Bei Linde lohnt es sich, auf das Gesundheitsgasegeschäft zu achten


Auf die Fusion mit Praxair zum weltgrößten Gasekonzern haben die Jahreszahlen 2017, die Vorstandschef Aldo Belloni am Donnerstag in München vorlegt, keine Auswirkungen mehr. Schließlich wurde das Tauschverhältnis von 50:50 früh festgelegt, die meisten Linde-Aktionäre haben das Umtauschangebot bereits angenommen.

Große negative Überraschungen müssen sie nicht befürchten, die Geschäfte bei Linde sind im vergangenen Jahr solide verlaufen. In den ersten neun Monaten waren die Erlöse um knapp drei Prozent auf 12,9 Milliarden Euro gestiegen, das operative Ergebnis etwas stärker auf 3,1 Milliarden Euro.

Doch nicht alles läuft glatt bei dem deutschen Fusionspartner. Und da lohnt sich ein genauerer Blick auf das Gesundheitsgasegeschäft. Linde hatte im Jahr 2012 für stolze 4,6 Milliarden Dollar den US-Gesundheitsgasespezialisten Lincare übernommen.

Die Erwartungen waren groß. „Mit dieser strategischen Akquisition können wir den nächsten großen Schritt auf einem stabilen, zukunftsträchtigen und profitablen Geschäftsfeld machen“, frohlockte Wolfgang Reitzle, damals Vorstandschef.

Doch die Branche ist auch stark reglementiert – und das bekam Linde 2017 zu spüren. Noch unter US-Präsident Barack Obama wurden Preislimitierungen für Gase eingeführt, die Linde vertreibt.


Im vergangenen Jahr schlug dieser Effekt voll durch. Vor allem deshalb sanken die Umsätze im Healthcare-Geschäft in den ersten neun Monaten vergleichbar um gut neun Prozent auf 2,5 Milliarden Euro.

Das Gesundheitsgasegeschäft ist nicht so profitabel wie das mit Industriegasen, aber auch in konjunkturell schwachen Zeiten stabil. Es wird spannend, ob auch der Chef des fusionierten Konzerns, Praxair-Chef Steve Angel, an Lincare festhalten wird. Sein Finanzvorstand Matt White hatte vor Analysten angedeutet, dass die Gesundheitssparte und der Anlagenbau auf den Prüfstand kommen könnte.

Die Fusion von Linde und Praxair soll noch in diesem Jahr vollzogen werden. Allerdings müssen noch wichtige Kartellbehörden, zum Beispiel in Brüssel und den USA, zustimmen. Derzeit führt Linde Gespräche mit den Wettbewerbshütern und Interessenten für die Geschäftsbereiche, von denen sich die Konzerne trennen müssen.