Märkte ziehen Weihnachtsfeier vor - wichtige Risiken beseitigt

Chris Anstey

(Bloomberg) -- Angefangen hat es am letzten Freitag mit einem US-Arbeitsmarktbericht, der alle Erwartungen in den Schatten stellte. Dann ging es am späten Donnerstag Schlag auf Schlag weiter: Anleger erfuhren, dass im Handelskrieg zwischen China und den USA eine Waffenrufe einkehrt und dass Großbritannien mit dem Wahlergebnis aus der parlamentarischen Sackgasse heraussteuert.

Plötzlich schwanden alle Sorgen über eine globale Rezession, über eine neue Zollrunde im Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt und über das Risiko eine ungeordneten Brexits. Es mag Freitag, der 13. sein - doch an den Aktienmärkten knallen die Korken. Wer die Empfehlung von JPMorgan Chase & Co. von Risk-on-Trades im Jahr 2020 rechtzeitig umgesetzt hat, kann sich glücklich schätzen.

Die US-Benchmarks S&P 500 und Nasdaq Composite hatten am Donnerstag auf Rekordhochs geschlossen. Das verhalf dem MSCI All-Country World Index zu seinem ersten Allzeithoch seit dem Vorabend des globalen Einbruchs im Januar 2018. Bei den Währungen gab der Yen nach, während der Yuan anzog. Die Anleiherenditen stiegen, wobei 10-jährige Treasuries mit etwa 1,9% rentieren und ihre japanischen Pendants in den letzten Tagen zum ersten Mal seit März wieder die 0%-Marke erreichten. Die Party setzte sich in Europa fort: Der britische FTSE 250 und der europäische Stoxx 600 legten auf Intraday-Rekordstände zu.

Die Risikoneigung an den Märkten wurde von der Kreisemeldung beflügelt, dass US-Präsident Donald Trump ein erstes Handelsabkommen mit China abgesegnet haben soll und die für Sonntag angekündigten US-Zölle gegen China damit abgewendet seien. In Großbritannien hat Boris Johnson bei den Wahlen das beste Resultat für seine Konservativen seit der Ära Margaret Thatcher erzielt und ist dank einer klaren Mehrheit im Parlament nun auf Kurs, das Land im Januar aus der EU herauszuführen.

“Die guten Nachrichten für die Märkte scheinen nicht abzureißen”, sagte Kerry Craig, ein in Melbourne ansässiger Marktstratege von JPMorgan Asset Management.

Allerdings bleibt abzuwarten, wie lange die Weihnachtsfreude anhält: Reibungslose Beziehungen zwischen den USA und China vorherzusagen würde schon einigen Mut erfordern, zumal nicht davon auszugehen ist, dass ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat sich mit dem Vorsatz zur Wahl stellt, nett zu China zu sein. Und Johnsons Parlamentsmehrheit spricht zwar für einen fristgerechten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, aber die Verhandlungen über ein Handelsabkommen stehen noch bevor, so dass ein “harter Brexit” weiter möglich ist.

Zunächst sei aber dank der jüngsten Entspannung “eine wirklich starke Rally bis zum Jahresende” zu erwarten, sagte Mark Matthews, Head of Research Asia bei Bank Julius Bär & Co. auf Bloomberg TV. “Ich wünschte, wir hätten einige der guten Nachrichten für 2020 aufgespart.”

Überschrift des Artikels im Original:Christmas Comes Early for Markets as Key Risks Get Taken Out (2)

--Mit Hilfe von Garfield Reynolds, Cormac Mullen, Gregor Stuart Hunter, Tracy Alloway, Ruth Carson und Matthew Burgess.

Kontakt Reporter: Chris Anstey in Tokyo canstey@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Chris Anstey canstey@bloomberg.net, Joanna Ossinger

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