Luigi Di Maio: "Stunde der Jugend"

Gepflegte Kurzhaarfrisur, gut sitzender Anzug, jung: der 31-jährige Luigi Di Maio ist Spitzenkandidat der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung. Die eurokritische Partei könnte als großer Sieger aus der italienischen Parlamentswahl hervorgehen: Mit konstant 28 Prozent ist sie die derzeit stärkste Einzelpartei des Landes.

"Die Maio wurde geschaffen, um Mütter zu beruhigen", spottete ein italienischer Journalist. Gegner werfen dem moderaten Jungpolitiker spärliche Berufserfahrung vor: Weder das Studium der Ingenieur- noch der Rechtswissenschaften brachte Di Maio zum Abschluss. Kurze Zeit arbeitete er als Webadministrator, Regieassistent und Platzanweiser im Stadion.

Moderater Jungpolitiker

In der Politik gelang ihm eine rasante Karriere: Seit 2007 ist er Mitglied der Fünf-Sterne-Bewegung. 2010 kandidierte er erfolglos für den Gemeinderat seiner Heimatstadt Avellino. 2013 kam Di Maio ins Parlament und wurde zum stellvertretenden Präsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt, der jüngste in der Geschichte der Republik. Im September 2017 wurde der Süditaliener per Online-Abstimmung zum Spitzenkandidaten seiner Partei gewählt. Dabei erhielt er eine Mehrheit von 82 Prozent. Es hatten sich aber nur knapp 37.500 der mehr als 140.000 Parteimitglieder beteiligt.

Im Gegensatz zum Gründer der Partei, dem Ex-Komiker Beppe Grillo, wirkt Di Maio brav. Witze gibt es über seine Grammatikfehler oder über mangelnde Geografie- und Geschichtskenntnisse. So bezeichnete er einmal den chilenischen Diktator Augusto Pinochet als venezolanischen und verortete Russland am Mittelmeer.

Die Stunde der Jugend hat geschlagen

Würde er es in die Regierung schaffen, wäre er der jüngste Ministerpräsident, den Italien je hatte. Auf die Kritik, er habe nicht das Format, der drittgrößten Wirtschaft der Eurozone vorzustehen, verweist Di Maio gern darauf, dass der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sein Alter habe, und der französische Präsident Emmanuel Macron 40 Jahre alt sei: "Die Stunde gehört der Jugend" meint Di Maio.