Ausgangssperre könnte auch in Frankreich kommen

Eine Frau geht an einem geschlossenen Pariser Café vorbei

Im Kampf gegen das Coronavirus könnte in Frankreich eine Ausgangssperre wie in Italien und Spanien kommen: Präsident Emmanuel Macron will sich am Montagabend im Fernsehen zu neuen Maßnahmen äußern. Ärzte befürworten ein allgemeines Ausgehverbot angesichts der rasch steigenden Infektionszahlen und der fast 130 Todesfälle im Land. Schulen, Hochschulen und die meisten Geschäfte sind landesweit bereits geschlossen.

Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye sagte, die Regierung werde "alle Maßnahmen" ergreifen, "um das Verhalten der Franzosen grundlegend zu verändern". Bei frühlingshaftem Wetter hatten sich am Wochenende zahlreiche Bürger der Empfehlung der Regierung widersetzt, zu Hause zu bleiben.

Der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Jérôme Salomon, warnte vor einer Zuspitzung der Lage in den Krankenhäusern. "Die Zahl der Fälle verdoppelt sich alle drei Tage", betonte er. Zuletzt wurden mehr als 5400 Infektionen gezählt, rund 400 Menschen liegen auf den Intensivstationen, 127 Infizierte starben.

Leitende Ärzte befürworten deshalb eine Ausgangssperre, die in Frankreich wie auch in Spanien vom Militär kontrolliert werden könnte. "Wir sehen die Welle kommen", sagte etwa der Chef der Notfallabteilung im Pariser Krankenhaus Georges-Pompidou, Philippe Juvin. Auch die Ärztegewerkschaft UFML befürwortet eine "vollständige Blockade" des öffentlichen Lebens, wie ihr Vorsitzender Jérôme Marty dem Sender France Info sagte.

Wie bereits in Italien und Spanien dürften die Menschen ihre Wohnungen dann nur noch für Einkäufe in Supermärkten und Apotheken oder bei Nachweis eines dringlichen Grundes verlassen. Andere Geschäfte sowie Restaurants, Cafés, Kinos, Diskotheken, Theater und Museen sind bereits landesweit geschlossen. Auch Schulen, Hochschulen und Kindertagesstätten blieben zu Wochenbeginn erstmals zu.

Macron könnte auch einen Aufschub der zweiten Runde der Kommunalwahlen ankündigen, die für kommenden Sonntag geplant ist. Beim ersten Durchgang am Sonntag hatte sich nicht einmal jeder zweite Franzose beteiligt, das war ein historischer Tiefstand. Viele gaben die Angst vor einer Ansteckung als Grund an.

In der Hauptstadt Paris kündigte die Verwaltung die Schließung aller Parks und Gärten ab Dienstag an. Der Nahverkehr in dem Großraum mit rund zwölf Millionen Menschen soll ebenfalls deutlich eingeschränkt werden. Touristenattraktionen wie der Eiffelturm, der Louvre und Schloss Versailles sind bereits seit dem Wochenende geschlossen. Die Bauarbeiten an der Kathedrale Notre-Dame, die vor elf Monaten durch einen Brand schwer beschädigt wurde, wurden unterbrochen.

Große französische Unternehmen wie die Autohersteller PSA und Renault und der Reifenhersteller Michelin kündigten einen vorläufigen Produktionsstopp an. Der Luxusgüterkonzern LVMH soll im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie vorerst Desinfektionsmittel statt Parfums und Kosmetik herstellen. Angesichts der "drohenden Knappheit" soll Handgel nun in den Produktionsstätten der Marken Christian Dior, Guerlain und Givenchy fabriziert werden.

Da die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Material wie Atemschutzmasken seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie auch in Frankreich stark gestiegen ist, haben Krankenhäuser Schwierigkeiten, Nachschub zu beschaffen. Die Regierung hatte nach Hamsterkäufen alle Bestände von Atemmasken beschlagnahmen lassen. Sie werden nur noch auf Rezept in Apotheken ausgegeben.