Lienen entschuldigt sich für Entgleisung bei Tedesco

Ewald Lienen hatte Schalkes Taktik unter Tedesco als "Tod des Fußballs" bezeichnet

Ewald Lienen, Technischer Direktor beim FC St. Pauli, hat scharfe Kritik an der Ausbildung im deutschen Fußball geäußert.

"Es geht darum, mit 30 Jahren Bundesliga-Trainer zu werden. Die Individualität der Spieler bleibt auf der Strecke", sagte der frühere Profi bei Sky.

Schon in der U15 müsse der Trainer gucken, "dass sie nicht absteigen. Deswegen stellen sie die großen Spieler auf. Die haben am Ende vielleicht gar nicht das Talent."

Lienen zieht einen Vergleich zu anderen Ländern: "Wir haben so viele Fußballer wie Kroatien und Uruguay Einwohner. Aber wir sind nicht in der Lage, Weltklassespieler zu produzieren." Es sei desaströs, wie im deutschen Fußball in diesem Bereich gearbeitet werde. "Die besten Jugend-Trainer sind die, die das über 15 Jahre im gleichen Rahmen machen. Wie Elgert bei Schalke. Der hat die ganzen Weltklasse-Spieler wie Özil, Neuer und Sane herausgebracht", sagte Lienen.

Lienen entschuldigt sich bei Tedesco

Schalkes Cheftrainer Domenico Tedesco bewertete er dagegen kritisch: "Ich mag den Domenico ja. Aber nach einem halben Jahr in der 2. Liga ist der Bundesliga-Trainer. Dann macht er es wie Mourinho und stellt 18 Mann vor den Strafraum. Das ist der Tod des Fußballs."

Für diesen Ausdruck entschuldigte er sich am Tag danach öffentlich. "Ich bin da weit über das Ziel hinaus geschossen und habe Domenico bereits meine Entschuldigung geschrieben, nachdem ich ihn telefonisch am Donnerstagabend nicht erreichen konnte", wird der 64-Jährige auf der Internetseite des FC St. Pauli zitiert.

Er schätze Tedesco und entschuldige sich in aller Form beim Schalke-Trainer, so Lienen: "Er hat sowohl auf Schalke als auch in Aue - und da haben wir es am eigenen Leib erfahren - im Profibereich herausragende Arbeit geleistet."


Lienen attackiert DFB scharf

Die harten Worte in Richtung des DFB nahm er aber nicht zurück. 

"Die Arroganz, die der DFB, Joachim Löw und die Mannschaft an den Tag gelegt haben – ich habe mich für Deutschland geschämt. Sie haben es nicht besser verdient", sagte der 64-Jährige.

Lienen ging noch weiter: "Es ist desaströs, wo wir stehen. Ich habe nicht nur erwartet, dass wir in der Vorrunde ausscheiden, ich habe es sogar gehofft. Das Gesamt-Kunstwerk war erbärmlich."