Lufthansa will Markt weiter konsolidieren: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Die Lufthansa setzt langsam zum Landeanflug an auf eine Beteiligung am Alitalia-Nachfolger ITA. Doch bis die krisengeplagte italienische Fluglinie wieder Gewinne erwirtschaftet, wird es wohl einige Zeit dauern. Die ITA hat vergangenes Jahr fast eine halbe Milliarde Euro verbrannt — und das nach staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in den Vorjahren, die in den Milliardenbereich gehen.

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Finanzchef Remco Steenbergen ist jedoch im Interview mit Bloomberg zuversichtlich, dass Lufthansa sowohl über die Mittel verfügt, um die ITA zu sanieren als auch die überfällige Konsolidierung europäischer Fluggesellschaften weiter voranzutreiben. Einige kleinere Gesellschaften wurden in den vergangenen Jahren von den drei Branchengrößen Lufthansa, Air-France KLM und IAG geschluckt. Die TAP in Portugal und die schwedische SAS könnten perspektivisch ebenfalls zum Verkauf stehen.

Um weitere mögliche Beteiligungen und Zukäufe stemmen zu können, muss die Lufthansa jedoch die Schulden im Blick halten, die die Fluglinie im Nachgang der Covid-Pandemie belasten. Steenbergen will den Schuldenstand reduzieren, um wieder ein Investment-Grade Rating zu erreichen. Das würde durch günstigere Finanzierungskosten auch eine weitere Expansion erleichtern.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • In der Türkei könnte es zu einer Stichwahl um das Präsidentschaftsamt kommen. Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan führt mit 2 Millionen Stimmen, verpasst jedoch die 50%-Hürde.

  • Die Deutsche Pfandbriefbank will Capveriant, eine gemeinsame Tochter mit Caisse des Dépôts (CDC) für die Vermittlung kommunaler Kredite, kurzfristig verkaufen und einstellen.

  • Nach der Komplettabschreibung der AT1-Bonds der Credit Suisse ist nun die Prüfung der Frage in Gang gekommen, ob der Vorgang Absicherungsleistungen aus Kreditausfall-Swaps auslösen wird.

  • Italien könnte nach Angaben der Zeitung Messaggero bereits am Mittwoch eine Vereinbarung über den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an ITA Airways an die Lufthansa unterzeichnen.

  • Siemens Energy hat den Umsatzausblick angehoben, da das Geschäftvolumen stärker wächst alss angenommen.

  • Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, die größte genossenschaftliche Primärbank in Deutschland, will das Leverage-Finance-Geschäft herunterfahren.

  • SPD siegt bei Bremer Bürgerschaftswahl, Grüne werden abgestraft.

ANALYSEN:

  • Volkswirte rechnen inzwischen erst im zweiten Quartal 2024 mit einer Zinsssenkung der EZB, wie eine Bloomberg-Umfrage zeigt. Zuvor hatte die Erwartung noch bei einer Lockerung im Q1 gelegen.

  • Die TLTRO-Rückzahlung Ende Juni könnte zu erneuter Besorgnis zum europäischen Banken beitragen, wie Bloomberg Economics anmerkt. Zur Rückzahlung stehen Darlehen über €476,8 Mrd an, was rund 6% der EZB-Gesamtbilanz entspricht.

  • In der deutschen Wirtschaft dürften 2035 7 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Das Thema Immigration sorgt gleichwohl für soziale Spannungen.

AKTIENMÄRKTE | An den Börsen in Asien überwiegt zum Start der neuen Handelswoche das Kaufinteresse etwas. Die Wall Street schloss am Freitag minimal leichter angesichts einer neuen Warnung von US-Finanzministerin Yellen, dass das US-Bonitätsrating leiden würde, wenn es im Kongress zu keiner Einigung im Streit um den Schuldendeckel kommt. Für Europa signalisieren die Futures einen minimal festeren Handelsauftakt.

RENTENMÄRKTE | Der europäische Staatsanleihemarkt gab am Freitag nach. Bundesbankchef Nagel hatte erklärt, womöglich sei auch nach dem Sommer eine weitere Straffung der EZB-Geldpolitik nötig. Am Freitagabend hat die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote Italiens bestätigt, womit sie weiterhin zwei Stufen über Ramschniveau liegt. Heute legt die EU-Kommission ihre vierteljährlichen Prognosen vor. Ein Auftritt von EZB-Rat Nagel steht wiederum auf der Agenda.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt setzt am Montag die jüngste Abwärtsbewegung fort. Druck bringen weiterhin Bedenken zur US-Konjunktur und der wirtschaftlichen Erholung in China. Gold tendiert nach drei Handelstagen mit Verlusten am Montag etwas fester.

TERMINE AM MONTAG

  • Quartalszahlen: Ceconomy, Encavis, Siemens Energy, Axa, Deutsche Pfandbriefbank, Vantage Towers, Varta, Nagarro, Talanx, Adesso, Aumann, Dermapharm, Hamburger Hafen und Logistik, Koenig & Bauer, MVV Energie, MBB, Jost Werke, Porsche Automobil Holding

  • Konjunkturdaten: DE/Erzeugerpreise, DE/Großhandelspreise, EU/Konjunkturprognose, EU/Industrieproduktion, EU/Treibhausgas-Emissionen

  • 11:30 Regierungs-PK

  • 14:10 Bundesbankpräsident Nagel, Rede bei Bundesbank-Konferenz zu Geldordnungen und Stabilitätspolitik im 20. und 21. Jahrhundert

  • 15:00 Treffen der Eurogruppe

  • 15:00 Bundeskanzler Scholz, Keynote bei Global Solutions Summit, Berlin

  • Wirtschaftsministerium, Monatsbericht zur wirtschaftlichen Lage Mai

  • Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft setzt Warnstreik im Bahnverkehr fort, Deutsche Bahn stellt Fernverkehr ein

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