LSE ernennt Goldman-Banker Schwimmer zum Chef

Die Fußstapfen, in die David Schwimmer als neuer CEO der Londoner Börse tritt, sind groß. Sein Vorgänger Xavier Rolet ist eine Legende, in seinen achteinhalb Jahren als Vorstandschef hat er den Börsenwert der London Stock Exchange von 800 Millionen auf 14 Milliarden Pfund vervielfacht. Er hat das Unternehmen zum Marktführer im Euroclearing-Geschäft gemacht und andere neue Wachstumsmärkte erschlossen.

Diese Bilanz dürfte selbst einem altgedienten Goldman-Sachs-Mann Ehrfurcht einflößen. Mit dem 49-jährigen US-Amerikaner macht der LSE-Verwaltungsrat erneut einen Investmentbanker zum Vorstandschef. Im Börsengeschäft ist Schwimmer ein Neuling, bei Goldman war er zuletzt für Marktstruktur und Rohstoffe zuständig. In seiner 20-jährigen Karriere bei der Bank in New York und Moskau war er auch mal Büroleiter von Lloyd Blankfein, bevor dieser CEO wurde.

Schwimmer übernimmt die LSE nach einem turbulenten Jahr. Im März 2017 war die 25-Milliarden-Euro-Fusion mit der Deutschen Börse gescheitert. Im November dann trat Rolet vorzeitig zurück, nachdem der aktivistische Investor Christopher Hohn einen Machtkampf mit Verwaltungsratschef Donald Brydon angezettelt hatte. Brydon überlebte ein Misstrauensvotum bei der von Hohn einberufenen außergewöhnlichen Hauptversammlung, wird aber nach Ablauf seiner Amtszeit 2019 nicht mehr antreten.


In dem Machtkampf traten deutliche Managementmängel zutage, die Schwimmer nun adressieren muss. Dabei helfen wird ihm der amtierende Interims-CEO David Warren, der wieder seine alte Rolle als Finanzvorstand übernehmen wird. Die gesamte Führungsmannschaft, die stark auf Rolet zugeschnitten war, wird sich neu zusammenrütteln müssen.

Das Geschäft lief im vergangenen Jahr trotz der Querelen gut: Die Erträge stiegen um 17 Prozent auf 1,8 Milliarden Pfund, der Nettogewinn betrug 505 Millionen Pfund - deutlich mehr als die 152 Millionen Pfund im Vorjahr.

Schwimmer muss nun eine neue Strategie für Europas größte Börse für die Zeit nach dem Brexit formulieren. Die Zukunft der hochprofitablen Tochter LCH, die das Euro-Clearing dominiert, ist ungewiss. Auf dem Kontinent gibt es viele Politiker und Regulierer, die das Geschäft in die Euro-Zone holen wollen. Auch wenn das Clearing nicht umziehen sollte, will die Deutsche-Börse-Tochter Eurex den Londonern Marktanteile abnehmen.

Ein weiteres Großprojekt ist der geplante Börsengang von Saudi Aramco. Die saudische Ölfirma hat noch nicht entschieden, ob sie sich wirklich der erhöhten Transparenz an den Finanzmärkten stellen will. London und New York machen sich jedoch Hoffnungen auf den größten Börsengang aller Zeiten.


Auch mögliche Fusionen und Übernahmen werden in der Branche weiterhin ein Thema bleiben. Schwimmer wird neues Wachstum finden müssen, insbesondere, wenn der Marktanteil im Euro-Clearing langfristig sinkt.

Schwimmers Vertrag bei der LSE beginnt im August. Er erhält ein Jahresgehalt von 775.000 Pfund sowie einen Bonus von bis zu 225 Prozent seines Gehalts. Im kommenden Jahr erhält er zudem eine Einmalzahlung von 1,05 Millionen Pfund, um den entgangenen Goldman-Bonus für dieses Jahr auszugleichen.