Es liegt etwas in der Luft


Heute ist es aus New York nicht mehr wegzudenken: Das Rauchverbot in Restaurants und Bars. Das Essen schmeckt besser, die Kleidung riecht nicht mehr nach Zigaretten, der Kopf schmerzt weniger vom Alkohol. Die einst kontroverse Idee des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg veränderte New York und damit die Welt, viele Städte machten es der Metropole nach.

Da ist es eine Ironie der Geschichte, dass New York jetzt wieder mit Rauch verpestet wird. In vielen Gegenden und fast zu jeder Tageszeit riecht es auf der Straße oft nach Marihuana oder Haschisch, je nach Windrichtung dringt der eklig-süße Duft einem schon frühzeitig in die Nase. Die Raucher sind leicht auszumachen, mal Jugendliche an der Straßenecke, mal Küchenhilfen in der Pause, mal Nachtschwärmer.

Als Einwohner staunt man. Zwar mag Cannabis in Colorado und einer Handvoll von anderen Bundesstaaten nicht mehr verboten sein, aber in New York ist die Droge nicht erlaubt. Allerdings glauben das nicht wenige Kiffer. Der Irrtum entstand 2013 durch die neuen Vorschriften von Bürgermeister Bill de Blasio. Danach landet man nicht mehr im Gefängnis, wenn man mit weniger als 25 Gramm „weed“ erwischt wird. Es droht nur noch eine Geldstrafe von 100 Dollar.


Die Ziele von Blasio sind ehrenhaft: Die Gerichte entlasten und Jugendliche vor einer Gefängniskarriere bewahren. Laut dem Bürgermeisteramt sind die Verhaftungen aufgrund des Besitzes von geringen Mengen an Marihuana seit 2013 um 38 Prozent gefallen, während aus gleichem Grund 58 Prozent mehr Strafzettel ausgestellt wurden. Allerdings scheinen nicht viele Angst vor ihnen zu haben. Früher versuchten die Kiffer wenigsten, den Geruch zu verheimlichen, in dem sie schnell ein, zwei Züge pufften und die Hand über den Joint hielten. Heute aber blasen sie offenherzig den Rauch in die Luft.

Das hängt vor allem davon ab, wo der Kiffer steht. Nach einer Recherche der Mediensite Vice kontrolliert die Polizei vor allem in Gegenden wie East Harlem oder Leffers Garden, dort wo die Kriminalitätsrate hoch liegt. Das mag man sehen wie man will, aber in anderen Gegenden führt diese Praxis aufgrund lascher Aufsicht zur Luftverpestung.

Blasio versucht, ein bisschen schwanger zu sein: Cannabis weder zu verbieten, noch ganz zu erlauben. Dabei ist die Droge gesellschaftlich nicht mehr verpönt. Die Lokalzeitung New York Post berichtete vor einiger Zeit darüber, wie Cannabis Einzug in die reichsten Kreise der Stadt hält. Auf Partys werden dort mit Cannabis versetzte Bonbons, Lutscher, Schokolade oder Kekse gereicht. Die Feierlichkeiten seien ohne die Droge aber auch nicht zu ertragen, zitiert die Zeitung eine anonyme Gesellschaftsdame: „Die meisten Leute sind sonst so langweilig“.


Der Trend, die Droge Salonfähig zu machen, ist auch im New Yorker Stadtparlament, dem City Council, zu spüren. Dort setzen sich einige wichtige Abgeordnete für eine Legalisierung ein. Blasio wehrt sich aber – was die Sache nicht verbessert. Er verhindert eine Lösung wie in Colorado, wo man sich Cannabis legal in mit einem grünen Kreuz gekennzeichneten Geschäften kaufen kann. Allerdings darf man dort auch keine Joints in der Öffentlichkeit rauchen. Das tuen viele aber sowieso nicht mehr. Schließlich gibt es doch mit Cannabis versetzte Lebensmittel, mit denen man sich keinen Lungenkrebs holt – und nicht die Luft verqualmt.