Lokführergewerkschaft nennt neues Tarifangebot der Bahn "Scheinofferte"

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Im Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn (DB) ist weiterhin keine Entspannung in Sicht. Die GDL nannte das am 1. Juli vorgelegte neue Angebot der Bahn am Dienstag "eine vor Falschbehauptungen nur so strotzende Scheinofferte". Die Bahn warf der GDL eine "Verweigerungshaltung" vor.

Die Bahn hatte vergangene Woche erklärt, mit dem neuen Angebot würde die bislang schon vorgeschlagene Lohnerhöhung um 3,2 Prozent in zwei Schritten früher eintreten. Damit sei das Angebot für die GDL "noch einmal deutlich attraktiver". Zudem biete der Konzern "zusätzliche Mobilitätsleistungen" für Mitarbeitende.

GDL-Chef Claus Weselsky nannte Bahn-Personalchef Martin Seiler am Dienstag einen "Lügenbaron". Ziel sei, die GDL in der Öffentlichkeit als "irrational darzustellen". Es bleibe bei 3,2 Prozent Entgelterhöhung über 40 Monate Laufzeit ohne die von ihr geforderte "Corona-Beihilfe". "Von der öffentlich postulierten Erweiterung also an dieser, wie auch an allen anderen Stellen, keine Spur", kritisierte die Gewerkschaft.

Die DB will 1,5 Prozent mehr ab Januar 2022 zahlen, weitere 1,7 Prozent mehr ab März 2023. Laufen soll dieser Tarifvertrag bis Ende Juni 2024.

Die GDL fordert bereits für 2021 ein Plus von 1,4 Prozent und für 2022 ein Plus von 1,8 Prozent, die Laufzeit solle am 30. Juni 2023 enden.

Auf den Vorschlag der DB, die Verhandlungen am 13., 14. und 15. Juli wieder aufzunehmen, werde die GDL sich "nicht die Mühe machen" zu antworten, erklärte Weselsky am Dienstag weiter. Die DB habe "jeglichen Bezug zur Realität verloren".

Die Deutsche Bahn kritisierte die Gewerkschaft daraufhin scharf. "Wer jetzt nicht an den Verhandlungstisch kommt, will keine Lösung und hat null Interesse, vernünftige Kompromisse zu finden", erklärte eine Sprecherin des Konzerns. Die Bahn bleibe "jederzeit an jedem Ort verhandlungsbereit".

In der Tarifrunde müsse es darum gehen, angesichts der wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Pandemie "solidarische und vertretbare Lösungen zu finden". Gleichzeitig wies die Bahn den Vorwurf zurück, das Angebot vom 1. Juli 2021 sei kein erweitertes Angebot.

Weselsky kündigte an, dass "in Kürze" die Urabstimmung der GDL-Mitglieder über Streiks eingeleitet werde. Am 9. August würden die Stimmen ausgezählt. "In der Erwartung eines klaren Votums der GDL-Mitglieder wird das Antwort genug an den Arbeitgeber sein." Weselsky hat bereits einen harten Arbeitskampf angekündigt. Die Bahn möchte einen Streiksommer vermeiden. Sie hat neben der Wiederaufnahme der Verhandlungen auch eine Schlichtung vorgeschlagen.

jm/ilo

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