Loveparade-Opferanwalt Baum wirft Behörden mangelnden Aufklärungswillen vor

1 / 2

Gedenkstätte für die Loveparadeopfer in Duisburg

Siebeneinhalb Jahre nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade hat in Düsseldorf der Strafprozess gegen zehn Angeklagte begonnen. Die Staatsanwaltschaft legt ihnen fahrlässige Tötung beziehungsweise fahrlässige Körperverletzung zur Last

Vor dem Start des Prozesses um die Loveparade-Katastrophe in Duisburg hat der Opferanwalt Gerhard Baum Politik und Behörden mangelnden Aufklärungswillen vorgeworfen. "Die ganze Sache ist eigentlich nie umfassend aufgearbeitet worden", sagte Baum am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin" etwa mit Blick auf die Rolle von Polizeientscheidungen.

"Jetzt spitzt sich das auf die strafrechtliche Verantwortung einiger zu, aber das ist zu eng", betonte der Jurist und frühere Bundesinnenminister von der FDP. Das sei "unbefriedigend". Trotzdem sei das Verfahren für die Angehörigen bedeutsam. Sie wollten "die Wahrheit wissen" sowie Gerechtigkeit. Dazu könne der nun beginnende Prozess seiner Meinung nach "einen Beitrag leisten".

Bei dem Technofestival waren vor siebeneinhalb Jahren in einem Gedränge 21 Menschen getötet worden. Vor dem Duisburger Landgericht wird ab Freitag gegen mehrere Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Veranstalters verhandelt. Ihnen wird fahrlässige Tötung beziehungsweise Körperverletzung zur Last gelegt. Aus Platzgründen findet der Prozess statt im Duisburger Landgerichtsgebäude in einer Messehalle in Düsseldorf statt.

Nach einem Bericht der "Rheinischen Post" vom Freitag könnten auch Nachlässigkeiten beim Umgang mit mobilen Zäunen zu dem Unglück beigetragen haben. Wie die Zeitung unter Berufung auf das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Gutachten zur den Ursachen schrieb, waren sie nach der Abnahme des Geländes nicht wie geplant aus dem Eingangsbereich weggeräumt worden.

Stattdessen waren die Zäune, die der Absperrung des Geländes vor unbefugten Zutritt dienten und vor Beginn der Veranstaltung entfernt werden sollten, demnach aber nur beiseite gestellt worden. Das habe den Einlassbereich von den geplanten rund 22 Metern deutlich verkleinert. An der engsten Stelle war dieser dem Zeitungsbericht zufolge dann nur noch 10,60 Meter breit.