Merkel gegen Schulz: So lief das TV-Duell – und das sagen die Gäste bei „Anne Will“

Kanzlerin gegen Kandidat: 96 Minuten Politik-Duell. Das Minutenprotokoll

Der Wahlkampf erreichte seinen ersten Höhepunkt: Die beiden Kanzlerkandidaten Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) trafen im einzigen TV-Duell vor der Bundestagswahl aufeinander - und überzogen sogar die vorgesehenen 90 Minuten. Das Duell zum Nachlesen: 

23.45 Uhr

Damit verabschieden wir uns und schließen den Newsblog. Kommen Sie gut durch die Nacht! 

23.33 Uhr

Martin Schulz war gut - aber das reicht nicht. Unsere Analyse: 

23.22 Uhr 

Der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg hat den Auftritt von Martin Schulz als Bewerbung für das Amt des Außenministers gewertet. „Wir haben heute, wenn man es etwas flapsig sehen kann, eine Bewerbungsrede eines künftigen Außenministers vor den Augen der Nation gesehen - bei der künftigen Chefin im Zweifelsfall“, sagte Guttenberg in der ARD-Sendung „Anne Will“ und fügte hinzu: „Wobei ich auch hoffe, dass die nächste Konstellation keine große Koalition ist.“

23.15 Uhr 

Vertreter kleinerer Parteien haben sich enttäuscht geäußert. Man habe „ein Trauerspiel gemeinsamer Ideenlosigkeit gesehen“, sagte Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn im ZDF. Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner sprach von „zwei Umweltversagern“. Auch „völkischer Hass“ in der Gesellschaft, der zum Teil von einer Partei rechtsaußen geprägt werde, sei nicht thematisiert worden, sagte er mit Blick auf die AfD. 

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer kritisierte, über Digitalisierung und Bildung sei nicht gesprochen worden. AfD-Vorstandsmitglied Georg Pazderski sagte, es seien keine Lösungen für Probleme angeboten worden.

23.10 Uhr

FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner kommentiert das Duell: „Die Medien interpretieren irgendeine Spannung in das TV-Duell. Ich finde, es hat sich angefühlt wie die Wartezeit beim Einwohnermeldeamt.“ 

Linke-Spitzenkandidatin Katja Kipping sagt: „Wenn das TV-Duell das Duell zwischen Kanzlerin und Herausforderer war, müssen wir wohl demnächst den Job übernehmen und (eine) eigene Kanzlerkandidatur überlegen.“

23.09 Uhr 

Die Generalsekretäre von CDU und SPD, Peter Tauber und Hubertus Heil, haben die Stärken ihrer jeweiligen Spitzenkandidaten im TV-Duell hervorgehoben. Tauber sagte im ZDF, die Menschen hätten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) „besonnen, ruhig und bodenständig“ erlebt. Heil sagte, SPD-Herausforderer Martin Schulz habe „Kanzlerformat“ gezeigt und deutlich gemacht, dass er gestalten wolle, statt nur die Gegenwart zu verwalten.

23.07 Uhr

Jetzt gibt es Bilder nach dem Duell - sowohl Schulz, als auch Merkel, wirken gelöst: 

23 Uhr 

„Die haben ja immer beide mit dem Kopf genickt, wenn der andere geredet hat.“ (Thomas Gottschalk am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“ nach dem Fernsehduell)

22.55 Uhr 

Die Berliner CDU fühlt sich nach dem TV-Duell im Bundestagswahlkampf bestätigt. „Die Bundeskanzlerin hat wieder einmal gezeigt, warum die überwiegende Mehrheit der Deutschen ihr vertraut und die Zukunft unseres Landes in bewährten Händen lassen will“, sagte CDU-Fraktionschef Florian Graf.. „Ihre Kompetenz, ihre Verlässlichkeit und ihre Souveränität, Eigenschaften, die sie auch in der Diskussion mit ihrem Herausforderer unter Beweis gestellt hat, machen Sie zu der besten Kanzlerin für unser Land“, fügte Graf hinzu. 

22.50 Uhr 

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wünscht sich nach dem TV-Duell mit Angela Merkel ein weiteres Aufeinandertreffen mit der Kanzlerin im Fernsehen. „Ein zweites Duell wäre sicher sinnvoll gewesen“, sagt Schulz nach der etwa anderthalbstündigen Debatte. „Ich bin auch gerne bereit für ein solches zweites Duell.“ Schulz bedauerte, dass verschiedene Themen zu kurz gekommen seien. „Wir haben ganz wenig über die Digitalisierung diskutiert und Zukunftsfragen“, sagte Schulz. „Insgesamt hab ich den Eindruck, dass es ein faires Duell war.“

22.47 Uhr 

Einen kräftigen Schub für den Endspurt im SPD-Wahlkampf erwartet die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nach dem TV-Duell. „Ich bin sehr zufrieden mit unserem Spitzenkandidaten Martin Schulz, er war sehr klar in allen Fragen“, sagte Dreyer der Deutschen Presse-Agentur. „Die Bürger konnten so den Eindruck gewinnen, dass Martin Schulz die Durchsetzungskraft und die Kompetenzen hat, Kanzler zu werden.“ Dreyer hatte im vergangenen Jahr einen monatelangen CDU-Vorsprung in den Umfragen in den letzten Tagen vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz noch umkehren können.

Dreyer hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sich im TV-Duell zwei Mal von Ministern der eigenen Partei distanziert zu haben - bei der Rente mit 70 von Finanzminister Wolfgang Schäuble und beim Familiennachzug für Flüchtlinge von Innenminister Thomas de Maizière. Schulz habe deutlich gemacht, „dass wir eine humane Flüchtlingspolitik und das Menschliche im Blick behalten müssen“.

Auf die Frage, warum Schulz bei der Frage nach einer Koalition mit der Linken so ausweichend gewesen sei, antwortete Dreyer: „Ich kann gut verstehen, dass er sich nicht reduzieren lassen will auf die Koalitionsfrage“, antwortete Dreyer. „Er kämpft darum, dass die SPD stärkste Partei wird, alles andere kommt danach.“

22.42 Uhr

Angela Merkel hat nach ZDF- und ARD-Umfragen das TV-Duell am Sonntagabend gegen ihren SPD-Herausforderer Martin Schulz gewonnen. Nach ARD-Zahlen lag die CDU-Vorsitzende mit 55 zu 35 Prozent vorne. Im ZDF kam sie auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent. 39 Prozent der Befragten waren hier unentschieden.

22.37 Uhr 

Auch die AfD meldet sich zu Wort: Parteichefin Frauke Petry hat das TV-Duell der Kanzlerkandidaten als belanglos kritisiert. „Ich habe trotz überraschend kritischer Fragen der Journalisten noch nie in 90 Minuten so viele Plattitüden und Phrasen auf einen Haufen gehört, so viel Oberflächliches und Belangloses am Stück“, sagte die Bundes- und sächsische Landesvorsitzende. „Für Deutschlands Zukunft verheißt das nichts Gutes. Am besten gefiel mir Merkels Satz - ausgerechnet von ihr zu hören: „Es zählt nur, was Parteien als Ganzes beschließen“.“

22.30 Uhr 

Konter von Justizminister Heiko Maas (SPD) im Streit um die Musterfeststellungsklage (MFK) für Autokäufer, die vom Dieselskandal betroffen sind: Beim TV-Duell sagte Kanzlerin Angela Merkel mit Bezug auf den Entwurf zur MFK aus dem Justizministerium: „Wir halten es für viel zu bürokratisch. Wir können hier verabreden, dass wir morgen den Justizminister anrufen und ihn bitten, es schnell zu überarbeiten.“ Maas reagierte prompt: „Frau Merkel hätte mich jederzeit anrufen können. Meine Nummer hat sie“, schrieb Maas auf Twitter. „Stattdessen hat sie die MFK ohne Gegenargument blockiert.“

22.05 Uhr

Das Duell ist vorbei. Was denken Sie - wer hat sich besser geschlagen, Angela Merkel oder Martin Schulz? Stimmen Sie ab: 

21.59 Uhr 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lag nach Umfragen von ARD und ZDF zur Halbzeit des TV-Duells am Sonntagabend vor ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz.

