Liga uneins: Schmadtke warnt vor Transfer-Reform

Marcel Bohnensteffen

Anders als in England bestehen im deutschen Profifußball offenbar Zweifel, ob eine verkürzte Transferphase für alle Teams sinnvoll ist. 

Die Manager der Bundesliga-Vereine trafen sich unter der Woche zu einer Tagung in Frankfurt, um über dieses Thema zu beraten. Kölns Jörg Schmadtke verrät jetzt SPORT1: "Es gab kein einheitliches Bild." 


Zuvor hatte der kicker berichtet, die meisten Klubvertreter seien für eine kürzere Wechselfrist. Einen solchen Beschluss haben die Klubs der Premier League am Donnerstag auf den Weg gebracht. Künftig dürfen Spieler demnach nur noch bis zum Donnerstag vor dem Start der Meisterschaft verpflichtet werden. Bislang ist das Transferfenster bis zum 31. August geöffnet. 


Inwieweit England dadurch zum Vorbild für andere europäische Topligen wird, haben Schmadtke und Kollegen in Frankfurt erörtert. Kölns Geschäftsführer ist in dieser Sache zwiegespalten. "Mein Impuls ist zu sagen: Die Saison hat begonnen, dann müssen auch die Transfers durch sein", sagte er SPORT1. Andererseits warnte Schmadtke davor, Konsequenzen einer solchen Entscheidung zu unterschätzen. 

Schmadtke: "Vereine könnten nicht mehr reagieren"

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Konkret nannte er das Beispiel 1899 Hoffenheim. "Angenommen die qualifizieren sich gegen Liverpool für die Champions League. Das verändert den Haushalt komplett. Die haben plötzlich 25 Millionen Euro mehr zur Verfügung, könnten bei einem früheren Transferstopp aber überhaupt nicht mehr reagieren", sagte Schmadtke, dessen Kölner am Donnerstag in der Europa League beim FC Arsenal (LIVE im TV auf SPORT1) spielen. 

Was Schmadtke meint: Hoffenheim bestritt das Rückspiel in der Qualifiktion gegen Liverpool am 23. August - fünf Tage nach Beginn der Meisterschaft. Nach dem englischen Transfermodell wären Transfers zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich gewesen. Für Teams, die die Qualifikation zur UEFA Europa League überstehen, gilt laut Schmadtke ähnliches. 

Eine Konstellation, für die sich Klubs im Fall der Fälle laut Schmadtke wappnen müssen: "Wir müssen die Frage klären: Wozu führt ein vorzeitiger Transferschluss? Zu mehr Risiko und dadurch zu größerer wirtschaftlicher Instabilität in der Liga?" Das will weder er noch sonst jemand seiner Manager-Kollegen. 


Und doch gibt es unter den Bundesligisten einige Fürsprecher für eine neue Regelung. Hans-Joachim Watzke ist der lauteste. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund sieht in einer kürzeren Transferphase einen "elementaren Vorteil". Gladbachs Max Eberl ist allein schon dafür, weil er die bisherige Regelung in Deutschland für einen "Betrug am Fan" erachtet. Und auch Bayern-Trainer Carlo Ancelotti befand am Freitag: "Der Markt muss vor dem Saisonstart schließen."

Künftig weniger Transfers aus England?

Schmadtke gibt jedoch zu bedenken: "Wir müssen unsere Entscheidung zum Wohle des deutschen Fußballs treffen - unabhängig von England." Er weiß: Die Ausgangslage von Bundesliga und Premier League könnte unterschiedlicher nicht sein.

England ist der finanzstärkste Markt im Fußball-Geschäft. Die dortigen Klubs sind von Natur aus Einkäufer. Keine Verkäufer. Das kann man von den meisten Bundesligisten nicht gerade behaupten. In diesem Jahr gaben sie fast dreimal weniger für neue Spieler aus (596 Millionen Euro) als die Teams in England (1,59 Milliarden Euro). Erst kürzlich ermahnte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge die Bundesliga-Klubs, ihre Spieler nicht zu verramschen. 

Durch die neue Transferregelung könnten die Unterschiede noch gravierender werden. Die englischen Klubs werden ihre Stars noch besser vor Angeboten schützen. Schmadtke prophezeit: "Es wird künftig kaum mehr Transfers aus England heraus geben."