Lieblingsbüdchen Riehl: Den Alkohol aus dem Sortiment verbannt

Lieblingsbüdchen Riehl: Den Alkohol aus dem Sortiment verbannt

Es war manchmal laut. Und es ging zuweilen etwas grob zu. Bevor Kürsat Ciftci das Traditions-Büdchen am Riehler Plätzchen, das längere Zeit geschlossen war, im April vergangenen Jahres übernommen hat, herrschte auf der Fläche zwischen der Montessori-Grundschule und dem Nebeneingang des Zoos nicht durchweg eine entspannte Atmosphäre. Sein Kiosk habe maßgeblich dazu beigetragen, dass auf den Sitzbänken an diesem Platz deutlich weniger Alkohol konsumiert und anschließend herumgepöbelt werde: "Die Passanten fühlen sich wieder wohl", berichtet der 37-Jährige glücklich.

-> Was kann man im Riehler Büdchen kaufen?

Wichtig ist vor allem genau das, was wir hier bewusst nicht verkaufen: Von Zeitungen und Zeitschriften über Zigaretten, Eis, Schokolade und kleinen Spielzeugen führen wir alles - alles außer Alkohol. Als wir das Büdchen gerade übernommen hatten und renovierten, haben uns Anwohner gewarnt, dass hier viele alkoholkranke Menschen einkauften und auch verweilten - die Anwohner fühlten sich nicht richtig wohl. Wir wollten das ändern. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sie sollten den Alkoholkonsum nicht jeden Tag beobachten müssen und es irgendwann als normal betrachten. Da ist uns der Umsatz egal. Außerdem sind unsere Kunden jetzt zufrieden und können sich auch mal wieder gemütlich am Riehler Plätzchen hinsetzen.

-> Ihr kuriosestes Erlebnis als Büdchenbesitzer?

Ein Vater kam mit seinem fünf Jahre alten Sohn vorbei und wollte für ihn einen "Schleim" kaufen, den der Kleine so gerne haben wollte. Der glibberige Kassenschlager befindet sich in einem kleinen Plastiktöpfchen, das der Herr dann auch mitnahm. Nach fünf Minuten kam er zurück und sagte: "Das schmeckt überhaupt nicht, können wir ein anderes kaufen?" Da war ich natürlich erstmal schockiert. Der Schleim ist ein Spielzeug und definitiv nicht zum Essen geeignet. Das habe ich ihm auch gesagt, und wir haben dann noch herzlich gelacht.

-> Was mögen Sie an ihrem Job?

Wir haben eine sehr freundliche Kundschaft, der wir immer gerne behilflich sind. Persönliche Hilfe beim Einkauf ist uns sehr wichtig, das unterscheidet uns von den großen Supermärkten. Das mögen die Leute - und ich auch.

-> Was haben Sie vorher beruflich getan?

Ich bin vor 15 Jahren nach Deutschland gekommen und habe unter anderem in einer Reinigungsfirma gearbeitet. Doch als ich große gesundheitliche Probleme bekam, war nach Anraten meines Arztes das Arbeiten kaum noch möglich. Doch ich wollte unter keinen Umständen staatliche Hilfe beanspruchen. Als Selbstständiger kann ich nun entscheiden, wieviel ich arbeiten kann - meine Familie hilft hier mit.

-> Wie entwickelt sich das Viertel?

Es ist wie ein kleines Dorf: Die einen sitzen auf der Bank und unterhalten sich, die anderen gehen mit ihrem Hund spazieren - das Veedel ist sehr harmonisch. Dabei spielt Nationalität nie eine Rolle. Wir sind hier Mensch. Das ist wirklich toll.

-> Wenn Sie einen Wunsch für ihr Kiosk frei hätten, welcher wäre das?

Ich würde gern modernisieren, zum Beispiel Toilettenanlagen für meine Mitarbeiter und Gäste anbieten. Schön wäre es auch, Sesamringe und Börek, türkische Spezialitäten, zu verkaufen. Aber ich kann die Hygienebestimmungen, die solche Lebensmittel betreffen, aus Platzgründen nicht erfüllen. Schade, denn dann wäre der Kiosk richtig rentabel. Wenn man keinen Alkohol verkauft, merkt man das schon am Umsatz. Aber uns ist Geld nicht so wichtig wie die Kinder.

Möchten Sie einen Kiosk für die Serie vorschlagen? Dann schicken Sie der Redaktion eine E-Mail :

ksta-stadtteile@dumont.de

Die Öffnungszeiten

Adresse: Die Kreuzung von Stammheimer Straße und Riehler Gürtel

Stadtteil: Riehl

Öffnungszeiten: Montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 8 bis 20 Uhr...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta