Luftfahrtbranche erholt sich zunehmend vom Corona-Schock

Trotz der anhaltenden Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie blickt die internationale Luftfahrt optimistisch nach vorn: Die Zahl der Fluggäste werde in diesem Jahr wieder 83 Prozent des Niveaus vor der Krise erreichen, prognostizierte der Luftfahrtverband Iata am Montag, der in Doha in Katar zur Jahrestagung zusammenkam. Lufthansa-Chef Carsten Spohr warnte indes vor Personalmangel bei den Fluggesellschaften.

Zwar dürften sich die Verluste der Fluggesellschaften in diesem Jahr noch auf 9,7 Milliarden Dollar (9,2 Milliarden Euro) belaufen. Das sei jedoch eine "enorme Verbesserung" verglichen mit den beiden Vorjahren, die stark von der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen geprägt waren, erklärte der Verband.

So beliefen sich die Verluste 2020 auf 137,7 Milliarden Dollar, im Jahr 2021 waren es noch 42,1 Milliarden Dollar. Nach dem Wiederanstieg der Passagierzahlen in diesem Jahr dürfte laut Iata dann im kommenden Jahr das Ziel, in die Gewinnzone zurückzukehren, wieder "in Reichweite" kommen.

Der Verband Iata repräsentiert nach eigenen Angaben rund 290 Airlines in 120 Ländern, darunter die Lufthansa. Das entspricht 83 Prozent des weltweiten Luftverkehrs. Die Tagung in Doha dauert noch bis Dienstag. Ursprünglich sollte die Generalversammlung in Shanghai stattfinden, wegen der strikten Anti-Corona-Politik der chinesischen Regierung mussten die Teilnehmenden aber umdisponieren.

Wegen der Corona-Pandemie waren die Passagierzahlen 2020 eingebrochen und einige Firmen der Branche mussten Insolvenz anmelden. Zwar erholt sich der Sektor derzeit mit Blick auf das anstehende Sommergeschäft - allerdings warten neue Probleme wie ein eklatanter Personalmangel und damit verbundenes Chaos auf Flughäfen auf die Branche. Außerdem müssen Fluggäste mit Streiks der Airlines wegen Forderungen nach höheren Löhnen rechnen.

Auch die Lufthansa und die Tochterairline Eurowings mussten wegen Personalmangels über tausend für Juli geplante Flüge streichen. Führende Verbände der Luftverkehrs- und Reisebranche warnten vor langen Wartezeiten an Flughäfen während der Sommermonate. Die Flughäfen Gatwick nahe London und Amsterdam-Schiphol verringerten wegen Personalmangels unter anderem bei den Sicherheitskontrollen ebenfalls die Zahl der Flüge.

Lufthansa-Chef Spohr warnte bei der Tagung in Doha vor "Mängeln bei der Infrastruktur und beim Personal". Das sei eine langfristige Entwicklung wegen des demographischen Wandels. "Das ist kein reines Problem der Luftfahrtbranche, der Gastronomie- oder Restaurantbranche", sagte Spohr weiter. "Das ist der Beginn eines grundlegenden Wandels im Arbeitsmarkt, auf den wir uns vorbereiten sollten."

Spohr verwies auf die Regelungen für Arbeitsmigranten in Deutschland. Vor der Einwanderung müssten diese einen Arbeitsplatz vorweisen können und belegen, dass kein deutscher Staatsbürger für die Stelle gefunden werden konnte. "Ich denke, dass wir zumindest diese zweite Regelung nicht länger brauchen", sagte Spohr.

fho/hcy

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