Londons Hoffnung auf Marktdominanz auch nach Brexit schwindet

Silla Brush, Harry Wilson und Viren Vaghela
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Etwas mehr als eine Woche nach dem Ende der Übergangszeit verfestigt sich in der Londoner City eine Erkenntnis über ihre Zukunft nach dem Brexit: Ein Finanzdienstleistungsabkommen mit der Europäischen Union könnte zu mager ausfallen und zu spät kommen, um ihre beherrschende Stellung in der Branche zu behalten.

Die Verhandlungen sollen bald beginnen, um den Rahmen der regulatorischen Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und der EU festzulegen. In dem Handelsabkommen, das die Trennung Großbritanniens von der EU am 31. Dezember markierte, wurde die Branche weitgehend außer Acht gelassen. Eine Frist bis März wurde festgelegt, aber bis jetzt gibt es wenig Details - einschließlich der Frage, wer die Verhandlungen führen wird.

Die ersten Tage des Brexit haben gezeigt, was auf dem Spiel steht: London verlor am 4. Januar, dem ersten Geschäftstag nach der Übergangszeit, 6,3 Milliarden Euro an täglichem Aktienhandel an EU-Handelsplätze. Der Verlust über Nacht gab den Forderungen von Finanzunternehmen und der Londoner Börse an die Politik Auftrieb, die Regeln zu lockern und der City zu einem Wettbewerbsvorteil gegenüber den europäischen Rivalen zu verhelfen.

EU-Handel wird nicht zurückkehren

Ein solcher Schritt wurde am Wochenende bekannt, als das britische Finanzministerium erklärte, dass es den Handel mit Schweizer Aktien zulassen will. Ein entsprechendes EU-Verbot würde damit aufgehoben. Der Handel mit Aktien von Unternehmen wie Nestle SA und Roche Holding AG in London könnte einen Teil des Verlustes an EU-Aktien ausgleichen. Gleichzeitig würde mit dem Vorstoß aber die Spaltung Großbritanniens mit der EU vertieft und Marktzugang für die City unwahrscheinlicher.

Für Europas Verhandlungführer besteht kaum ein Anreiz, eine Vereinbarung zu treffen, da Finanzzentren von Frankfurt und Paris bis Amsterdam auf Kosten Londons Geschäfte gewinnen.

“Der Handel mit EU-Aktien ist weg, er wird nicht zurückkehren”, sagte David Howson, Präsident von Cboe Europe, dem größten Handelsplatz für EU-Aktien in London. Das Unternehmen hat zusehen müssen, wie fast 95% ihres Geschäftsvolumens abgewandert ist, sagte Howson am Donnerstag gegenüber Bloomberg Television.

“Ich denke nicht, dass dies der Todesstoß für Londons Bedeutung auf den globalen Kapitalmärkten ist”, sagte Philip Hampton, ehemaliger Vorsitzender der NatWest Group Plc. „Einige der Vorteile Londons - Geschichte, Recht, Sprache - lassen sich nicht leicht von anderen Zentren replizieren.“

Überschrift des Artikels im Original:City of London’s Plight Laid Bare as Brexit Deal Hopes Fade (1)

(Wiederholung vom Vortag)

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