Linksfraktion bezeichnet Puigdemonts Festnahme als "Schande"

Die Linksfraktion hat die Festnahme des früheren katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont in Deutschland als "Schande" kritisiert. Der Politiker sei in Spanien wegen "Rebellion" angeklagt, das sei jedoch "kein europäischer Straftatbestand", erklärte der europapolitische Sprecher der Fraktion, Andrej Hunko, am Sonntag.

"Rebellion" gehöre auch nicht zu den 32 Delikten, nach denen auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls ausgeliefert werden müsse. Die Strafverfolgung sei "ganz offensichtlich politisch motiviert", erklärte Hunko: "Ich erwarte, dass Puigdemont umgehend freigelassen wird."

Die Grünen-Europapolitikerin Franziska Brantner erklärte, es sei nun "Sache der Justiz, zu klären, wie es weitergeht". Letztlich handle es sich aber um einen "innerspanischen, politischen Konflikt", fügte sie hinzu. "Den kann weder ein deutsches Gericht, noch die Bundesregierung lösen." Nötig seien politische Verhandlungen zwischen Madrid und Katalonien.

Die FDP forderte eine rasche Erklärung der Bundesregierung. "Ich fordere die Bundesregierung auf, schnellstmöglich zu erklären, wie sie mit diesem Dilemma umgehen will", sagte FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff der "Augsburger Allgemeinen". Puigdemonts Festnahme sei rechtlich nicht zu beanstanden, jedoch schaffe sie "politisch große Probleme". Deutschland werde damit "Partei im innerspanischen Verfassungskonflikt, eine Situation, die unser Nachbarland Belgien tunlichst vermieden hat".

Puigdemont war am Sonntagmorgen auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls von der Polizei in Schleswig-Holstein festgenommen worden. Gegen den Unabhängigkeitsbefürworter läuft in Spanien ein Verfahren wegen "Rebellion" und "Aufwiegelung".