Litauen überreicht Note an Belarus wegen geplanten AKW-Starts

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VILNIUS (dpa-AFX) - Litauen hat wegen der angekündigten Inbetriebnahme des umstrittenen Atomkraftwerks im Nachbarland Belarus (Weißrussland) eine diplomatische Note an Minsk überreicht. Die "verantwortungslose und voreilige" Aufnahme der Stromerzeugung in der Anlage an der Grenze zu dem baltischen EU-Land stelle eine Sicherheitsbedrohung für die Bürger Litauens, Belarus' und der EU dar, teilte das Außenamt in Vilnius am Dienstag mit.

Der litauische Stromnetzbetreiber Litgrid hatte zuvor mitgeteilt, vom belarussischen Energieunternehmen Belenergo über den geplanten Start des Atomkraftwerks in Ostrowez informiert worden zu sein. Demnach soll in dem nur rund 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernten Meiler zwischen 1. und 10. November die Stromproduktion aufgenommen werden.

Die Ex-Sowjetrepublik Belarus baut trotz massiver Vorbehalte der Regierung in Vilnius mit russischer Hilfe ihr erstes Atomkraftwerk mit zwei Reaktoren. In der Anlage wurde Anfang August der erste Brennstab im Zuge der geplanten Inbetriebnahme geladen. Sie gilt als Prestigeprojekt des durch Massenproteste stark unter Druck geratenen und inzwischen international weitgehend isolierten Machthabers Alexander Lukaschenko.

Litauen bemängelte wiederholt die Nicht-Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards. Es hat das Kraftwerk daher zur Bedrohung der nationalen Sicherheit erklärt und will keinen Strom daraus beziehen.

Die Beziehungen zwischen Minsk und Vilnius sind auch durch Litauens Unterstützung für die belarussische Opposition belastet. Das EU-Land hat zuletzt viele Oppositionelle aus Belarus aufgenommen, darunter auch Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja. Lukaschenko hat Vilnius wiederholt beschuldigt, die Proteste anzufachen.