Nach Lurz und Härle: Freiwasserschwimmer ohne ihr größtes Talent

SID
Nach Lurz und Härle: Freiwasserschwimmer ohne ihr größtes Talent

Rekordchampion Thomas Lurz und Teamweltmeisterin Isabelle Härle haben sich verabschiedet, und das größte Talent darf nicht starten: Die erfolgsverwöhnten deutschen Freiwasserschwimmer gehen bei der WM in Ungarn ohne ihre Sieggaranten der Vergangenheit und ihre beste Hoffnung für die Zukunft mit bescheidenen Zielen an den Start. "Mit ein bis zwei Medaillen wäre ich sehr zufrieden", sagte Bundestrainer Stefan Lurz vor dem WM-Auftakt am Samstag im Balaton dem SID.
Bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften hatten die Langstreckenschwimmer mit jeweils mindestens viermal Edelmetall die Bilanz des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) kräftig aufpoliert. Doch ohne den zwölfmaligen Weltmeister Thomas Lurz (37), der vor zwei Jahren überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte, und Ex-Europameisterin Härle (29), die 2013 und 2015 WM-Gold mit dem Team holte, lastet der Druck fast ausschließlich auf der nächsten Generation. 
Die Magdeburger Rob Muffels (22) und Finnia Wunram (21) gewannen vor zwei Jahren in Kasan schon Silber und Bronze über fünf Kilometer. Im Plattensee sollen sie sich allerdings mit Blick auf Tokio auf die doppelte Distanz konzentrieren. Das größte Potenzial für 2020 sieht Stefan Lurz allerdings bei Florian Wellbrock. Der 19-Jährige, der bei der DM vor knapp zwei Wochen über fünf Kilometer die nationale Konkurrenz um Muffels regelrecht deklassierte, darf im Balaton jedoch nicht schwimmen, weil er sich für die 1500 m Freistil im Becken qualifiziert hat. 
Chef-Bundestrainer Henning Lambertz hat Doppelstarts drinnen und draußen verboten, weil die Vorbereitung auf die Beckenstarts empfindlich gestört werde. "Ein bisschen traurig bin ich schon", sagte Wellbrock. Sein Magdeburger Heimtrainer Bernd Berkhahn ist überzeugt: "Er könnte beides. Aber wenn es der Bundestrainer sagt, dann ist es halt so."
Die beste Chance auf Edelmetall haben die DSV-Freiwasserschwimmer im neuen Staffelrennen, das den Teamwettbewerb ersetzt. Zwei Männer und zwei Frauen schwimmen jeweils 1,25 km. Eine Außenseiterchance hat auch Ex-Weltmeisterin Angela Maurer (41) über 25 Kilometer.