London: Einwanderung stark rückläufig

Die Netto-Einwanderung nach Großbritannien ist deutlich zurückgegangen. Vor allem immer mehr EU-Ausländer verlassen das Land und immer weniger ziehen dorthin.

Nach Schätzungen der britischen Statistikbehörde ONS sank die Differenz zwischen Einwanderung und Auswanderung binnen eines Jahres bis Ende März bei allen Ausländern um 81.000 auf 246.000. Das ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Unter EU-Ausländern fiel die Netto-Einwanderung sogar um 51.000 auf 127.000 und damit so stark wie seit etwa zehn Jahren nicht mehr.

Der stärkste Rückgang wurde unter Mitgliedern acht osteuropäischer Staaten verzeichnet, darunter Polen und Ungarn.

Die Zahlen deuten laut ONS darauf hin, dass das Brexit-Referendum im Juni vergangenen Jahres für den Rückgang verantwortlich sein könnte. Unklar sei, ob es sich um einen langfristigen Effekt handele.

London will durch die Scheidung von der EU die ungehinderte Zuwanderung von EU-Ausländern beschränken. Wahlkampf-Ziel von Premierministerin Theresa May war die Reduzierung der Netto-Einwanderung auf unter 100.000.

Der Londoner Wirtschaftsverband “The Institute of Directors” warnte, ohne die drei Millionen EU-Bürger im Land würde Großbritannien unter “akutem Arbeitskräftemangel” leiden. Es gebe besorgniserregende Signale, dass Großbritannien “ein weniger attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten” werde.

Vor allem das Baugewerbe, Agrarbetriebe und Firmen in der Lebensmittelindustrie befürchten, ohne billige Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland nicht überlebensfähig zu sein.

In der kommenden Woche sollen die Brexit-Verhandlungen in Brüssel fortgesetzt werden.