Mächtiger Milizenchef in Bürgerkriegsregion Darfur festgenommen

Milizenchef Musa Hilal (Mitte) im Jahr 2013

Die sudanesischen Streitkräfte haben einen mächtigen Milizenchef in der Bürgerkriegsregion Darfur festgenommen, dem die Vereinten Nationen Menschenrechtsverstöße vorwerfen. Musa Hilal sei nach Kämpfen im Bundesstaat Nord-Darfur nahe seiner Heimatstadt Mustariaha gefasst worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Suna am Montag unter Berufung auf Verteidigungsminister Ali Mohammed Salem.

Hilal und drei ebenfalls am Sonntag festgenommene Söhne sowie mehrere seiner Kämpfer seien bereits in die Hauptstadt Khartum gebracht worden, hieß es weiter. Der Milizenchef sei für ein Verhör an den Militär-Geheimdienst übergeben worden, erklärte ein Sprecher der sudanesischen Streitkräfte RSF. Demnach wurden zehn RSF-Soldaten bei den Kämpfen mit Hilals Miliz nahe Mustariaha getötet.

Der Milizenchef steht auf einer Liste der Vereinten Nationen von Menschen, gegen die wegen Menschenrechtsverbrechen Strafmaßnahmen erlassen worden sind. So wurde ihm ein Reiseverbot auferlegt. Wie auch verschiedene Menschenrechtsorganisationen wirft die UNO ihm und seiner Miliz unter anderem vor, in dem Konflikt in der westsudanesischen Krisenregion Darfur mehrere Dörfer angegriffen und Menschen vertrieben zu haben.

In den ersten Jahren des Darfur-Konflikts, der 2003 begonnen hat, hatten Hilal und seine arabische Miliz noch an der Seite der Regierungstruppen gegen nicht-arabische Rebellen in der Region gekämpft. Hilal wurde 2008 zu einem Berater des sudanesischen Staatschefs Omar al-Baschir ernannt; wenige Jahre später überwarfen die beiden sich allerdings. Seitdem liefern sich seine Miliz und die Regierungstruppen regelmäßig Gefechte.

In Darfur tobt ein Konflikt zwischen der sudanesischen Armee, mit ihr verbündeten Milizen und Rebellen. Dabei wurden nach UN-Angaben seit 2003 schon mehr als 300.000 Menschen getötet. Mehr als 2,5 Millionen Menschen flohen vor den Kämpfen, die die Regierung in Khartum wiederholt für beendet erklärt hat. Beobachtern zufolge hat die Regierung jedoch längst die Kontrolle über die einst mit ihr verbündeten arabischen Dschandschawid-Milizen verloren.

Gegen al-Baschir liegt beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ein Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords in Darfur vor.