Eine extrem seriöse Analyse: Warum sind Männer mit Piercings so heiß?

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Im letzten Jahr spukten uns etwa zur selben Zeit schon Fantasien von schmucktragenden Männern durch den Kopf – denk nur mal an die dünne Silberkette von Bridgertons Regé-Jean Page und Normal Peoples Paul Mescal, dessen Kette sogar einen eigenen Instagram-Account hat. Zu Hause von der Welt abgeschottet hatten wir wenig anderes zu tun, als stundenlang unsere kleinen Bildschirme anzustarren und unsere Celebrity-Crushes virtuell zu stalken; Männer, deren Accessoires in der Sonne funkelten und vermutlich bei jedem Schritt ein bisschen klimperten. Ein Jahr und zahllose Sichtungen geschmückter Männer später verläuft der Ketten-Trend aber allmählich im Sand. Zum Glück gibt’s aber inzwischen ein noch heißeres Deko-Element, das in der männlichen Promi-Welt gerade überall aufzutauchen scheint: Piercings.

Dank des Trends – der scheinbar mit der wachsenden Beliebtheit unter Frauen mithalten will, ihre Ohren in Charm-Armbänder zu verwandeln – häufen sich zumindest in Hollywood viele Männer jetzt auch ihre eigenen Piercing-Schätze an. Im Mai releaste zum Beispiel der amerikanische Streaming-Anbieter Hulu seine ersten Promo-Bilder für die bald erscheinende biografische Miniserie Pam & Tommy. Auf den Bildern stellen die Schauspieler:innen Lily James (die den Baywatch-Star Pamela Anderson spielt) und Sebastian Stan (als Mötley-Crüe-Drummer Tommy Lee) ein ikonisches Foto des 90er-Kultpärchens nach, auf dem Anderson in Lees Nippelring beißt. Wie im Fall des Originalbilds von 2005, aufgenommen nach der Scheidung der beiden (aber wahre Leidenschaft brennt wohl für immer), wurde das „Remake“ sofort zum Hit. Als Stan das Foto auf seinem Instagram-Account postete, bekam es mehr als 1,8 Millionen Likes und warf für die britische GQ die Frage auf: „Könnte das die Rückkehr des Nippelrings bedeuten?“

Die Antwort kam prompt – in Form einer Körperschmuck-Flut in unseren Feeds. Zu den iHeart Radio Awards im Mai trug Sänger Lil Nas X zum Beispiel eine ganze Kollektion gestachelter Creolen am Ohr. Zwei Monate später, im Juli, schritt Timothée Chalamet zur Wes-Anderson-Premiere von The French Dispatch mit einem silber-goldenen Anzug von Tom Ford, einem Clash-de-Cartier-Armband und zwei schwarzen Helix-Piercings am Ohr den roten Teppich in Cannes hinab. Obwohl diese Ohr-Deko vermutlich zu seinem Umstyling für die Rolle in Luca Guadagninos baldigem Bones & All gehört –für die sich Chalamet seine dunklen Locken grellrot färbte (eine Farbe, die er aber scheinbar nicht behalten wollte) –, drückten wir doch irgendwie die Daumen, dass er seine neuen Piercings nicht ebenso schnell wieder hinter sich lassen würde wie die roten Haare.

Dann wäre da noch der „Sk8r Boi“ im Reboot von Gossip Girl, Aki Menzies (gespielt von Evan Mock), der zu seinem pinken Buzzcut einen goldenen Ohrring trägt. Die Frisur alleine ist schon mal eine Abwechslung von dem „Hübscher Junge“-Look, der sich durch die Originalserie zog – aber es ist das Piercing, das den 2021er-Style wirklich hervorhebt. Dan Humphrey, der damalige „Außenseiter“ der GG-Version 1.0, trug keinen Schmuck, geschweige denn Piercings. (Die adretten Nate Archibald und Chuck Bass übrigens genauso wenig.) 2021 sind Ohrringe aber scheinbar das Accessoire der fiktiven Elite von Manhattan – und das setzt sich scheinbar auch im echten Leben durch: Im August meldete die Fashion-Suchmaschine ShopStyle einen Anstieg um 67 Prozent in den Suchanfragen nach Männer-Ohrringen im Vergleich zum Vorjahr.

Ähnlich sieht’s bei anderen Piercings aus. Obwohl Musiker wie Machine Gun Kelly, Bad Bunny und Travis Barker schon seit langer Zeit Nasenringe tragen, scheint das Interesse an Gesichtspiercings immer weiter zuzunehmen. Laut ShopStyle haben die Suchanfragen nach Nasenringen verglichen mit 2020 in diesem Jahr um 40 Prozent zugenommen. Weil alle drei immer wieder in der Presse landen, ob nun wegen öffentlicher Beziehungen (MGK ist mit Megan Fox zusammen, Travis Barker mit Kourtney Kardashian) oder ausverkaufter Brand-Sponsorings und Touren (Bad Bunny hat zum Beispiel eigene Crocs rausgebraucht), stiegen sie auf unserer Hot-Liste durch ihren Schmuck gleich noch um ein paar Ränge nach oben.

Laut der Psychotherapeutin Lisa Brateman gibt es dafür aber einen konkreten Grund. Weil wir im letzten Jahr so viel Zeit in unseren eigenen vier Wänden verbracht haben und kaum zum normalen Dating kamen, lassen wir unsere Blicke jetzt besonders gern wandern: Piercings in der Zunge, den Nippeln oder im Bauchnabel „ziehen die Aufmerksamkeit auf einen Körperteil, der mit Sexualität zu tun hat“, erklärt Brateman. Sie meint: Je länger wir in Quarantäne und oft nicht dazu imstande waren, unsere sexuellen Bedürfnisse in die Realität umzusetzen, desto stärker wurde unsere Begeisterung für Promis mit Körperschmuck.

Dawnn Karen, Modepsychologin und Autorin von Dress Your Best Life: How to Use Fashion Psychology to Take Your Look – and Your Life – to the Next Level, stimmt da zu. Laut Karen waren die Fantasien von unseren schmucktragenden Celebrity-Crushes für viele eine sichere Möglichkeit, uns während der Pandemie mit unseren Sehnsüchten auseinanderzusetzen. „Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass du dir darüber Gedanken machen musst, ob die Person, zu der du dich hingezogen fühlst, eventuell an Corona erkrankt sein könnte [wenn du sie nicht wirklich triffst]“, erklärt sie gegenüber Refinery29. Laut der Expertin sind diese Piercing-Sehnsüchte eine Form von Eskapismus, weil du deine Fantasie nutzt, um deine Wünsche auszuleben. Und weil das Ende des Lockdowns noch nicht das Ende der Pandemie bedeutet, ist diese Flucht aus der Realität heute noch genauso verlockend wie vor zwölf Monaten.

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