Der etwas andere Lieferservice: In London gibt's Essen aus dem Gefängnis

·Freie Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Lieferdienste sind die Rettung aller Hungrigen in Situationen, in denen nichts Vernünftiges zuhause ist oder man nach einem langen Tag einfach keine Lust mehr hat, noch lange am Herd zu stehen. In London gibt es diesbezüglich ein Angebot, das nicht nur auf angenehme Art satt macht, sondern auch zur Resozialisation von Häftlingen beiträgt.

In der heutigen Welt ist es so gut wie unmöglich, sich ein Leben ohne Lieferservice vorzustellen. (Symbolbild: Getty Images)
In der heutigen Welt ist es so gut wie unmöglich, sich ein Leben ohne Lieferservice vorzustellen. (Symbolbild: Getty Images)

Wer im Londoner Stadtteil Lambeth im Süden der britischen Hauptstadt Lust auf leckeres Lieferessen hat, hat die freie Auswahl: Pizza und Nudeln, Currys, Burger oder vegetarisches Essen – in der Großstadt tummeln sich die Lieferdienste. Einer aber sticht aus der Masse hervor und zwar nicht nur wegen der angebotenen Speisen, sondern vor allem auch wegen der Köche, die diese zubereiten.

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Für die Übung der Häftlinge liefert das Restaurant in Corona-Zeiten

Im Restaurant The Clink stehen ausnahmslos Männer und Frauen am Herd, die im Brixton Prison eine Gefängnisstrafe absitzen oder solche, die die Insassen in der Kunst des Kochens ausbilden. Normalerweise werden die Gäste im hauseigenen Restaurant vor Ort bewirtet, was die Coronavirus-Pandemie aber unmöglich gemacht hat.

Damit die Häftlinge trotzdem in Übung bleiben, wird das Essen jetzt auch ausgeliefert, wie die “BBC“ berichtet. Geliefert wird momentan an alle Haushalte, die innerhalb eines fünf-Meilen-Radius’ (rund 8,5 Kilometer) um das Gefängnis wohnen und online bestellen.

Die Idee: Wer kochen kann, findet einen Job

Das spezielle Projekt der Gefängnisküche der gehobenen Art soll dazu führen, dass die Häftlinge nach ihrer Entlassung eine Anstellung in der Gastronomie bekommen, wodurch auch die Rückfallrate gesenkt werden soll. Und tatsächlich haben in der Vergangenheit schon Restaurants wie das Wahaca oder Hotels wie das Lancaster London und Häuser der Kette Thistle Clink-Absolventen angestellt.

Camilla, Herzogin von Cornwall, war eine der Besucherinnen von The Clink. (Bild: Getty Images)
Selbst Camilla, Herzogin von Cornwall, war in der Vergangenheit eine der Gäste von The Clink (Bild: Getty Images)

Wie die “BBC“ berichtet, wird das erst vor Kurzem gestartete Angebot des Lieferdienstes so gut angenommen, dass momentan alle Liefer-Slots belegt sind. Kein Wunder, wenn man sich anschaut, welche Köstlichkeiten auf der Karte stehen, zum Beispiel: Mit getrockneten Tomaten und Parmesan gefüllte Arancini (sizilianische Reisbällchen) mit Rucula-Pesto als Vorspeise für umgerechnet knapp 4,50 Euro oder Seebrasse mit mediterranem Gemüse und Sala Verde als Hauptspeise (rund 10 Euro). Laut Chris Moore, dem Leiter des Projekts, sind bis jetzt Jerk Chicken und Katsu Curry die meistbestellten Gerichte.

Die Rückfallquote unter den Köchen ist geringer

Darüber hinaus soll der Lieferdienst das Projekt am Leben erhalten - denn bisher hat es durchaus Erfolg. Tatsächlich würden die im Restaurant ausgebildeten Häftlinge weniger häufig wieder straffällig als andere Insassen. Bei dem Projekt, in das 280 Mitarbeiter involviert sind, gehe es darum, in jemandes Zukunft zu investieren und den Köchen eine zweite Chance zu geben, um ihr Leben wieder ins Lot zu bringen und der Gesellschaft keine Bürde zu sein.

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