Linde ist vor Fusion mit Praxair auf Kurs

Linde hat mit seinen Jahreszahlen fast punktgenau die Erwartungen erfüllt. Der Betriebsgewinn des Gasekonzerns stieg auf 4,21 Milliarden Euro.


Noch ist die Fusion von Linde und Praxair zum weltgrößten Gasekonzern nicht in trockenen Tüchern. Die Anforderungen der Kartellbehörden seien höher als erwartet, räumte Linde-Chef Aldo Belloni bei Vorlage der Bilanz erneut ein. Die EU-Kommission hatte eine vertiefte Prüfung des 60-Milliarden-Euro-Deals eingeleitet.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen drohen aber auch in anderen wichtigen Märkten wie Brasilien strenge Auflagen. Belloni ist dennoch zuversichtlich, dass die Fusion wie geplant in der zweiten Jahreshälfte vollzogen werden kann. Klarer als bislang prognostizierte er, dass der Anlagenbau und die Gesundheitsgase von Linde auch im neuen Konzern eine Zukunft haben werden.

Es war ein anstrengendes Jahr 2017 auch für Belloni. Im Frühjahr gab es heftigen Widerstand der Arbeitnehmer gegen die Fusion. Doch Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle brachte einen Megadeal schließlich durch den Aufsichtsrat. Auch für die Mitarbeiter sei 2017 sicher kein leichtes Jahr gewesen, sagte Belloni. „Viele haben durch unsere geplante Fusion mit Praxair ein deutlich höheres Arbeitspensum zu bewältigen.“


Sollten die Kartellhürden überwindbar sein, gehen Linde und Praxair in guter Form in die Fusion zum weltgrößten Industriegasekonzern. Das zeigten die Zahlen, die Belloni am Donnerstag vorlegte. Der Linde-Umsatz stieg 2017 im Rahmen der Erwartungen um währungsbereinigt zwei Prozent auf 17,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um vier Prozent auf 4,2 Milliarden Euro zu. Die Konzernmarge verbesserte sich so weiter auf 24,6 Prozent, die m Kerngeschäft mit Industriegasen waren es sogar 28,5 Prozent.

Auch Praxair konnte für 2017 - nach einem eher schwächeren Jahr 2016 - gute Zahlen vorweisen. Die Erlöse der Amerikaner stiegen um neun Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis von 2,2 auf 2,4 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verdiente Praxair 1,3 Milliarden Dollar. Bei Linde waren es, auch dank der US-Steuerreform 1,5 Milliarden Euro.

Aktueller Weltmarktführer bei Gasen ist Air Liquide. Die Amerikaner hatten sich mit der Übernahme von Airgas an die Spitze gesetzt. Im vergangenen Jahr steigerten sie den Umsatz auch dank der Akquisition um 12 Prozent auf gut 20 Milliarden Euro. Organisch wuchs das Gasegeschäft um 3,5 Prozent.

Noch können Linde und Praxair bei ihrem Plan, Air Liquide zu überholen, keinen Vollzug vermelden. Derzeit laufen sowohl die Gespräche mit noch 14 wichtigen Kartellbehörden, als auch mit Interessenten für die Teile, von denen sich die Fusionspartner trennen müssen. Sie haben sich eine Schmerzgrenze von 3,7 Milliarden Dollar Umsatz oder 1,1 Milliarden Dollar Betriebsergebnis gesetzt. Müsste dieses Volumen wegen Kartellauflagen überschritten werden, könnten sich Linde und Praxair die Fusion noch einmal überlegen.

Spannend wird, wie es nach der Fusion mit dem Linde-Anlagenbau und dem Geschäft mit Gesundheitsgasen weitergeht. Praxair-Chef Steve Angel hatte aus seinem Unternehmen einen reinen Industriegasespezialisten gemacht. Daher sind die operativen Umsatzrenditen der Amerikaner meist höher gewesen. Linde dagegen setzte auf Synergien mit dem margenschwächeren Anlagenbau und auf die Gesundheitsgase, die auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten stabile Geschäfte versprechen.


Im vergangenen Jahr immerhin machte der Anlagenbau von Linde Fortschritte. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um gut zwölf Prozent auf 220 Millionen Euro. Schlechter sah es im Healthcare-Geschäft aus. Der Umsatz sank wegen staatlich verordneter Preissenkungen um mehr als acht Prozent auf 3,4 Milliarden Euro.

Belloni geht aber davon aus, dass sowohl der Anlagenbau als auch die Gesundheitsgase im neuen Konzern eine Zukunft haben. „Wir sind der Meinung, dass beide Geschäfte in der Linde plc verbleiben werden.“

Anders sieht dies beim Wasserstoff-Carsharing-Projekt Bee-Zero aus. Linde war vor zwei Jahren gestartet und hat 50 Fahrzeugen in der Münchener Innenstadt. Ziel sei es gewesen, die Visibilität für das Thema Wasserstoffantrieb zu erhöhen und Privatpersonen den Zugang zur Technologie zu verschaffen, sagte Vorstand Christian Bruch. „Mit Erreichen der Ziele“ werde das Projekt Ende Juni beendet. Um irgendwann Geld damit zu verdienen hätte Linde im deutlich größeren Stil in das Geschäft einsteigen müssen.