Liverpool-Fan Campino: "Bayern wäre für Klopp ein Abstieg"

Reinhard Franke
Liverpool-Fan Campino, Frontmann der Toten Hosen, kann sich Jürgen Klopp nicht als Trainer des FC Bayern vorstellen

Was der FC Liverpool im Fußball ist, sind Die Toten Hosen in der Musikbranche: ein Spektakel. Von der Emotionalität her hält Frontmann Campino locker mit Jürgen Klopp mit. Da trifft es sich gut, dass der 55-Jährige neben Fortuna Düsseldorf auch mit den Reds mitfiebert. 

Im SPORT1-Interview spricht der Musiker und Edelfan über seine Sympathien für Liverpool und die Rolle des deutschen Trainers. Campino erklärt, warum er Klopp künftig nicht beim FC Bayern sieht. Außerdem verrät er, wie Rudi Völler ihm in der Kabine eine Ansage machte. 

SPORT1: Ihr zweiter Herzensverein ist der FC Liverpool, aktuell Sechster in der Premier League. Zufrieden?

Campino: Jürgen Klopp hat in meinen Augen alles richtig gemacht. Er ist der passende Mann für den Job. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, dass die Leute immer sagen, er müsse jetzt liefern. Die Aufgabe eines Trainers in England ist mit deutlich mehr Druck verbunden als in der Bundesliga. Die englischen Medien sind gnadenloser als die deutschen. Das kann dann schon in Richtung Stimmungsmache gehen. Die Mannschaft hat sich unter Klopp sehr gut entwickelt. Man kriegt sicherlich die eine oder andere Katastrophe zu sehen, aber zwischendurch gibt es Sternschnuppen-Momente, in denen man weiß, dass dieses Team am richtigen Tag wirklich alle auseinander nehmen kann.

SPORT1: Wie sehen Sie das Team spielerisch?

Campino: Die Truppe hatte sehr viel Pech. Entscheidend ist doch, wie sich die Jungs Möglichkeiten herausspielen. Wenn zwanzig Mal aus einer guten Position am Tor vorbei geschossen wird, ist das ein anderes Problem, als wenn sie nie in so eine Position kämen. Betrachtet man alles gründlich, hat die Mannschaft ein ganz anderes Gesicht als vor zwei Jahren, als Klopp kam. Man sieht das schon am Anspruchsdenken, dass alle sagen, der Verein muss unter den Top vier sein. Wichtig ist, dass die Mannschaft am Ende der Saison dann tatsächlich unter den Top vier steht.


SPORT1: Was ist drin in der Champions League?

Campino: Du musst als Team in der Champions League erst mal die mit den vielen Reisen verbundenen Strapazen kompensieren. Die Reds stehen gut da. Ich gehe davon aus, dass sie Erster in der Gruppe werden. Zurzeit sind sie vier Punkte von Platz drei entfernt - wer da von einer Krise redet, hat keine Ahnung. Die Mannschaft hat Probleme, aber das wird im Laufe der Saison auch noch anderen Teams passieren. Wichtig wird sein, dass Konstanz reinkommt und sie drei, vier Spiele gewinnen. Dann ist endlich Ruhe im Karton. Sicher, die Abwehr hat zwischendurch lausige Tage erwischt, aber das kann man abstellen. Solange das Team nach vorne kommt, ist es mir völlig egal, ob ein Titel erst im vierten Jahr unter Klopp gelingt.  

SPORT1: Klopp wird beim FC Bayern als Trainer-Kandidat für kommenden Sommer gehandelt. Ist er dafür geeignet?

Campino: Ich kann mir Klopp überhaupt nicht als Bayern-Coach vorstellen. Das spielt sich außerhalb meiner Vorstellungskraft ab. Er ist vom Typ her jemand, der nicht gerne eine Baustelle verlässt. Wenn man ihn lässt - und davon gehe ich fest aus -, dann will er weiter bei Liverpool etwas bewegen. Er hat nämlich einen Plan und den möchte er gerne zur Zufriedenheit aller in die Tat umsetzen. Und mit Verlaub: Karrieremäßig wäre ein Wechsel zu den Bayern ein Abstieg. Liverpool hat genauso viele internationale Titel wie Bayern und steht ähnlich stark da, was Meisterschaften angeht. Und die Premier League hat eine völlig andere Wertigkeit als die Bundesliga. Welcher Trainer wünscht sich da, unbedingt zu den Bayern zu wechseln?


SPORT1: Stichwort Bundesliga: Wird es wieder langweilig? Die Bayern stehen erneut ganz oben und Borussia Dortmund schwächelt. Auch RB Leipzig war zuletzt zweimal unterlegen.

Campino: Ich habe großen Respekt vor Jupp Heynckes und seiner Leistung, glaube allerdings, dass die Saison noch lang ist. Auch Don Jupp wird keine Wunder vollbringen. Die harten Prüfungen werden noch auf die Bayern zukommen. Letztendlich misst sich dieser Klub mangels wirklicher langfristiger Konkurrenten immer an der Königsklasse. Und da muss man abwarten, wie lange der Tanz dort dauert. Der Sieg in Glasgow war sehr mühsam, jetzt kommen die dicken Brocken. Das kann auch schon im Achtelfinale ganz böse enden.


SPORT1: Kann Heynckes wieder einen Titel nach München holen?

Campino: Warum nicht? Man legt allerdings zu viele Erwartungen da rein. Ich kann mir vorstellen, dass es unheimlich schwer ist, sich nach fünf Jahren Pause in dem Alter noch mal diesen Druck anzutun und in diesen ständigen Kampf zu begeben. Allerdings ist Heynckes unglaublich erfahren und ein toller Mediator. Das ist es, was die Bayern brauchen: einen Vermittler. Heynckes hat bereits außergewöhnlich gut und schnell den Mannschaftsgeist zurückgebracht.

SPORT1: Ein anderer Trainerhaudegen sorgt gerade bei ihrem Herzensklub Fortuna Düsseldorf für Furore: Friedhelm Funkel. 

Campino: Wir sind total von den Socken und hoch erfreut. Nach der vergangenen Saison und einigen frustrierten Jahren davor ist die Überraschung jetzt bei uns allen groß. Plötzlich greifen die Rädchen ineinander und die Mannschaft spielt guten und kreativen Fußball. Das ist die helle Freude. Natürlich rechnen sich jetzt alle aus, dass der Aufstieg gelingt. Es wird jedoch eine große Herausforderung sein, das Momentum besser zu nutzen als beim letzten Mal Bundesliga vor fünf Jahren. Da stand Fortuna die gesamte Saison bis zum letzten Spieltag nicht auf einem Abstiegsplatz. Von diesem Schock haben wir uns lange nicht erholt. Wenn wir in dieser Runde aufsteigen sollten, dann müssen wir es schaffen, uns zu stabilisieren und auch oben zu bleiben. 

SPORT1: Im Werbeclip für Ihr neues Album "Laune der Natour", das im Kabinentrakt von Fortunas Amateuren gedreht wurde, ist nicht Funkel, sondern Rudi Völler zu sehen. Warum diese Wahl?

Campino: Für mich steht Rudi Völler für etwas ganz anderes. Er ist einfach eine Legende. Ich weiß, dass "Tante Käthe" einen sehr guten Humor hat. Insofern fiel er mir sofort ein, als wir über das Video sprachen. Lustig wäre es auch mit Uli Hoeneß gewesen, aber ich weiß nicht, ob den Humor alle Hosen-Fans geteilt hätten. Rudi war schon die erste Wahl.


SPORT1: Wie kam das Kabinen-Video zustande?

Campino: Es gab die Idee, eine Kabinensituation nachzustellen, bei der uns ein Trainer zusammenfaltet und man zunächst nicht sieht, wer es ist. Wir waren uns innerhalb der Band einig, dass das jemand sein musste, den jeder kennt. Der Name Rudi Völler war von Anfang an ganz vorn dabei und ich war mir sicher, dass er das vom Humor her sofort verstehen würde. Rudi hat überhaupt nicht gezögert und bereits eine Stunde nach unserer Anfrage zugesagt. Er ist ein richtig guter Typ.