Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht nachhaltigen Treibstoff als das "next big thing" — das passiert jetzt schon, um beim Fliegen CO₂ zu sparen

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Airline-Chef auf Automobil-Ausstellung: Zum ersten Mal war Lufthansa-Chef Carsten Spohr zu Gast auf der IAA.
Airline-Chef auf Automobil-Ausstellung: Zum ersten Mal war Lufthansa-Chef Carsten Spohr zu Gast auf der IAA.

Während die Automobilbranche schon mitten in der Transformation auf dem Weg zur Klimaneutralität steckt, hat die Luftfahrt noch einen weiten Weg vor sich. Alleine schon aus physikalischen Gegebenheiten: Ein Flugzeug muss mit alternativen Antrieben nicht nur fahren, sondern fliegen können – und das sicher. Von einem Wasserstoff- oder einem Elektroantrieb insbesondere für größere Flugzeuge ist die Branche noch weit entfernt.

Trotzdem wolle Lufthansa-Chef Carsten Spohr zusammen mit seiner Branche Teil der Lösung des Problems sein, sagte er am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in München. Die Transformation seines Unternehmens werde nicht nur von den Passagieren und Aktionären erwartet, sondern auch von den eigenen Mitarbeitern: „Es geht bei dem Thema um die Frage, welche Rolle wir in Zukunft spielen werden.“

Das machen Airlines und Flugzeugbauer schon heute:

Passagiere bekommen Online-Plattformen angeboten, auf denen sie CO2-Emissionen kompensieren können

Da es heute noch nicht möglich ist, ohne CO2-Emissionen zu fliegen, bieten die meisten Airlines die Möglichkeit an, CO2-Emissionen zu kompensieren. Lufthansa zum Beispiel bietet diese Möglichkeit mit dem eigenen Portal „Compensaid". Dort könnt ihr eure Flugnummer und das Datum eingeben. Auf Basis des Verbrauchs der Lufthansa-Flotte könnt ihr berechnen lassen, wie viel ihr bezahlen müsst, um die Emissionen zu kompensieren.

Ihr könnt angeben, wie schnell die Kompensation erfolgen soll: Wollt ihr ein Klimaschutzprojekt unterstützen, könnt ihr die Kompensation auf bis zu zehn Jahre verteilen und zahlt dann weniger Geld. Wollt ihr dagegen sofort kompensieren, wird der Preis höher – euer Geld wird dann investiert in den Einsatz von sogenanntem „Sustainable Aviation Fuel“ (SAF) – dem nächsten Punkt, wie Airlines schon heute nachhaltiger fliegen können.

Airlines tanken „Sustainable Aviation Fuel“ (nachhaltigen Flugkraftstoff)

Nachhaltiger Flugkraftstoff ist die erste Alternative zu fossilem Kraftstoff. Es ist die Möglichkeit, ohne technische Änderungen an den Flugzeugen mit reduzierten CO2-Emissionen zu fliegen. Verglichen mit herkömmlichen Brennstoffen kann SAF die CO2-Emissionen um bis zu 80 Prozent reduzieren.

In der Branche wird der Begriff meist auf Englisch verwendet, „Sustainable Aviation Fuel“ also, und in Fachkreisen mit SAF abgekürzt. Carsten Spohr sagte am Dienstag auf der IAA zu dieser Alternative: „Ich vermisse manchmal die Ehrlichkeit in der Nachhaltigkeits-Debatte: Sustainable Aviation Fuel ist heute schon verfügbar, aber in sehr begrenzten Mengen und es ist sehr teuer – für uns ist es das next big thing: Wie können wir das ändern?“

Er rechnet vor, dass die SAF-Ressourcen im Moment noch endlich sind. Lufthansa sei mit 11.000 Tonnen in Europa der größte Abnehmer von SAF. "Das klingt viel, reicht aber gerade mal für hundert Langstrecken-Flüge", so Spohr.

Airbus entwickelt ein Wasserstoff-Flugzeug

Der Flugzeugbauer Airbus hat im Herbst vergangenen Jahres medienwirksam eine „Wasserstoff-Offensive“ präsentiert. Der europäische Flugzeugbauer hofft, dass das erste Verkehrsflugzeug 2035 in Betrieb genommen werden kann. Es wäre das weltweit erste emissionsfreie Verkehrsflugzeug. Der Wasserstoff könnte zum Beispiel in veränderten Triebwerken verbrannt werden.

Allerdings glauben Experten, dass 2035 bestenfalls ein kleines Regional- oder Kurzstrecken-Flugzeug in Betrieb genommen werden kann. Airbus fordert einen "Schulterschluss" von Politik, Wissenschaft und Industriepartnern, damit Infrastruktur und Logistik für Wasserstoff-Flugzeuge entwickelt und bereitgestellt werden können.

Das ist das Konzept von Airbus für das erste Wasserstoff-Flugzeug.
Das ist das Konzept von Airbus für das erste Wasserstoff-Flugzeug.

Airlines können Flotten modernisieren

Lufthansa hat angekündigt, ihre Flotte bis zum Jahr 2030 so zu erneuern, dass der Kraftstoffbedarf im Schnitt um rund 10 bis 15 Prozent sinkt. Die Airline investiere dafür nach eigenen Angaben in moderne und besonders Treibstoff-effiziente Flugzeuge und Triebwerks-Technologien.

Auch die US-amerikanische Airline Delta hat angekündigt, ihre Boeing 777 mittelfristig durch den Airbus A350 zu ersetzen, der pro Sitzplatz 21 Prozent weniger Kerosin verbrauche als die Boeing 777. Da Flugzeuge im Schnitt rund 30 Jahre fliegen, ist die Flottenerneuerung von Airlines in der Regel mit hohen Kosten verbunden. Immer wieder wird deshalb in der Branche der Ruf nach einer Art "Abwrackprämie" der Politik laut.

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