Lilium, Volocopter, Boeing: Wieso das Flugtaxi-Business groß werden könnte

Mehr als künstliche Fotos gibt es noch nicht – dennoch steigt das Interesse an Air Mobility. - Copyright: Volocopter
Mehr als künstliche Fotos gibt es noch nicht – dennoch steigt das Interesse an Air Mobility. - Copyright: Volocopter

Vier von zehn Menschen in Deutschland können sich vorstellen, mit einem Flugtaxi zur Arbeit zu pendeln. 45 Prozent wären bereit, auf diese Weise zwischen zwei Städten zu reisen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Verbands Unbemannte Luftfahrt (VUL). Demnach ist die Akzeptanz für Flugtaxis in den vergangenen drei Jahren um fast ein Fünftel angestiegen.

Mehrere Unternehmen arbeiten derzeit an solchen Diensten, darunter Volocopter, Lilium und auch Boeing. Die Firmen stehen aber noch vor der Zulassung ihrer Fluggeräte. Zudem müssen Behörden dann auch entsprechende Dienste gestatten, was in vielen Ländern schwierig sein könnte.

Trotzdem scheinen sich die Menschen in Deutschland damit bereits auseinandergesetzt zu haben. Jeder Zweite meint, dass ein Flugtaxi mehr kosten dürfe als ein normales Taxi. Jeder Vierte wäre sogar bereit, mehr als das Doppelte dafür zu bezahlen.

Wer Flugtaxis ablehnt, hat dafür unterschiedliche Gründe. Etwa zwölf Prozent der Befragten gaben an, dass sie Flugtaxis nicht für nachhaltig hielten und sie nicht dabei helfen würden, ein Verkehrsproblem zu lösen. Gut jeder Zehnte ist der Meinung, dass die existierenden Verkehrsmittel ausreichten. Fast genauso viele halten die Technologie noch nicht für ausgereift genug.

Tatsächlich ist die Technologie noch in der Entwicklung. So ist Volocopters neues Fluggerät Voloconnect erst im Mai zum ersten Mal aufgestiegen – allerdings noch ohne Personen an Bord. Es ist aber bereits das dritte Modell von Volocopter und soll den Planungen zufolge 2026 auf den Markt kommen.

Dass Probleme durch Flugtaxis auftreten, ist für die meisten Menschen in Deutschland ausgemachte Sache. Zwei Drittel von ihnen sehen eine Gefahr für Menschen am Boden durch mögliche Abstürze oder Kollisionen. Fast genauso viele erwarten eine audiovisuelle Belastung.

Skepsis gegenüber Drohnen

Deswegen halten es gut drei Viertel der Befragten für wichtig, dass der Lärm sich in Grenzen hält, was Voraussetzung für die Nutzung der Dienste wäre. Auch die Nutzung erneuerbarer Energien und die Nachhaltigkeit der genutzten Akkus ist den Befragten wichtig.

Der Verband Unbemannte Luftfahrt hat auch die Akzeptanz von Drohnen in Deutschland abgefragt. Demnach befürwortet die Hälfte der Deutschen die Nutzung ziviler Drohnen. Eine vergleichbare Umfrage vor drei Jahren hatte hier einen sieben Prozentpunkte niedrigeren Wert ergeben. Die Akzeptanz steigt also.

Es gibt aber nach wie vor viele Drohnen-Gegner in Deutschland: 28 Prozent lehnen die Nutzung grundsätzlich ab, scheinen aber umgestimmt zu werden, wenn man den Einsatz auf bestimmte Szenarien beschränkt. 2019 waren es aber noch 40 Prozent.

„Es ist positiv zu werten, dass die Nutzungspotentiale von Drohnen und Flugtaxis in immer breiteren Bevölkerungsschichten wahrgenommen werden“, sagte Michael Garvens, Vorsitzender des VUL-Lenkungsausschusses.

Tatsächlich schwankt die Befürwortung oder Ablehnung für den Einsatz von Drohnen je nach Zweck sehr stark. So sind 85 Prozent der Deutschen dafür, Drohnen bei Naturkatastrophen zu nutzen, um Hilfseinsätze zu unterstützen. Das findet längst weltweit statt. Im vergangenen Monat hatte die Feuerwehr nach dem Tornado in Paderborn die Sicherheit von Dächern mithilfe von Drohnen beurteilt.

Auch der Drohneneinsatz in der Landwirtschaft wird von mehr als drei Vierteln der Deutschen begrüßt. Hier werden die Geräte beispielsweise zur Begutachtung von Ernteschäden genutzt. „Je näher jedoch der Einsatz dem Alltag der Befragten kommt, desto eher lehnen sie den Einsatz von Drohnen ab“, heißt es beim VUL. Die Lieferung von Paketen in der Großstadt oder von Essen lehnt fast jeder Zweite ab. Das gilt auch für den Einsatz von Drohnen als Spielzeug.

Bedenken gegenüber Drohnen

Am meisten fürchten die Deutschen die Störung der Privatsphäre durch Drohnen, aber auch kriminelle Taten wie etwa Schmuggel oder terroristische Anschläge. Immerhin sieben von zehn Befragten sehen die Störung des Betriebs ziviler Flugzeuge und Flughäfen als Herausforderung. Tatsächlich werden im Umfeld von Flughäfen immer wieder Drohnen gesichtet, was zum Teil zu kostspieligen Verzögerungen im Flughafenbetrieb führt.

„Drohnen und Flugtaxis stehen an der Schnittstelle von Digitalisierung und Elektrifizierung und repräsentieren wegweisende Trends der Luftfahrt hin zu nachhaltigem Fliegen“, sagt Garvens vom VUL. Dies bedürfe weiterer Unterstützung der Branche durch Politik und Behörden.

Der VUL stellt die Ergebnisse der Umfrage, die von YouGov durchgeführt wurde, am Donnerstagabend auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin vor. Im April und Mai wurden mehr als 4000 Personen dafür befragt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Welt.de.

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