Lucid und Nio über 30 % unter den Höchstständen – Zeit zu kaufen?

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E-Mobility: Batterie laden an Ladesäule
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In 3 Sätzen

  • Lucid hat Potenzial, könnte aber aufgrund von unbeeinflussbaren Faktoren ins Wanken geraten.

  • Nio-Investoren haben vielleicht das Vertrauen verloren, nachdem die Auslieferungen im Oktober stark zurückgegangen sind, aber da steckt noch mehr dahinter.

  • Lucid und Nio sind nach wie vor zwei der besten Unternehmen im Bereich der Elektrofahrzeuge.

Innerhalb weniger Wochen sind viele Wachstumsaktien abgeschmiert.

Lucid Group (WKN: A3CVXG) und Nio (WKN: A2N4PB) sind zwei sehr unterschiedliche Elektrofahrzeugunternehmen, die sich weltweit einen Namen machen wollen. Trotz ihres Potenzials sind die Aktienkurse beider Unternehmen jedoch zurückgegangen. Schauen wir doch mal, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um Lucid und Nio zu kaufen, oder ob die Anleger lieber die Füße stillhalten sollten.

Keine Anzeichen einer Verlangsamung

Daniel Foelber (Lucid): Lucid hatte ein hervorragendes Jahr 2021. Das Unternehmen begann mit der Massenproduktion und Auslieferung seiner Lucid-Air-Dream-Edition-Limousine, wurde von MotorTrend zum Auto des Jahres 2022 gekürt und übertraf die Reichweitenwerte der EPA (Environmental Protection Agency). Infolgedessen stürzten sich die Anleger auf die Aktie des Unternehmens, die in diesem Jahr um mehr als das Dreifache gestiegen ist.

Allerdings gibt es auch bei Lucid Anzeichen für eine Abkühlung. Die Aktie liegt jetzt etwa 30 % unter ihrem Höchststand und folgt damit dem allgemeinen Trend der Elektroautoindustrie. Der Erfolg von Lucid im Jahr 2022 und darüber hinaus hängt davon ab, dass eine ganze Reihe von Dingen richtig laufen. Das Unternehmen muss seine Produktionskapazitäten erhöhen, durchschnittlich 55 Autos pro Tag produzieren und ausliefern, seine Produktpalette erweitern und seinen Gravity-SUV entwickeln – und vor allem muss es sich gegen eine Reihe von alten und neuen Autoherstellern wehren, die sich darum reißen, ihre eigene Batterietechnologie zu entwickeln. Das ist eine große Aufgabe, aber Lucid hat bisher bewiesen, dass es in der Lage ist, seine Versprechen zu erfüllen.

So beeindruckend das Jahr für Lucid auch war, die Realität ist, dass das Unternehmen unglaublich jung ist und erst noch die nötige Erfolgsbilanz aufbauen muss, um Skepsis abzuwehren. Die Lucid-Aktie wurde zunächst mit Euphorie und Optimismus aufgenommen, bevor sie eine etwa sechsmonatige Flaute erlebte.

Da Lucid über keine aussagekräftigen Finanzkennzahlen wie Umsatz und Gewinn verfügt, hängt die Performance des Unternehmens davon ab, ob es den Anlegern beweisen kann, dass die Menschen seine Autos kaufen wollen, dass es die Autos produzieren kann, die sie kaufen wollen, und dass es in Zukunft noch mehr Autos verkaufen wird. Letzten Endes gibt es viele Faktoren, die außerhalb der Kontrolle von Lucid liegen, insbesondere die Chip-Knappheit. Dennoch hat Lucid einen Vorteil gegenüber anderen Autoherstellern: Das Unternehmen ist nicht zu sehr von Drittanbietern abhängig, da es seine eigenen Akkus herstellt und einen Großteil seines Produktionsprozesses kontrolliert.

Ein Blick aufs große Ganze

Howard Smith (Nio): Die Aktien des chinesischen Elektroautoherstellers Nio sind seit Jahresbeginn um mehr als 30 % gefallen und liegen 50 % unter den Höchstständen vom Januar 2021. Zu diesen Höchstständen wurde das Unternehmen aufgrund seines Potenzials und des erwarteten anhaltend starken Wachstums bei der weltweiten Elektrifizierung des Verkehrs mit fast 100 Mrd. US-Dollar bewertet. Allerdings wurde die Branche in diesem Jahr von einem Mangel an Halbleiterchips getroffen, der die Produktion vieler Automobilhersteller beeinträchtigte.

Nio war dagegen nicht immun, und dies trug zum Rückgang der Aktien bei, sodass die Marktkapitalisierung des Unternehmens jetzt bei etwa 54 Mrd. US-Dollar liegt. Das ist immer noch ein hoher Wert, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen noch keinen Gewinn erwirtschaftet hat und ein starker Rückgang der Fahrzeugauslieferungen im Oktober die Anleger weiter verschreckt hat. In dieser Woche hat Nio jedoch seine Auslieferungsergebnisse für November bekannt gegeben, und dieser Rückgang der Bewertung könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, um Nio-Aktien zu kaufen.

Nio meldete einen monatlichen Rekord bei den Fahrzeugauslieferungen im November. Dies trägt dazu bei, die Bedenken hinsichtlich Lieferengpässen zu zerstreuen. Das bestätigt auch, dass ein Großteil des Rückgangs im Oktober auf eine Produktionsunterbrechung zurückzuführen war, da das Unternehmen seine Fertigungslinien für höhere Stückzahlen und neue Produkte aufrüstete. Ein Blick auf die Entwicklung der monatlichen Lieferungen von Nio im Jahr 2021 zeigt, dass das Wachstumsmuster intakt zu sein scheint.

Bis November 2021 sind die Auslieferungen von Nio um mehr als 120 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020 gestiegen. Doch selbst die Rekordzahl vom November entspricht nur etwa der Hälfte der Produktionskapazität, auf die das Unternehmen hinarbeitet. Diese Erweiterung soll im Frühjahr 2022 abgeschlossen sein und das Unternehmen geht davon aus, dass es genügend Nachfrage gibt, um dieses Wachstum zu unterstützen. Nio begann im Juli 2021 mit dem Export von Fahrzeugen, als es eine Präsenz in Norwegen einrichtete. Für das nächste Jahr ist der Markteintritt in Deutschland geplant, zudem wird das Unternehmen mehrere neue Produkte auf den Markt bringen.

Daher könnte der Rückgang des Aktienkurses in diesem Jahr für Anleger mit Geduld und der entsprechenden Risikotoleranz ein guter Zeitpunkt für einen Kauf sein.

Eine großartige Branche für Investments

Lucid und Nio sind zwei der besseren aufstrebenden Wachstumsaktien für Elektroautos. Beide Unternehmen verfügen über echte Wettbewerbsvorteile, die sie weit bringen könnten, wenn der Umstieg vom Verbrennungsmotor auf den Elektromotor gelingt. Anleger, die langfristig am Ball sind, könnten gut daran tun, jetzt Aktien zu kaufen. Oder eben auf die gesamte Branche setzen und einen ganzen Korb voll Elektroautoaktien kaufen.

Der Artikel Lucid und Nio über 30 % unter den Höchstständen – Zeit zu kaufen? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Daniel Foelber besitzt Aktien von Lucid Group. Howard Smith besitzt Aktien von Lucid Group und Nio. The Motley Fool besitzt und empfiehlt NIO Inc. and Tesla. Dieser Artikel erschien am 6.12.2021 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2021

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