Lügen der Lebensmittelindustrie: Schokopudding – ohne Schokolade!

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Mit echter Schokolade hat fertiger Schokopudding aus dem Supermarkt nicht viel zu tun. (Symbolbild: Getty Images)

Was ist wohl die Hauptzutat von fertigem Schokopudding aus dem Kühlregal im Supermarkt? Schokolade – könnte man meinen. Doch das ist leider völlig falsch. In den meisten Fertigpuddings ist lediglich eine winzige Menge an Kakao einhalten.

Die industriell gefertigte Leckerei und Omas hausgemachter Pudding haben nur wenige Zutaten gemeinsam. Echte Schokolade kommt darin meist überhaupt nicht vor. Vielmehr sei es Kakao, etwa in Pulverform, der diesen Produkten beigemischt wird, weiß Ernährungsexpertin Sabrina Schulz von der Verbraucherzentrale Berlin.

Der Schokoladengeschmack selbst entsteht dann durch künstliches Aroma. „Laut den Leitsätzen für Pudding muss ein Schokoladenpudding mindestens fünf Gramm Kakaopulver enthalten. Es kommt also hier nicht auf den Schokoladenanteil an, sondern auf den Kakaoanteil“, erklärt die Expertin. Das entspricht bei einem handelsüblichen Becher gerade einmal einem gestrichenen Esslöffel.

Für die Sendung „WISO plus“ ließ der Sender ZDF zahlreiche Puddings untersuchen. Das Ergebnis: In den handelsüblichen Puddingsorten, die in deutschen Discountern, meist mit einem Klecks Sahne obendrauf, angeboten werden, findet sich tatsächlich meist nur ein geringer Anteil an Kakao. Eigentlich kein Wunder, dass an der kostbaren Zutat gespart wird, wenn man überlegt, dass ein Becher Pudding bei Netto, Penny, Aldi oder Lidl im Schnitt nur knapp 19 Cent kostet. Würde mehr Kakao verwendet werden, wäre die Ware deutlich teurer.

Neben einem Hauch Kakao besteht fertiger Pudding meist in erster Linie aus entrahmter Milch, jeder Menge Zucker, tierischer Gelatine, Aromen und anderen Zusatzstoffen. Viel Hoffnung macht die Expertin in Sachen Fertigpudding nicht: „Im Kühlregal eines Supermarktes einen hochwertigen Schokoladenpudding zu erwischen, ist eher unwahrscheinlich.“ Häufig handele es sich dabei nicht um einen Schokoladenpudding, sondern um eine Dessertcreme mit Schokogeschmack. Die Geschmacksrichtung komme dabei lediglich durch die Aromen zustande, berichtet die Ernährungsexpertin weiter. Sie rät Verbrauchern, sich nicht von Bildern und Namen auf Verpackungen täuschen zu lassen, sondern einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen. „Die beste Alternative ist es, den Schokoladenpudding im Kochtopf zu Hause selbst zuzubereiten“, rät Sabrina Schulz.


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