Lufthansa ergattert den fünften Stern


Für Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr machen sich die milliardenschweren Investitionen in die Qualität seiner Airline offenbar bezahlt. Die britische Beratungsfirma Skytrax zeichnete den Kranich-Flieger am heutigen Montag überraschend mit dem fünften Stern aus, um den sich Lufthansa seit Jahren bemüht. Die Auszeichnung gilt als „Oscar“ der Flugbranche und wurde bislang noch nie an eine europäische Gesellschaft verliehen.

„Die Standards im Kabinen- und Airportservice der Lufthansa haben sich dramatisch verbessert“, erklärte Skytrax-Vorstandschef Edward Plaisted jetzt in Frankfurt. Lufthansa habe dies in einer erstaunlich kurzen Zeit geschafft. Überprüft werden in der Bewertung von Skytrax nicht weniger als 800 Arbeitsbereiche am Boden und in der Luft, darunter Sitzkomfort, Catering, Sicherheit und das Unterhaltungsprogramm an Bord. In einem aufwendigen Programm hatte die Kranich-Airline in den letzten Jahren die Kabinen der First, Business, Premium Economy und Economy umfassend erneuert. Darüber hinaus hat die Lufthansa Milliarden investiert, um neue Flugzeuge für die Flotte zu kaufen.

Konkrete Ertragsziele, die er mit der Hochstufung verbindet, nannte Lufthansa-Chef Spohr zunächst nicht. „Es hilft uns aber“, sagte er, „unsere etwas höheren Preise in den oberen Flugklassen zu rechtfertigen.“ Ohne die Zweiteilung in die Premiummarke Lufthansa und die Billigtochter Eurowings, ließ Spohr durchblicken, wäre eine Fokussierung seiner Hauptmarke auf das Fünf-Sterne-Ziel wohl nicht gelungen.


Schon im Juni dieses Jahres hatte Skytrax den deutschen Marktführer während einer Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget zur besten Airline Europas gekürt. Anders als die Sterne-Auszeichnung, die ausschließlich auf einem Audit der Beratungsfirma beruht, folgt die Wahl zur besten Airline einem Votum von angeblich 19,8 Millionen Fluggästen. Die begehrte Fünf-Sterne-Auszeichnung dagegen errang Lufthansa bislang nur für die eigene First-Class-Lounge.

Den fünften Stern für die Gesamtairline, der seit 1999 vergeben wird, schafften vor Lufthansa nur neun weitere Fluggesellschaften, und zwar allesamt aus Asien. Träger der Auszeichnung sind unter anderem Etihad Airways, Qatar Airways und Singapore Airlines.


Der Verlierer des Rankings kommt aus der Türkei

Dass sich Lufthansa lange vergeblich um den fünften Stern bemühte, liegt nicht zuletzt daran, dass die Dauerstreiks der vergangenen Jahre die Zuverlässigkeit der Fluggesellschaft beeinträchtigten. „Wir beurteilen zwar nicht die Profitabilität einer Airline“, sagte Plaisted, „doch die Pilotenstreiks führten lange zu einem negativen Kunden-Feedback.“ Inzwischen gilt die Tarifauseinandersetzung als so gut wie gelöst.

Verlierer auf europäischer Ebene ist Turkish Airlines. Die halbstaatliche Gesellschaft aus Istanbul bemüht sich ebenfalls seit langem um den fünften Skytrax-Stern, wurde bislang aber nicht berücksichtigt. 2017 fiel die zuvor noch als beste europäische Airline geadelte Fluggesellschaft zudem hinter Lufthansa zurück. Während sich die deutsche Airline im internationalen Ranking der besten Fluggesellschaften von Platz zehn auf Rang sieben hocharbeitete, sackte Turkish um fünf Zähler auf Platz zwölf ab.


Dass der türkische Wettbewerber, der aktuell unter den politischen Wirren in Ankara leidet und zeitweise Fluggäste einbüßte, in nächster Zeit ebenfalls den begehrten fünften Stern erhält, ist unwahrscheinlich. Als mögliche Aspiranten auf die Auszeichnung in Europa nannte Plaisted lediglich die Lufthansa-Schwestern Swiss und Austrian Airlines. Die weltweit beste Airline ist aktuell Qatar Airways aus Doha.

Die Preise von Skytrax stehen allerdings immer wieder in der Kritik von Experten. Grund hierfür ist die mangelhafte Transparenz der Vergabekriterien. Zudem ist mit der Nutzung der Sterne-Klassifikation eine jährliche Gebühr verbunden, die Skytrax-Chef Plaisted mit 15.000 bis 25.000 Euro bezifferte.