Dahlmeier verpasst historische Medaille - Kritik am Material

Laura Dahlmeier leistete sich zwei Schießfehler

Laura Dahlmeier war enttäuscht - ausnahmsweise. Die Schneekönigin von Pyeongchang patzte beim olympischen Massenstart der Biathletinnen am Schießstand, und auch in der Loipe lief es nicht wie gewohnt.

Nach zweimal Gold und einmal Bronze verpasste die 24-Jährige beim Triumph der Slowakin Anastasiya Kuzmina klar die Medaillenränge. Über die 12,5 km lief Dahlmeier auf Rang 16 und war damit nur drittbeste Deutsche hinter Denise Herrmann (11.) und Franziska Preuß (12.).

Dahlmeier hadert mit Material

"Vielleicht war der Akku nicht ganz voll", mutmaßte Dahlmeier, "und vom Material her waren wir wohl auch nicht ganz vorn dabei." 

Bundestrainer Gerald Hönig musste in der ARD das ernüchternde Ergebnis erst einmal "ein bisschen sacken lassen", betrieb aber dann doch sofort eine erste Analyse: "Eins ist Fakt: Wir hatten heute nicht die Laufform und hätten zudem die Null am Schießstand gebraucht. Denn die Medaillen vorne gehen mit ähnlichen Fehlern raus."

Kuzmina hingegen lief strahlend mit der slowakischen Flagge über die Ziellinie. Die 33-Jährige hatte bereits Silber in Einzel und Verfolgung geholt, nun schaffte es die Sprint-Olympiasiegerin von 2010 und 2014 zum dritten Mal ganz nach oben. Zweite wurde die Weißrussin Darja Domratschewa vor Tiril Eckhoff aus Norwegen (SERVICE: Der Zeitplan der olympischen Spiele).

Hönig will Schalter umlegen

Für Dahlmeier bietet sich am Dienstag in der Mixed-Staffel ihre nächste Chance auf einen Rekord. Sollte sie dort eine Medaille gewinnen, wäre sie die erste Biathletin, die bei einer Olympia-Ausgabe viermal auf dem Podest steht. Ihr letztes Rennen in Südkorea bestreitet sie am Donnerstag mit der Frauenstaffel.


Hönig richtete den Blick nach vorne: "Wir müssen mit den Mädeln reden. Es ist ganz wichtig, dass wir den Schalter umlegen. Es waren gute Schießsserien dabei. Die Schießzeiten haben gepasst."

Es gebe "keinen Grund Probleme aufzubauen, wo keine sind. Das Ergebnis haben wir uns anders vorgestellt, aber das müssen wir akzeptieren. Es war nicht unser bester Tag."

Dahlmeier verpasst Rekord

Dass am Samstag keine Medaille heraussprang, war nicht zu erwarten. Denn Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig hatte ein vielversprechendes Quartett in den Wettstreit der 30 besten Athletinnen geschickt.

Neben der alles überragenden Dahlmeier hatten auch Preuß als Vierte im Einzel, Vannessa Hinz (25.) als Fünfte im Sprint und Herrmann als Sechste in der Verfolgung in Südkorea schon Top-Leistungen abgeliefert. Dementsprechend groß waren im Vorfeld die Hoffnungen gewesen.


Das heißeste Eisen im Feuer war freilich Dahlmeier, die das Rennen nach ihren bisherigen Erfolgen völlig entspannt angehen konnte. Die Bayerin, die drei ihrer insgesamt 19 Weltcup-Erfolge im Massenstart errungen hatte, konnte auf der ersten Runde das hohe Tempo der besten beiden Läuferinnen - Herrmann und Kuzmina - nicht mitgehen.

Herrmann verballert Medaillen

Da sie auch noch einmal am Schießstand patzte, war die fehlerfreie Herrmann nach dem ersten Liegendschießen die beste Deutsche. Die 29-Jährige gab mächtig Gas, sie nahm gemeinsam mit der Gesamtweltcup-Führenden Kaisa Mäkäräinen (Finnland) und Domratschewa, der Dreifach-Olympiasiegerin, die Verfolgung Kuzminas auf.

Und es schien, als sollte Herrmann die einzige deutsche Medaillen-Aspirantin an diesem Abend bleiben. Während Dahlmeier erneut einmal daneben schoss, räumte die Umsteigerin auch die zweiten fünf Scheiben ab. Dies tat zwar auch Preuß, sie war in der Loipe aber zu schwach, um ganz vorne mitzumischen (SERVICE: Der Medaillenspiegel).

Herrmann erreichte als Viertplatzierte den Schießstand, traf dreimal - und zeigte dann Nerven. Ein erster Fehlschuss. Ein zweiter obendrauf, der Medaillentraum war geplatzt. Dies galt auch für Preuß, die sich die erste Strafrunde einhandelte.

"Ich kann gerade kein Loch zu laufen, wie noch am Anfang der Saison. Da ist jeder Fehler einer zu viel. Mit den zwei ist es relativ schnell ein großer Abstand", so Herrmann, die aber insgesamt zufrieden mit ihrem Rennen war.