„Die Luxus-Impfreise gibt es ab 20.000 Euro pro Person“

Kiani-Kreß
·Lesedauer: 10 Min.

Christian W. Mucha ist kein Mann der leisen Töne. Jetzt kündigt der Wiener Verleger an, Impfreisen ins Ausland anbieten zu wollen – als Mittel gegen die Vakzin-Verweigerer. Meint er das wirklich ernst?

Impfreisen ins Ausland? (Symbolbild: Getty)
Impfreisen ins Ausland? (Symbolbild: Getty)

Christian W. Mucha, 67, ist Verleger mehrerer Zeitschriften über Medien, Gastronomie und Luxus. Der mehrfache Millionär pendelt mit seiner Frau Ekaterina zwischen Wien, St. Tropez und einem Schloss am Wörthersee. Er ist Kunstsammler und hat sein Unternehmen in eine Privatstiftung eingebracht. Mucha sucht gern die Öffentlichkeit mit kontroversen Auftritten: Dem Chef des Billigfliegers Ryanair, Michael O’Leary, bescheinigte er etwa eine „schäbige und miese Art des Geschäftemachens“.

WirtschaftsWoche: Herr Mucha, Sie wollen als einer der Ersten Reisen anbieten, bei denen die Teilnehmer im Rahmen eines Urlaubs gegen Corona geimpft werden. Was soll Ihr impftours.at genanntes Angebot außer der Spritze bieten?
Christian W. Mucha: Freiheit, Freude, Sicherheit. Es ist eine Art Pauschalurlaub in drei Kategorien. Das Diskontangebot gibt es für 3000 bis 4000 Euro pro Person, das Vorzugsangebot für das Doppelte und ein Luxusangebot ab 20.000 Euro pro Person. Und wer etwas ganz Exklusives will, wie die Präsidentensuite im Burj Al Arab in Dubai mit Limousine und eigenem Butler – auch dem kann geholfen werden.

Ähnliches wollten auch andere aus der Branche wie der Frankfurter Veranstalter Fit Reisen. Aber die mussten sich zurückziehen, weil derzeit kein Land Impftouristen will. Was kann ausgerechnet ein fachfremder Verleger von Luxuszeitschriften besser?
Ich mache seit über 40 Jahren Reisefachzeitschriften und habe den Vorstand des Unternehmens vorige Woche angerufen. Auf seinen versprochenen Rückruf warte ich noch immer. Ich habe ihm erläutert, warum wir schon viel weiter sind als er. Wenn er zurückziehen will, dann würde ich das verstehen. Das ist eine immens komplizierte und arbeitsaufwendige Materie.

Lesen Sie auch: Laschet: Können nicht immer neue Inzidenzwerte erfinden

Warum?
In den letzten Tagen haben etliche Länder über ihre Gesundheitsverantwortlichen signalisiert, dass sie keine Impfstoffe an Touristen abgeben wollen. Mein Vorteil ist, dass sich Verantwortliche von spannenden Destinationen bei mir gemeldet haben, die die Gabe von Impfstoff als Zeichen der Gastfreundschaft nutzen, um auf das Tourismusangebot ihrer Länder international aufmerksam zu machen. Die Namen werde ich unverzüglich bekannt geben, wenn die Verträge unterschrieben sind. Aber wir sind da bereits sehr weit und es sieht sehr gut aus.

Trotzdem sind Sie kein erfahrener Touristiker.
Ich glaube schon, dass ich mich in der Tourismusbranche gut auskenne. Aber ich bin natürlich kein Reiseveranstalter. Ich bin ein Nachdenker und Unternehmer, der Ideen hat, die er dann gern weitergibt. Organisieren wird die Reisen ein professioneller Tour-Operator. Das Impfen muss vom Reisenden direkt beauftragt und bezahlt werden. Der Veranstalter stellt den Kontakt her.

Aber die Reiseverträge schließen die Kunden mit Ihnen?
Nein. Ich habe das Konzept erfunden, verfüge über die Urheber- und Markenrechte und beschränke mich auf das Vermitteln.

Also scheuen Sie das Risiko?
Nein. Die medizinischen Leistungen können und dürfen weder ich noch der Veranstalter anbieten. Darum schließen die Kunden einen Vertrag direkt mit der medizinischen Einrichtung.

Damit sind Sie fein raus und riskieren nichts.
Nein! Ich stehe mit meinem guten Ruf dafür, dass alles seriös und sicher abläuft. Ich bin seit 46 Jahren Zeitungsverleger. Weil ich seriös arbeite und einigermaßen bekannt bin, vertrauen mir die Menschen. Und dieses Vertrauen war wohl bei diesem heiklen Thema der Grund für den starken Andrang.

