Vom Luftröhrenschnitt zum Tour-Etappensieg

Primoz Roglic gewann die 17. Etappe der Tour de France

Primoz Roglic betrat die Bühne zur Siegerehrung wie es sich für einen ehemaligen Skispringer gehört. Seinen grandiosen Flug über die Alpen-Gipfel Croix de Fer und Galibier beendete der Slowene auf dem Podium mit einer stilistisch sauberen Telemarklandung. Der vorausgegangene Etappencoup des 27-Jährigen bei der 104. Tour de France war so etwas wie die Vollendung der vor Jahren eingeleiteten Metamorphose.

Bis 2011 war Roglic Skispringer, ein talentierter dazu. Er gewann mit dem slowenischen Juniorenteam den WM-Titel 2007, hatte durchaus Potenzial. Ein schwerer Sturz beendete allerdings diesen Teil seiner sportlichen Laufbahn. Er war bewusstlos, ein Luftröhrenschnitt rettete wohl sein Leben.

Auf 183 Meter hatte er es einmal auf der Heini-Klopfer-Schanze in Oberstdorf gebracht, 183 Kilometer dauerte nun seine Flugshow über die Alpenriesen am Mittwoch. "Es ist total verrückt, dass ausgerechnet ich slowenische Radsport-Geschichte schreibe", sagte Roglic in Serre-Chevalier.


2012 hatte Roglic im Wortsinne umgesattelt. Zunächst fuhr er in einem kleineren Team, bis LottoNL-Jumbo auf ihn aufmerksam wurde. Die niederländische Equipe verpflichtete Roglic für die Saison 2016, und schon im Laufe der ersten Saison auf World-Tour-Niveau deutete sich die Klasse des Slowenen an. Roglic siegte gleich beim langen Zeitfahren des Giro d'Italia, folgende Gerüchte um Motordoping erhärteten sich nicht.

In Serre-Chevalier nach seinem endgültigen Durchbruch bezeichnete Roglic diese Spekulation als "Bullshit". Viel lieber genoss er den unerwarteten Triumph: "Ein Traum ist nun Realität."