Die Logik der Tesla-Skeptiker wird zum Bumerang

Marlon Bonazzi, Chefredakteur und Analyst für internationale Aktien

Einen Großteil des letzten Jahrzehnts hat der amerikanische Elekroauto-Pionier Tesla (WKN:A1CX3T) damit verbracht, eine überschaubare Zahl an Luxusautos für Käufer mit dem nötigen Kleingeld herzustellen. Das änderte sich, als man den Mittelklasse-Wagen Model 3 einführte, dessen Produktion Mitte 2017 anlief.

Tesla-CEO Elon Musk ließ sich früh dazu hinreißen, die baldige Produktion von hunderttausenden Model 3s zu prognostizieren. Das ging erstmal nicht glatt. Es gab an vielen Stellen große Produktionsprobleme und der Zeitplan verzögerte sich.

Das verursachte eine Welle an Hohn von Seiten der Großproduzenten. Der damalige VW-Chef Matthias Müller nannte Tesla einen „Ankündigungsweltmeister“. Viele sahen in den Produktionsproblemen den Beweis dafür, dass Tesla zum Scheitern verurteilt war.

Ihre Logik war dabei ziemlich nachvollziehbar: Die verlässliche und profitable Großserienfertigung von hochwertigen Autos ist verdammt schwer. Die großen etablierten Autohersteller haben darin Jahrzehnte an Erfahrung, und diese Erfahrung zu kopieren ist alles andere als einfach. Nur weil ein Wille da ist, muss noch lange kein Weg da sein.

Die Hiobsbotschaften sind aber nicht eingetroffen. Tesla produziert zwar immer noch nur einen Bruchteil der Einheiten von VW, aber das junge Unternehmen hat seine Produktion mittlerweile gut im Griff. Erst vor ein paar Tagen überraschten seine Produktionszahlen, 104.891 im vierten Quartal 2019, positiv.

Das Interessante ist, dass die etablierten Autohersteller nie bereit waren, die Logik ihrer Tesla-Skepsis – dass Vorsprünge schwer einzuholen sind und Know-how schwer kopierbar ist – auf sich selbst anzuwenden. Es wurde immer selbstbewusst verbreitet, dass wenn sich die Großen dann auch mal dazu entscheiden, Elektroautos zu bauen, diese von heute auf morgen mindestens so gut wie ein Tesla sein werden.

Jetzt kommt der Bumerang. Die Aufholjagd zu Tesla treibt den etablierten Herstellern den Schweiß auf die Stirn. Sie tun sich sowohl schwer, attraktive Elektroautos herzustellen, als auch, diese zu passablen Preisen anzubieten (Tesla wurde lange Zeit für seine vermeintlich überteuerten Preise kritisiert).

Die deutsche Branche hinkt massiv hinterher. Vor allem bei der Batterietechnik, dem Herz eines Elektroautos, kommen sie nicht an Tesla heran. Ein paar Beispiele: Audis e-tron quattro verbraucht fast doppelt so viel Strom wie ein Model 3 auf gleicher Strecke. Die amerikanische Behörde EPA gab dem Porsche Taycan Turbo ein viel niedriger als versprochenes Reichweiterating, was die Reichweite des teuren Sportwagens ungefähr bei der Hälfte des reichweitestärksten Tesla Model S ansetzt. Auch Mercedes Vorzeige-Elektroauto, der EQC, schneidet bei einem Vergleich nicht vorteilhaft ab.

Eigentlich haben es die etablierten Hersteller doch immer gewusst: Von (fast) null anfangen ist verdammt schwer. Dass sie diese Weisheit nicht selbst beherzigt haben, und früher ihre Elektro-Expertise ausgebaut haben, wird jetzt zum Stolperstein.

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Offenlegung: Marlon Bonazzi besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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