Wer wird Lieferservice Nummer Eins in Deutschland?

Zwei börsennotierte Unternehmen kämpfen in Deutschland um die Vorherrschaft im Essenbestell-Markt. Zurzeit erzeugen ihre Marken Lieferando und Lieferheld bei den Verbrauchern ähnlich hohe Beliebtheitswerte.


Das Bestellen von Essen in Deutschland hat sich etabliert. Der YouGov-Markenmonitor BrandIndex belegt: 73 Prozent der Verbraucher kennen den Lieferdienst-Vermittler Lieferando, 67 Prozent Lieferheld, 49 Prozent Pizza.de. Und zwei bis vier Prozent aller Deutschen haben kürzlich auch bei ihnen etwas bestellt – wobei es deutlich mehr sind, wenn wir nur die Großstädte Berlin, Bremen und Hamburg analysieren als Stellvertreter für den gesamten urbanen Raum im Land.

Der Lieferdienst mit eigenen Fahrern Foodora ist nicht so bekannt, obwohl sein Logo in manchen Städten von dutzenden Fahrrad- und Rollerfahrern mit großen Lieferboxen auf dem Rücken bekannt gemacht wird (gehört wie Lieferheld zu Delivery Hero).

Besonders spannend ist der Wettbewerb zwischen Lieferando und Lieferheld. Lieferando gehört zum niederländischen Unternehmen Takeaway.com, das seit September vergangenen Jahres an der Börse ist. Der Mutterkonzern von Lieferheld ist Delivery Hero, seit zwei Wochen ebenfalls an der Börse notiert – hinter beiden Marken stehen also Unternehmen, die den Start-up-Status längst hinter sich haben.




Wie hart der Wettbewerb zwischen Lieferando und Lieferheld ist, zeigt beispielhaft ein Rechtsstreit zwischen den Konzernen. Lieferando hat eine einstweilige Verfügung gegen Delivery Hero erwirkt. Delivery Hero darf nicht mehr behaupten, in Deutschland die Nummer Eins zu sein.

Auch wir können keine „Nummer Eins“ küren – aber: Der YouGov-Markenmonitor BrandIndex kann konkrete Daten liefern, zum Beispiel welche Marke derzeit am beliebtesten ist oder das meiste Nutzungsinteresse weckt.




In den Kategorien Qualitätswahrnehmung und Preis-Leistungs-Verhältnis liegen beide Marken bei ihren jeweiligen Kennern fast gleich auf. Bei der Kundenzufriedenheit erreichen sie mit guten +34 Punkten sogar denselben Wert. Auch beim Erzeugen von Aufmerksamkeit und Werbewahrnehmung sind sich die Marken sehr ähnlich.

Bei Lieferando und Lieferheld wollen die wenigsten arbeiten

Unsere BrandIndex-Daten lassen derzeit wirklich noch keine Prognose zu, welches Unternehmen die besseren Chancen hat, sich als eindeutiger Marktführer durchzusetzen. Beide könnten immer noch an diversen Stellschrauben drehen, mehr Werbung schalten, das Qualitätsempfinden bei ihren Kunden durch bessere Services weiter erhöhen oder stärker betonen, dass ihre (Partner-)Lieferdienste mit guten Arbeitsbedingungen ausgestattet sind. Die Frage, ob sich Verbraucher vorstellen könnten, bei Lieferando oder Lieferheld zu arbeiten, ist zurzeit nämlich die einzige, die deutsche Verbraucher mehrheitlich negativ beantworten.




Natürlich hängt es am Ende des Tages davon ab, wie sich die Bestellvolumina der Deutschen entwickeln werden. Sofern das Interesse an unterschiedlichen Bestelloptionen steigen wird, das durch unterschiedliche Marken bedient werden kann, sollte Delivery Hero im Vorteil sein. Das Unternehmen schickt neben Lieferheld auch noch Pizza.de ins Rennen. Sowie den beliebten, aber mit 13 Prozent aktuell immer noch nicht so bekannten Lieferdienst Foodora, dessen direkter Konkurrent am ehesten Deliveroo zu sein scheint.

Sieben von zehn Deutschen sind Lieferdiensten gegenüber offen eingestellt

Sofern sich der Markt hingegen weiter konsolidieren wird, da Verbraucher nur einmal ihre Liefer- und Zahlungsdaten hinterlegen wollen und vielmehr die Restaurantvielfalt schätzen werden, könnte Takeaway.com mit Lieferando im Vorteil sein. Etwas mehr Verbraucher nennen nämlich Lieferando bei der Frage, welche Marken sie im Essenbestell-Kontext in Erwägung ziehen. Einen Vorsprung hat Lieferando auch, wenn es darum geht, sich konkret für eine einzige Marke entscheiden zu müssen.

Die Chancen für beide Unternehmen stehen weiterhin so oder so gut. Über 80 Prozent aller Deutschen haben nämlich noch nie bei ihnen bestellt. Laut einer zusätzlichen YouGov-Untersuchung im Februar dieses Jahres sind nämlich sieben von zehn Deutschen gegenüber Lieferdiensten oder Essen zum Mitnehmen grundsätzlich offen eingestellt. Da ist noch Luft nach oben für weiteres Wachstum.