Was treibt Sie an? Geld?
Ach was. Geld war noch nie mein Antrieb. Aber wenn Du eine gute Idee hast, dann funktioniert das meist auch wirtschaftlich. Das braucht man nicht mit Gewalt zu forcieren. Im Gegenteil. Ich möchte auch viele mitnehmen, die sich diese Reisen nicht leisten können. Wer glaubhaft begründet, warum er aufgrund seiner schwierigen Situation den Preis nicht aufbringen kann, dem geben wir die Möglichkeit, die Reise zu gewinnen und (unter Ausschluss des Rechtswegs) von der Glücksfee gezogen zu werden. Denn wir nehmen einen von zehn in der günstigen Diskont-Kategorie gratis mit.

Was war es dann?
Zum einen habe ich mich geärgert, dass sich so viele Leute nicht gegen Corona impfen lassen wollten. Denn eines steht für mich unverrückbar fest: Unsere einzige Chance aus der Pandemie herauszukommen, ist die Impfung. Flächendeckend. Die Quote der Verweigerer und Zauderer lag im vorigen Jahr in Österreich noch bei deutlich über 60 Prozent. Für mich sind das Wichtigste im Leben Glück, Gesundheit und Freiheit. Das alles haben wir weitgehend verloren. Und da habe mir gesagt: Verdammt, ich will das wieder zurückhaben. Und zwar für uns alle.

Aber ein Einzelner kann das doch nicht drehen.
Ich meine schon. Ich glaube an die Kraft der Idee. Das Reisekonzept ist zudem bereits mein zweiter Anlauf. Der erste war im vorigen Jahr das Projekt impfmitmensch.at, eine Art Bonuscard mit Rabatten für Geimpfte am Flughafen und vielen anderen Vorteilen von Unternehmenspartnern. Denn aus meiner Sicht stehen wir vor der Spaltung unserer Gesellschaft. Die Geimpften dürfen reisen, haben Sonderrechte und Freiheiten, genießen Privilegen wie Besuche von Konzerten, Theatern und Sportveranstaltungen. Und die Impfverweigerer mutieren zu Parias, die unter Einschränkungen leiden werden. Doch impfmitmensch.at – die Bereitschaft, sich zur Impfung öffentlich zu bekennen – ging schief.

Lesen Sie auch: Empörung über deutsches Einreiseverbot für viele Tiroler

Warum?
Weil wir es in der EU versäumt haben, für die Impfstoffe einen marktgerechten Preis zu bezahlen. Es wurde gefeilscht, gezögert und gepfuscht. Bei 20 Euro mehr auf zwölf Euro Einkaufspreis etwa für eine Dosis des Biontech/Pfizer-Impfstoffs hätte Österreich bei zehn Millionen Dosen 200 Millionen Euro mehr ausgegeben. Das ist ein vernachlässigbarer Betrag, wenn uns nur ein Tag Lockdown eine Milliarde kostet. Und wir hatten jetzt 42 Tage davon. Wie dumm muss man sein, als Verantwortlicher nicht alles dafür zu tun, um das Serum ins Land zu holen nach dem Vorbild von Israel? Also wollte ich ein Stachel im Fleisch der EU sein und hatte die Idee mit den Reisen.

„Auch aus Deutschland sind Interessierte dabei“

Heißt das, Sie wollen die Impf-Zögerer motivieren, sich doch auf das Vakzin einzulassen?
Genau das ist der Punkt. Es gibt in Österreich einen bekannten Witz. Ein Autofahrer hört im Radio: „Achtung, es kommt ihnen ein Geisterfahrer entgegen.“ Und der Mann schreit auf: „Wieso einer? Hunderte!“ Denn der Geisterfahrer ist er selbst. Wenn die Leute jetzt über die Medien sehen, dass sich innerhalb von acht Tagen mehr als 10.000 Menschen bei uns vorangemeldet haben, und für eine Impfreise zwischen 3000 und 4000 Euro berappen, dann werden die Zauderer nachdenken und sich fragen: Bin ich vielleicht der Geisterfahrer? Und wenn dieses Umdenken um sich greift, was mir übrigens jüngst Österreichs Gesundheitsminister bestätigt hat, dann hätte ich mein Hauptziel erreicht. So schräg das klingen mag, meine angedachten Impfreisen würden dann so bald wie möglich überflüssig werden.

Sie gelten als schillernde Persönlichkeit, die öffentliches Interesse durchaus genießt. Worin zeigt sich die Seriosität Ihres Reiseangebotes.
Da würde ich widersprechen. Ich verstehe mich nicht als schillernd, sondern als umtriebig. Wenn ich eine Idee habe, dann setze ich sie konsequent um. Aber zu Ihrer Frage. Ob wir das realisieren, hängt davon ab, ob meine Rahmenbedingung, die ich persönlich als Teilnehmer einer Impfreise an Ethik und Qualität stelle, realisiert werden können.