Nach einer ARD-Umfrage zur Halbzeit sagte 44 Prozent, die CDU-Chefin sei überzeugender gewesen, nur 32 Prozent sagten dies über den SPD-Vorsitzenden. Bei den unentschiedenen Wählern lag Merkel mit 36 zu 31 Prozent vorne.

Bei der ZDF-Umfrage kam sie auf 33 Prozent Zustimmung, Schulz auf 24 Prozent. 43 Prozent der Befragten waren zu diesem Zeitpunkt unentschieden.

Auch bei der Glaubwürdigkeit lag Merkel laut ZDF mit 31 Prozent vorne. Schulz erhielt 17 Prozent. Unentschieden waren demnach 50 Prozent.

Beim Sachverstand lag sie mit 41 Prozent mit großem Abstand vorne, Schulz kam auf 14 Prozent. Unentschieden seien hier 44 Prozent gewesen. Bei der Sympathie lag Merkel mit 35 zu 19 Prozent vorne. 45 Prozent seien unentschieden gewesen, hieß es.

Eine große Mehrheit hielt Schulz laut ARD-Umfrage für angriffslustiger: 78 zu 6 Prozent. Bei den Fragen nach Argumentation (44 zu 36), Kompetenz (59 zu 18), Glaubwürdigkeit (47 zu 26) und Sympathie (46 zu 26) lag dagegen Merkel auch hier teils deutlich vor dem SPD-Kanzlerkandidaten. 

21.53 Uhr

Auch RTL-Newsmann Peter Kloeppel setzt einen kleinen Seitenhieb auf Merkels Verweigerung eines zweiten TV-Duells. Als die Kameras schon abblenden, setzt er der Verabschiedung der Moderatoren hinzu, dass sie am nächsten Sonntag durchaus Zeit für eine zweite Duell-Runde hätten.

21.51 Uhr

Merkels Zweiklang im Schlusswort: „Mischung aus Erfahrung“ und „Neugier auf das Neue“ – das sei ihre Stärke, auf die es in Zeiten ankomme, die vor großen Umbrüchen stehe, von denen die Digitalisierung nur einer sei.

21.49 Uhr

Schulz setzt in seinem – offensichtlich reichlich trainierten – Schlusswort auf zwei Themen: Die soziale Gerechtigkeit fehlt, die Welt ist unsicher. Deutschland brauche „Mut zum Aufbruch“: „Die Zukunft gestalten, nicht die Gegenwart verwalten.“ Das habe er vor.

21.47 Uhr

Das Thema Innere Sicherheit gilt als Unions-Kompetenz, umso plakativer sind Schulz‘ Forderungen: „Wirklich viel Geld“ müsse man investieren, um mehr Polizisten einzustellen. Als die Moderatoren Merkel vorwerfen, sie verweise zu oft auf die Fehler SPD-regierter Länder, sagt sie im Grundschullehrerinnen-Ton: „Ich mache das doch nicht zum Spaaaß!“ Rot-Grün müsse eben mehr für innere Sicherheit tun.

21.43 Uhr

Große Einigkeit beim Thema Terrorismus: Man darf sich nicht dran gewöhnen. Aus den Fehlern beim Berlin-Attentäter Anis Amri müsse man lernen (Schulz: Stichwort Abschiebungen), und sei auch schon gelernt worden (Merkel: verschärfte Sicherheitsgesetze).

21.38 Uhr

Die Ja-Nein-Runde ist vorhersehbar – „Ehe für...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung