Lufthansa bekommt wohl die Filetstücke

Die Lufthansa hat gute Chancen, die gewünschten Teile von Air Berlin zu bekommen. Die Kranich-Airline darf exklusiv über den Kauf der Perle Niki und weiterer Flugzeuge verhandeln. Am Montag folgen weitere Details.


Alles deutet darauf hin, dass Lufthansa die Teile der insolventen Air Berlin bekommen wird, die sie sich erhofft hat. Nach Informationen aus dem Umfeld der beteiligten Unternehmen hat der Gläubigerausschuss Sachwalter Lucas Flöther damit beauftragt, mit Europas größter Fluggesellschaft exklusiv über den Kauf der Air Berlin-Tochter Niki und weiterer Flugzeuge zu verhandeln. Sie gilt als Perle von Air Berlin. Diese Gespräche seien bis Mitte Oktober terminiert, heißt es. Weder Air Berlin noch Lufthansa wollten die Informationen auf Anfrage des Handelsblatts am Abend kommentieren.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte am Mittwochabend vor Journalisten erklärt, dass für ihn die „Sicherung der 38 Flugzeuge, die wir von Air Berlin gemietet haben“, oberste Priorität habe. „Zusätzlich haben wir ein Angebot für 20 bis 40 weitere Flugzeuge abgegeben. In Summe wären das bis zu 78 Flugzeuge, rund die Hälfte der Air-Berlin-Flotte. An der Langstrecke von Air Berlin hat Lufthansa entgegen früheren Plänen kein Interesse.

Gleichzeitig sei Flöther von den Gläubigern beauftragt worden, mit Easyjet über die Übernahme von Flugzeugen und Slots zu verhandeln., heißt es. Easyjet interessiert sich nach Informationen aus Unternehmenskreisen für die Maschinen am Standort Berlin und einzelne Verbindungen von Flughäfen wie Hamburg, München oder Düsseldorf. Je nach Entwicklung dieser Gespräche werde es dann noch Gespräche mit dem zu Thomas Cook gehörenden Ferienflieger Condor über weiteres Fluggerät geben.


Wie geplant soll am Montag über weitere Details der Verhandlungen informiert werden. „Da die Auswahl der Bieter und der Abschluss von Transaktionen auch der Zustimmung des Aufsichtsrats der Air Berlin bedürfen, wird der Aufsichtsrat am 25. September 2017 zu den Angeboten beraten“, teilte Air Berlin am Abend mit: „Anschließend soll der Stand des Bieterverfahrens der Öffentlichkeit vorgestellt werden.“

Die Ferienfluggesellschaft Niki ist heiß begehrt: Nahezu alle Bieter, darunter der Niki-Gründer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda, die IAG (British Airways und Iberia), der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl sowie der Manager Utz Claassen haben ein Auge auf die Tochtergesellschaft geworfen. Sie ist bislang nicht insolvent. Zudem verfügt sie über ein sogenanntes AOC, eine Betriebserlaubnis. Damit bekommt der Käufer automatisch auch die dazugehörigen Start- und Landerechte an den jeweiligen Flughäfen – ein wertvolles Gut.

Vor einem Verkauf von Niki etwa an die Lufthansa könnten alle von der „Hansa“ gewünschten Flugzeuge zu Niki rübergeschoben werden, dazu das für den Betrieb notwendige Personal. Danach könnte Lufthansa Niki kaufen. Das wäre die rechtlich sauberste Lösung. Lufthansa hat die Integration von rund 3000 der gut 8000 Air Berlin-Mitarbeiter in Aussicht gestellt.