Litauen feiert 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit

Lichtinstallation mit den litauischen Nationalfarben

Mit Glockengeläut und zahlreichen Staatsgästen hat Litauen am Freitag den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit gefeiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten die Litauer mit "großer Hoffnung" auf ein Zeichen der Unterstützung gewartet, sagte Präsidentin Dalia Grybauskaite bei den Feierlichkeiten in der Hauptstadt Vilnius. "Heute wissen wir, dass wir echte Freunde und Verbündete und die Unterstützung ihrer starken Schultern haben."

An der Zeremonie nahmen neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch die Staatschefs von Estland, Finnland, Georgien, Island, Lettland, Polen und der Ukraine, zahlreiche EU-Vertreter wie Ratspräsident Donald Tusk und die schwedische Kronprinzessin Victoria teil.

Die Glocken aller Kirchen in Vilnius hatten die Feierlichkeiten am Morgen eingeläutet. Anschließend zogen 3000 Menschen, darunter zahlreiche Schulkinder, durch die verschneite Innenstadt, um an die 20 Litauer zu erinnen, die die Unabhängigkeitserklärung vor hundert Jahren unterzeichnet hatten. Am Abend sollten in der Fußgängerzone hundert Freudenfeuer entzündet werden. In zahlreichen Städten waren Konzerte und Feuerwerke geplant.

Das Großfürstentum Litauen war Ende des 18. Jahrhunderts unter den Nachbarreichen aufgeteilt worden und stand danach bis zum Zerfall des Zarenreichs während des Ersten Weltkriegs unter russischer Herrschaft. Die Unabhängigkeitserklärung vom 16. Februar 1918 erfolgte noch unter deutscher Besatzung.

Vor vier Wochen hatte Deutschland Litauen die lange verloren geglaubte Unabhängigkeitserklärung als Leihgabe überreicht. Das Dokument aus dem Jahr 1918 war im vergangenen Jahr in einem Berliner Archiv von einem litauischen Professor entdeckt worden.

Die sogenannte Geburtsurkunde Litauens soll nun für fünf Jahre im Land verbleiben, wie ein bilaterales Abkommen beider Länder vorsieht. Historiker nehmen an, dass insgesamt bis zu fünf Abschriften der Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurden. Von den übrigen Kopien fehlt jedoch jede Spur.

Im Zweiten Weltkrieg annektierte die Sowjetunion Litauen, das 1990 dann als erste Sowjetrepublik erneut seine Unabhängigkeit erklärte. Im Jahr 2004 trat das größte baltische Land der EU und der Nato bei.

Litauen hat seine westlichen Partner seitdem wiederholt vor den geopolitischen Ambitionen Russlands gewarnt. Im vergangenen Jahr stationierte die Nato vier multinationale Bataillone in Polen und seinen drei baltischen Mitgliedstaaten Estland, Lettland und Litauen. Das Bataillon in Litauen wird von der Bundeswehr geführt.