Unterwegs im neuen Rolls-Royce Ghost

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«Post-Opulenz» - so nennt Rolls-Royce die neue Linie des Ghosts. Gemeint ist damit ein etwas dezenterer Außenauftritt.
«Post-Opulenz» - so nennt Rolls-Royce die neue Linie des Ghosts. Gemeint ist damit ein etwas dezenterer Außenauftritt.

Die bislang erfolgreichste Rolls-Royce-Baureihe geht in die zweite Runde: Noch in diesem Jahr kommt der neue Ghost und will gleich eine neue Ära einleiten: «Post-Opulenz» nennen die Briten ihre Strategie. Was steckt dahinter?

Berlin (dpa-infocom) - Der gute Geist von Goodwood ist zurück. Denn nach rund zehn Jahren bringt Rolls-Royce jetzt die zweite Generation des Ghost an den Start. Das - nun ja - Einstiegsmodell der Briten ist jetzt im Handel und kostet mindestens 290.000 Euro.

Und weil eine Limousine von 5,55 Metern Länge für manchen offenbar noch nicht reicht, gibt es gleich auch einen großen Ghost, der in Länge und Radstand um 17 Zentimeter gestreckt wurde und dafür 36.000 Euro mehr kostet.

Üppiges Format, zurückhaltende Form

Das Format des auf einer neuen Plattform weitgehend aus Aluminium aufgebauten Flaggschiffs mag zwar stattlich sein. Doch weil jeden Rolls-Royce ohnehin eine Aura des Adels umgibt, halten sich die Briten bei der Form etwas zurück. «Post Opulenz» lautet die neue Stilrichtung, die zu einer ausgesprochen schlichten Silhouette führt: Keine Spielereien und kaum mehr Vertiefungen im Blech - so wird der Ghost zu einem zeitlosen Monolithen. Nur der Grill zeugt noch vom alten Glamour. Er ist diesmal nicht nur groß, sondern auch von innen beleuchtet.

Zwar ruht der Ghost mit diesem Design förmlich in sich selbst - das gilt jedoch nicht für seine Performance. Schließlich steckt unter der Haube einer der letzten Zwölfzylinder in der Luxusklasse: 6,75 Liter groß, 420 kW/571 PS stark und mit maximal 850 Nm gesegnet, beschleunigt er den immerhin 2,5 Tonnen schweren Ghost in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Das Spitzentempo liegt bei 250 km/h, was für Luxuslimousinen nicht unüblich ist. Auch beim Normverbrauch tut sich wenig: Hier erreicht der Wert noch satte 15,2 Liter (CO2-Ausstoß 347 g/km). Mild-Hybridtechnik ist für den Ghost kein Thema, und eine Plug-in-Variante schon gar nicht.

Geisterhaftes Fahrgefühl

Vom gewaltigen Kraftakt im Maschinenraum bekommt man in der luxuriösen Lounge kaum etwas mit: Dank der guten Dämmung und dem dicken Teppich unter den Füßen ist vom Antrieb wenig zu spüren. Die Automatik schaltet mit satellitengestütztem Weitblick noch diskreter. Und das Fahrwerk hat Rolls-Royce mit eigenen Dämpfern für die Dämpfer und Kameras so weit verfeinert, dass jede Unebenheit glattgebügelt wird. Doch nicht nur das Gefühl für Geschwindigkeit geht verloren, auch Größe ist plötzlich relativ - schließlich hat Rolls-Royce von der Konzernmutter BMW neben dem Allradantrieb auch die Allradlenkung übernommen. Sie macht den Ghost zu einem Scheinriesen, der im Stadtverkehr so handlich wirkt wie ein 5er. Das Ergebnis ist ein wahrhaft geisterhaftes Fahrerlebnis, bei dem Raum und Zeit völlig verloren gehen.

Der Ghost gilt als der Rolls-Royce für Selbstfahrer, und der Platz hinter dem Lenkrad und den erfreulich dezenten Digital-Instrumenten hat damit mehr Bedeutung denn je. Nicht umsonst haben die Briten ihn zu einem Thron auf Rädern aufgemöbelt und verwöhnen den Fahrer mit allen erdenklichen Finessen. Dazu gehören nicht nur fortschrittliche Assistenzsysteme, sondern auch ein Sternenhimmel, der mit zigtausend hinterleuchteten Löchern ins Armaturenbrett gelasert wurde. Die Hinterbänkler sitzen ebenfalls auf einem feudalen Fauteuil, bedienen sich am Champagner aus der Kühlbox zwischen den Sitzen, wischen über ihre integrierten Tablet-Computer, sehen in ein funkelndes Kabinendach und lassen sich von einem Heer von Klima- und Komfortassistenten umsorgen. Selbst das Öffnen der Türen nimmt Rolls-Royce den Insassen ab. Während die gegenläufig angeschlagenen Portale bis dato nur elektrisch geschlossen wurden, schwingen sie nun von Geisterhand auf.

Fazit: Maximaler Prunk durch ultimatives Understatement

Leistung und Luxus ohne Ende - eigentlich ist ein Rolls-Royce an Dekadenz kaum mehr zu überbieten. Doch mit dem neuen Ghost machen die Briten das Unmögliche möglich und kehren den maximalen Prunk in das ultimative Understatement. Wer in einem Rolls-Royce sitzt, muss seinen Reichtum nicht mehr herausschreien, so die Botschaft. Sondern in diesen Kreisen reicht schon ein Flüstern, um überall Gehör zu finden.

Datenblatt: Rolls-Royce Ghost Back Badge

Motor und Antrieb

V12-Benzindirekteinspritzer mit Doppelturbo

Hubraum:

6592 ccm

Max. Leistung:

420 kW/571 PS bei 5000 U/min

Max. Drehmoment:

850 Nm bei 1600 U/min

Antrieb:

Allradantrieb

Getriebe:

Achtgang-Automatik

Maße und Gewichte

Länge:

5546 mm

Breite:

2148 mm

Höhe:

1571 mm

Radstand:

3295 mm

Leergewicht:

2490 kg

Zuladung:

k.A.

Kofferraumvolumen:

k.A.

Fahrdaten:

Höchstgeschwindigkeit:

250 km/h

Beschleunigung 0-100 km/h:

4,8 s

Durchschnittsverbrauch:

15,2 Liter/100 km

Reichweite:

k.A.

CO2-Emission:

347 g/km

Kraftstoff:

Super

Schadstoffklasse:

EU6

Kosten:

Basispreis der Modellreihe:

290.000 Euro

Typklassen:

keine, individuelle Tarife

Kfz-Steuer pro Jahr:

640 Euro/Jahr

Wichtige Serienausstattung:

Sicherheit:

ESP, Front-, Seiten- und Vorhangairbags, Wankausgleich, Abstandsregeltempomat

Komfort:

Klimaautomatik, elektrische Türöffner, Navigationssystem

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke