Die Mängelliste des BVB

Christoph Küppers

Das schwarzgelbe Publikum machte seiner Mannschaft am Donnerstagabend mit Abpfiff klar, was es vom mauen Auftritt im Achtelfinale der UEFA Europa League gegen den FC Salzburg hielt: gar nichts!

Laute Pfiffe und Buhrufe hallten durch das gerade noch halb gefüllte Westfalenstadion, der harte Fanszenen-Kern auf der Südtribüne schickte die BVB-Profis ein paar Minuten später sogar wild gestikulierend in Richtung Katakomben. Euro-Frust beim BVB!

1:2 musste sich Dortmund einer zwar sehr stark organisierten, aber keineswegs übermächtigen Salzburger Mannschaft geschlagen geben. "Mit den zwei Gegentoren können wir noch zufrieden sein, weil da noch einige Hochkaräter dabei waren", sagte Andre Schürrle nach dem Spiel im SPORT1-Interview.

SPORT1 dokumentiert die Dortmunder Mängelliste vom Donnerstagabend.

- Grundtugenden

Kaum erkennbarer Wille, zu wenig Einstellung, keine Laufbereitschaft - gegen einen leidenschaftlich kämpfenden Gegner ließ der BVB all diese Grundtugenden vermissen.

"Die Salzburger waren giftiger, haben mehr dafür getan, Bälle zu erobern", sagte Peter Stöger nach dem Spiel im SPORT1-Interview. "Das war ganz einfach zu wenig von dem, was wir sehen wollten."


Bemerkenswert ist die Diskrepanz in den letzten BVB-Auftritten: Noch am vergangenen Samstag war die Mannschaft nach dem Bundesligaspiel gegen Leipzig für ihre kämpferische Spielweise gelobt worden - ein seltenes Hoch in dieser komplizierten Saison.

Warum solche Grundtugenden in einem K.o.-Spiel im Europapokal nicht abgerufen werden, ist hingegen kaum zu erklären.

"Es ist der Punkt gekommen, an dem man darüber reden muss", forderte Kapitän Marcel Schmelzer nach dem Spiel bei SPORT1. "Das ist nicht irgendein Freundschaftsspiel, wo es reicht, ein bisschen weniger zu machen - das ist Europa League!"

- Kompaktheit

Auffallend war die fehlende Kompaktheit im BVB-Zentrum, eigentlich in den vergangenen Wochen eine Stärke der neuen Ära unter Peter Stöger. Auch hier machte der Gegner aus Salzburg beispielhaft vor, wie eine Mannschaft im Block verteidigt und dennoch sehenswerte Akzente nach vorne setzt.


Das Dortmunder Spiel hingegen prägten riesige Lücken, die weder Julian Weigl noch Mo Dahoud zu stopfen wussten, dabei aber auch kaum Hilfe bekamen. Vor allem Weigl scheute jegliches Risiko im Spielaufbau. Die Folge: viele Quer- und Rückpässe über kürzeste Distanz, die immer wieder Zug aus den Offensivbemühungen nahmen.

"Bei den Dingen, die wir uns vorstellen, bedarf es einer enormen Laufarbeit: Räume zu öffnen, Räume anzulaufen - das war heute viel zu wenig, zu statisch. So funktioniert das nicht", mäkelte Stöger nach dem Spiel.

- Heimstärke

Alarmierend auch: die eklatante BVB-Heimschwäche in dieser Europapokal-Saison. Von den fünf Champions- oder Europa-League-Partien vor heimischem Publikum gewann der BVB nur eine, holte dazu nur ein Remis und kassierte drei Niederlagen.


Kapitän Schmelzer analysierte nach dem Spiel selbstkritisch: "Wir wirken bei Heimspielen so, als fehle uns das Selbstvertrauen, das uns mal ausgemacht hat. Das ist eine wirklich schwierige Situation, weil wir keinen guten Fußball spielen und die Zuschauer dann unzufrieden sind."

- Offensive Variabilität

Unzufrieden vor allem, weil der BVB sein Potenzial in kaum einem Mannschaftsteil abrief. Gegen Salzburg konnte sich Schwarzgelb nicht einmal auf seine zuletzt so starke Offensive verlassen. Viel zu oft wartete das Quartett Schürrle/Götze/Reus/Batshuayi in vorderster Front auf Bälle, stand sich dabei mehrfach gegenseitig auf den Füßen.

Diese ungewohnt fehlende Variabilität eröffnete nicht nur keine Räume, sondern verhinderte auch das schnelle (und tiefe) Spiel in die Spitze. "Salzburg hat uns durch die Spielweise ganz einfach den Schneid abgekauft - das war zu wenig von uns", haderte Schürrle im SPORT1-Interview.


Erst die Einwechslung von Christian Pulisic und Maximilian Philipp in der 61. Minute brachte etwas neuen Schwung in Dortmunds Angriffe. Nicht umsonst bereitete Pulisic nur eine Minute später den 1:2-Anschlusstreffer durch Schürrle vor.

Dieser frische Schwung und eben das Tor lassen immerhin ein Fünkchen Hoffnung fürs Rückspiel am kommenden Donnerstag (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER).

Klar ist aber auch: Um in Salzburg ein kleines Wunder zu schaffen, muss sich die Mannschaft von Peter Stöger in fast allen Bereichen deutlich steigern.

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