„Wir lieben Karneval“: So lief der Samstag von Jeck im Sunnesching

„Wir lieben Karneval“: So lief der Samstag von Jeck im Sunnesching

„Wir lieben Karneval“, sagen die beiden Squaws  wie aus einem Mund.  Im Bergheim, auf dem Weg zum Auto, seien sie „schräg angeguckt worden“ wegen ihrer indianischen Ausstaffierung, sagt Christina, eine der Schwestern, beide  Anfang 20.  Im Kölner Jugendpark aber, der zum Rheinpark gehört, fallen sie an diesem Samstag  nicht aus der Rolle, denn die meisten der  10 000  Besucher sind kostümiert.  Das gilt auch für den Sonntag, denn an beiden  Tagen wird hier das Festival „Jeck im Sunnesching“ gefeiert, die große Kölner Karnevalssause mitten im Sommer. Der Samstagsteil war schon lange vorher ausverkauft, dank  einer Karnevalsbegeisterung, für die die Bergheimer Squaws stehen; schon bei den ersten beiden Ausgaben des Festivals waren sie dabei . „Ich denke, das wird  ein fester Termin bleiben, so wie der Elfte im Elften“, ist sich Sabrina sicher.

Wolkenbruch am Nachmittag

Allein am Samstag treten rund ein Dutzend Bands und Sänger auf, von Björn Heuser über Querbeat und Kasalla bis zu Cat Ballou. Eine Reverenz an den Hauptfußballclub der Stadt sind die Auftritte der FC-Chearleader sowie von Tenor Norbert Conrads und Rapper Mo Torres, die FC-Hymnen singen. Am Sonntag folgen unter anderen die Paveier, die Klüngelköpp und Brings. Jeck im Sunnesching? Uneingeschränkt passt der Titel nicht, denn am frühen Samstagnachmittag überrascht die Besucher ein Wolkenbruch, der das langgestreckte, von Bäumen umstandene Gelände noch matschiger werden lässt. Dafür steigt an einem Stand, an dem Karnevalsbedarf angeboten wird und in dessen Nähe eine riesige Clownsfigur aufragt, sprunghaft der Vertrieb von Regenponchos. An anderen Ständen werden zum Beispiel Glitter-Make-up, Wassereis mit Alkohol und Speisen verkauft. Männliche Haremsdamen, alte Römer,  Chirurgen, Häftlinge und schwarz-rote Teufel  stehen herum oder streben, den Matschpfützen ausweichend, auf dem Rasen in Richtung Bühne.

Gruppenkostüme und Partystimmung

„Wir kommen aus einer Karnevalshochburg“, sagt Manuela (48), die wie Freundin vorwiegend in Gelb-Weiß gekleidet ist, den Farben des Festivals, vom Hut über die Brille und Kunstblumenkette bis zu den Strümpfen. Mit der „Hochburg“ ist der rheinland-pfälzische Ort Herdorf im Westerwald gemeint. Der hat freilich den gravierenden Nachteil, dass es bis zum Sessionsauftakt im November „noch lange hin“ sei,  sagt Manuela; und wo sonst könne man schon „Karneval im Sommer“ feiern.  Ähnlich äußert sich Matthias, der mit Freunden aus Wermelskirchen angereist ist, alle mit weißen T-Shirts, plustrigen roten Tutus und gleichfalls rotem Tüll auf dem Kopf als „Kinder-Schoko-Bonbons" verkleidet.  Der 27-Jährige, Mitglied der „Altstadtgarde Dabringhausen“,  schätzt das Kölner Festival, das auf zwei Tage ausgeweitet worden ist, als Unterbrechung der „langen Überbrückungszeit“ zwischen Aschermittwoch und dem 11. November.

Die gleichartige Gruppenkostümierung ist ein allgemeines Phänomen, von den vier Frauen aus Prüm in der Eifel, die mit grünem Blätterkrone auf dem Kopf als als Ananas daherkommen, bis zu den 15 Schlümpfen aus Freiburg, die dem Fußballverein „FC Auggen 3“ angehören und von denen der 34-jährige Christian sagt: „Man kommt hier unkompliziert ins Gespräch, das sind ja alles Gleichgesinnte.“ Und zum allergrößten Teil jung. „Wir heben den Altersdurchschnitt”, sagt deshalb Tino (49), der mit Freund  Martin (51) zusammensteht. Ihnen gefalle die „Partystimmung“, aber allzu lange soll nicht gefeiert werden; Martin: „Wir haben ja Kinder zu Hause, anders als die meisten Leute hier.“

Vom Jugendpark bis zum Aachener Weiher

Gefeiert wird nicht nur im Jugendpark, sondern auch – bis in die Nacht zum Sonntag hinein - in rund 100 Orten, vor allem Kneipen in der Stadt, vom „Herbrand’s“ über den „Stiefel“ und „Gaffel am Dom" bis zum „Haus Unkelbach“. Außerdem ist zum ersten Mal Bonn in „Jeck im Sunnesching“  einbezogen. „Hier haben wir den Vorteil, das es keinen Eintritt kostet“, sagt Studentin Rosanna, die am Samstagnachmittag mit zwei Kommilitonen zum Biergarten am Aachener Weiher gekommen ist. „Der Jugendpark war ja ausverkauft“, sagt Markus, der ein paar Meter weiter in schwarz-weiß gestreifter Sträflingskleidung dasteht, mit der Nummer „0815“. Warum er gerne Karneval „im Sonnenschein“ feiert? „Ich mag kölsche Musik.“

Das Programm am Sonntag, 3. September

Einlass 9 Uhr, 11 Uhr Stefan Knittler, 12 Uhr La Mäng, 13.40 Uhr Lupo, 14.20 Uhr Björn Heuser, 15 Uhr Paveier, 16 Uhr Kuhl un de Gäng, 16.40 Uhr Tanzkorps und Rheinveilchen, 17.15 Uhr Kempes Feinest, 17.55 Uhr Klüngelköpp, 18.30 Uhr Brings, Ende 19.30 Uhr. Moderation: Lukas Wachten.  

www.jeckimsunnesching.de...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta