Watzke: "Tuchel? Wir sind uns nichts mehr schuldig"

Kerry Hau, Lukas Rott
Hans-Joachim Watzke ist der Geschäftsführer von Borussia Dortmund

Bei Borussia Dortmund herrscht ob der sportlichen Talfahrt Gesprächsbedarf.

Nach der Mitgliederversammlung am Sonntag stand keine 24 Stunden später die Aktionärsversammlung in der Westfalenhalle an. Wieder ergriff Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Wort, um ausführlich Stellung zu der aktuellen Situation zu nehmen - auch zu der Trennung von Ex-Trainer Thomas Tuchel. 

Der SPORT1-Ticker zum Nachlesen:

+++ Ab zur Erbsensuppe +++

Watzke hat fertig - und gleichzeitig auch der SPORT1-Ticker. Es sei denn, es passiert noch etwas Spannendes. 

Nun spricht Finanzgeschäftsführer Thomas Treß über die finanzielle Situation. Da die Zahlen allesamt bereits bekannt sind, leert sich die Halle. Die Aktionäre holen sich wie jedes Jahr ihre Erbsensuppe.

+++ Watzke beendet Rede mit Kampfansage +++

"Im Sommer hatten mich die Themen Anschlag und Trainer etwas angefasst. Aber aktuell bin ich so auf Kampfmodus, da werden sich einige noch wundern."

+++ Große Konkurrenz in Europa +++

Watzke ist sich über die internationale Konkurrenzsituation im Klaren. "In Europa wird es zunehmend schwierig, da hast du es ja nicht mehr mit Klubs zu tun, sondern mit Ländern. Wir werden versuchen, unseren Platz in den Top ten zu behalten - aber das wird sehr schwierig."

+++"Die Dembeles kommen nicht, wenn sie 20 sind" +++

Ohne Mislintat sei der Scoutingbereich des BVB gut aufgestellt, betont Watzke - und kündigt an, aufzurüsten, um weitere junge Talente rechtzeitig zu entdecken und zu verpflichten. 

Denn: "Die Mbappes und Dembeles dieser Welt kommen nicht mehr zum BVB, wenn sie 20 sind. Zu den Bayern aber auch nicht."


+++ Watzke über Ex-Scout Mislintat +++

Watzke kommt erneut auf die Trennung von Chefscout Sven Mislintat zu sprechen und gibt sich erneut eine große Teilschuld an dessen Wechsel zum FC Arsenal: "Ich kreide mir persönlich an, dass ich zugelassen habe, dass er anderthalb Jahre wie ein Aussätziger behandelt wurde." 

Ex-Coach Tuchel hatte Mislintat den Kontakt zum Trainerteam und den Zugang zum Trainingsgelände verweigert.

+++ Kampf gegen Extremismus +++

"Im Kampf gegen Extremismus, egal ob er von rechts ist oder von links, werden wir nie nachlassen. Wir sind drittgrößter Verein der Welt, wir haben da eine Power - und die werden wir auch einsetzen", sagt Watzke.

+++ Verlängerung mit Vermarkter +++

Watzke kündigt eine Vertragsverlängerung mit dem Sportrechtevermarkter Lagardere Sports an. "Das wird die finanziellen Möglichkeiten noch einmal deutlich verbessern."

+++ Fortschritte beim Sponsoring +++

"Wir werden dieses Jahr im Sponsoring erstmals an der 100-Millionen-Marke kratzen. Viele Klubs wären froh, wenn sie das als Gesamteinnahmen hätten", sagt Watzke und verteilt ein Sonderlob an Marketingchef Carsten Cramer.

+++ Sympathischster Klub in Deutschland +++

Watzke trägt eine Studie der TU Braunschweig vor, die besagt, das der BVB der sympathischste deutsche Fußball-Klub ist. Die Anwesenden klatschen laut Beifall.


+++ Watzke über den zuletzt fallenden Aktienkurs +++

"Wenn wir sportlich reüssieren, geht es auch ganz schnell wieder aufwärts. Dieser Verein ist ganz konservativ gerechnet eine Milliarde Euro wert."

+++ Fitnessprobleme? +++

"Die Daten deuten nicht darauf hin, dass die Mannschaft läuferisch zu wenig gemacht hätte. Das ist ein subjektives Empfinden. Die Zahlen geben das nicht her", meint der BVB-Boss.

+++ Aufforderung an Bosz und Zorc +++

"Die aktuelle Situation muss ja Gründe haben und mit Sicherheit sind auch Fehler gemacht worden. Wir müssen eine sportliche Analyse vornehmen", fordert Watzke.

+++ "Müssen nicht in Sack und Asche gehen" +++

"Wir müssen nicht in Sack und Asche gehen, wir haben drei Punkte weniger als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Aber Ziel ist und bleibt die Qualifikation für die Champions League, daran ist nicht zu rütteln. Ohne Wenn und Aber."

+++ Ansage an Schalke +++

Watzke leitet über zum Sportlichen: "Wenn die Schalker Freunde morgen oder übermorgen wieder aus ihrem Rausch erwachen, werden sie sehen, dass das Spiel auch ihnen nur einen Punkt gebracht hat."


+++ Letzte Worte zu Tuchel +++

"Ich wünsche ihm für die Zukunft persönlich alles Gute", betont Watzke und legt die Causa Tuchel zu den Akten.

+++ Problem mit großen Persönlichkeiten? +++

"Ich höre oft den Vorwurf, ich könne nicht mit großen Persönlichkeiten zusammenarbeiten. Ich arbeite seit 14 Jahren eng mit Reinhard Rauball zusammen, das ist eine der größten Persönlichkeiten, die Borussia Dortmund je hervorgebracht hat. Das gleiche gilt für Michael Zorc." Als drittes Beispiel führt Watzke Jürgen Klopp an: "Der hat eine größere Persönlichkeit, als sie eine ganze Reihe Trainer vorweisen kann."

+++ Keine Details +++

Watzke will keine Details zum Zerwürfnis mit Tuchel nennen: "Wir haben gemeinsam besprochen, daraus keine öffentliche Schlammschlacht zu machen. Und das werden wir auch weiterhin nicht tun."

+++ Klare Worte zur Trennung von Tuchel +++

"Ich möchte ihm an dieser Stelle danken. Er hat uns geholfen, diesen DFB-Pokal zu gewinnen. Wir haben ihm aber auch die Möglichkeit gegeben, den ersten Titel in seiner Karriere zu gewinnen. Wir sind uns deshalb nichts mehr schuldig. Es war eine Scheidung, die sehr schwer war, weil sie sportlich nicht wirklich motiviert war. Sie können mir abnehmen, dass ich schon auch die Konsequenzen einer solchen Entscheidung voraussehen konnte. Es war aber keine isolierte Entscheidung. Ich habe solche Entscheidungen zu verantworten, aber ich treffe sie nicht ohne die Gremien." 


+++ "Gab auch schöne Situationen" +++

"Es gab aber auch wunderschöne Situationen", meint Watzke. "Der DFB-Pokalsieg. Dann ist unsere U19 in einem legendären Spiel gegen Bayern München vor einer Rekordkulisse Deutscher Meister geworden." Es hagelt Beifall.

+++ "Sollten Bombenattentat nicht unterschätzen" +++

"2017 war in jeder Form das anspruchsvollste und herausfordernste Jahr, das ich bei Borussia Dortmund erlebt habe. Ich habe das am Wochenende noch mal Revue passieren lassen", sagt Watzke und beginnt zunächst mit dem Negativen: "Es gab extrem unschöne Bilder. Vor allem das unfassbare Bombenattenat. Man sollte das in Anbetracht der aktuellen Situation auch nicht unterschätzen. Wir haben professionelle Hilfe. Das kann nicht als Alibi benutzt werden, aber wir reden hier von jungen Menschen, die eine Grenzbelastung überstanden haben. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Und ich finde, damit sollten wir sehr verantwortungsbewusst umgehen."

+++ Dembele für 150 Millionen Euro verkauft +++

Nach Angaben von Watzke wurde Ousmane Dembele für "nahe 150 Millionen Euro" an den FC Barcelona verkauft. 

+++ Lob für Mitarbeiter +++

"Ich möchte allen Mitarbeitern von Borussia Dortmund danken. Ich gehöre nicht zu der Kategorie der Leute, die sich dafür schämen, viele Leute zu beschäftigen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir 800 Leute haben und will nichts ausdünnen. Jeder Mitarbeiter hat einen Wert." Für diese Worte erhält Watzke großen Applaus.

+++ "Ehrlich, aber solidarisch" +++

"Die Mitgliederversammlung gestern war zur Enttäuschung der anwesenden Journalisten sehr harmonisch. Ich habe die langen Gesichter gesehen. Wir waren sehr ehrlich, aber auch solidarisch miteinander", sagt Watzke.

+++ Jetzt spricht Watzke +++

Nun kommen die Berichte von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Finanzgeschäftsführer Thomas Treß. Watzke beginnt und begrüßt die anwesenden Spieler - was mit Applaus kommentiert wird.

+++ Höflicher Applaus +++

Anders als bei der Mitgliederversammlung werden Bosz und der Mannschaftsrat mit höflichem Applaus statt Pfiffen oder Buhrufen empfangen. 


Der Mannschaftsrat besteht aus Marcel Schmelzer, Marco Reus, Nuri Sahin und Julian Weigl. 


+++ Bosz und Spieler kommen ++

Der von den Bossen zunächst begnadigte BVB-Coach Peter Bosz, Sportdirektor  und einige Spieler kommen an der Westfalenhalle an und warten auf ihren Einlass.

+++ Volles Haus +++

Die Versammlung ist so gut besucht wie schon lange nicht mehr. Zunächst sind einige Formalitäten abzuarbeiten. Sitzungsleiter Pieper liest die Tagesordnung vor. Bis Watzke spricht, wird wohl noch die eine oder andere Minute vergehen.

+++ Los geht's +++

Der Aufsichtsratsvorsitzende des BVB, Gerd Pieper, eröffnet die Hauptversammlung der Aktionäre. Bevor sich mit den aktuellen Themen beschäftigt wird, gedenken die Anwesenden der vor einem Monat verstorbenen Vereinslegende Dieter "Hoppy" Kurrat.


+++ Watzke-Klartext +++

Die Mitgliederversammlung am Sonntag hatte es in sich. Hier können Sie die Brandrede von Watzke noch einmal in voller Länge sehen und hören: