch der Export der einheimischen Hersteller, doch könne das den schrumpfenden deutschen Markt nicht ausgleichen.

„Wenige Tage vor der IMM müssen wir konstatieren, dass die Branche mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat“, sagte Deppe. Wie der Verband warnt auch er, die Händler dürften Möbel nicht verramschen. „Der Versuch einiger Möbelhändler, mit Rabattaktionen die Frequenz zu erhöhen, könnte unbeabsichtigt dazu geführt haben, dass die bereits unter Druck geratenen Umsätze weiter gesunken sind“, sagte er.

Eine Schlüsselrolle spiele das Internet. Weil sich die Kunden immer mehr im Netz informieren, sinke die Kundenzahl im Laden. Immer häufiger besuchten Kunden nur einen oder zwei Läden zum Anschauen, bevor sie kaufen. Zugleich steige der Anteil der reinen Online-Käufe. Deppes Fazit: Möbelhändler müssten im Netz sichtbarer werden.