Die wären?
Das sind mehrere Punkte. Wir brauchen einen zertifizierten Impfstoff. Dazu gehört die Garantie, dass den Menschen keine Kochsalzlösung untergejubelt wird. Genauso wichtig ist qualifiziertes Personal in einem professionellen Umfeld, etwa eine saubere Klinik, professionelle Ärzte und gut ausgebildetes Personal, das unsere Gäste betreut. Zudem brauchen wir effiziente Betreuung, die bereitsteht, wenn allergische Reaktionen auftreten. Und wenn es nicht klappt, einen international anerkannten Impfpass auszustellen, werde ich einräumen, dass wir gescheitert sind. Dann würde ich mit meinem Namen ein solches Projekt keine Sekunde weiter betreiben.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihre Kunden in Ihren Reisezielen den Impfstoff nicht anderen Menschen wegnehmen, die ihn nötiger brauchen?
Da ich mittlerweile ausrecherchiert habe, dass die Impfstoffhersteller nur an Regierungen verkaufen, benötigen wir die Unterstützung von anerkannten staatlichen Institutionen. Eine seriöse Quelle des Impfstoffs ist die deto conditio sine qua non. Doch bei diesem Punkt bin ich erstaunlicherweise sehr weit. Und der Passagier einer Impfreise muss bei uns zu Hause nicht mehr geimpft werden, womit die Summe aller verwendeten Dosen gleich bleibt.

Welche Impfstoffe wollen Sie anbieten?
Möglichst jeden, der gut wirkt. Aber bevorzugt wünschen sich unsere vorangemeldeten Kunden Biontech/Pfizer. Johnson & Johnson wäre auch sehr praktisch. Dafür braucht man nur eine einmalige Immunisierung. Der chinesische Impfstoff hat zwar einen geringeren Wirkungsgrad. Doch gibt es dort mit Abstand die meisten klinischen Studien. Bei AstraZeneca zögern wir. Aber jetzt sollten Sie sich anschnallen.

Erledigt.
Wir planen, den Impfdurchgang und die Reise voneinander zu trennen.

Bitte?
Ich habe viel nachgedacht. Es ist doch eigentlich ein immenser Aufwand, an diversen Reisezielen Kliniken, Ärzte und Fachpersonal mühevoll zu suchen. Da gibt es Qualitätsunterschiede, mögliche Hygieneprobleme und die Unsicherheit, dass irgendjemand in der Klinik den originalen Impfstoff heimlich durch eine Kochsalzlösung ersetzt – und uns einfach so bestiehlt. Da kam mir die Idee: Wir wickeln die Impfung noch vor dem eigentlichen Urlaubsantritt auf einem Kurzflug ab. Unsere Gäste gehen an Bord. Wir fliegen ein naheliegendes Ziel außerhalb der EU an und führen die Impfung im Flieger mit vertrauenswürdigem Personal durch. Nach drei Tagen Beobachtungspause geht dann die eigentliche Reise los. Und nach der Rückkehr aus dem Urlaub gibt es den zweiten Impfkurztrip. Luftfahrtexperten haben mir gerade bestätigt, dass dies möglich ist. Freilich gibt es da eine Reihe von Problemen zu klären. Wie etwa, dass der Impfstoff nicht in die EU eingeführt werden darf. Das ist eine Herausforderung, aber es könnte klappen. Und es wäre eine weit sicherere Lösung, als an verschiedenen Reisezielen zu impfen. Mal sehen, ob wir das hinkriegen.

Wie viele Anmeldungen hatten Sie bisher?
Knapp 3000. Da sich in der Regel mehrere Personen unter einer Anmeldung registriert haben, ergibt das die erstaunliche Zahl von 10.000 Reisenden. Bei einer solchen Zahl in nur acht Tagen wird selbst ein Reisekonzern wie die Tui blass um die Nase, hat mir gerade ein Experte aus der Airline-Branche verbindlich erklärt. Freilich bleibt die Frage, wie viele Vorangemeldete dann eine echte Buchung abschließen. Aber selbst wenn am Ende nur jeder Zehnte Vorangemeldete mitfährt, übertrifft das meine kühnsten Erwartungen um Längen und spornt mich an.

Haben Sie auch Interessenten aus Deutschland?
Ja klar. Ein paar Hundert vor allem aus Süddeutschland sind mit dabei.

Wie sieht Ihr typischer Impfpassagier aus?
Ich habe die Liste genau durchgeschaut und bin vom Hocker gefallen. In der Topkategorie liest sie sich wie ein Who's who der besseren österreichischen Gesellschaft. Dazu teilen uns beim Diskontangebot viele mit, dass sie sich das nie leisten können. Wenn ich die Begründungen dafür lese, bewegt mich das extrem. Was diese Personen verbindet, ist: Sie vertrauen mir. Und viele schreiben mir: „Wenn einer das schafft, dann der Mucha.“ Trotzdem werde ich keine Sekunde zögern, die ganze Sache unverzüglich abzublasen, wenn meine Ansprüche auch nur in einem einzigen Punkt nicht erfüllt werden können. Und ich bin sicher, dass mir niemand darüber bös‘ wäre. Denn ich wäre mir selbst böse, wenn ich da Kompromisse machen würde. Dann könnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen.

Im Video: Fast Corona-frei: Island macht auf