Lidl, Aldi & Co.: Die Discounter-Glühweine im Yahoo! Finanzen-Test

Die Glühwein-Saison hat begonnen! Was können die Discounter-Getränke? Yahoo! Finanzen hat es getestet. (Bild: ddp)

Pünktlich zum ersten Dezember-Wochenende lässt sich der Schnee in Deutschland blicken: Das ist der inoffizielle Startschuss in die Glühwein-Saison! Doch wie gut ist das begehrte Wintergetränk, das bei Netto, Penny, Lidl, Aldi & Rewe in den Regalen steht? Wir haben es getestet – mit schockierenden und überraschenden Ergebnissen!

Deutschland ist Weihnachtsmarktweltmeister. Ab Montag, wenn vielerorts die Stände öffnen, werden laut „Statista“ 71 Prozent der Befragten die besondere Stimmung bei Eisschranktemperaturen genießen – mit allem, was dazugehört. Und das sind definitiv Lichterketten, Weihnachtsbäume und natürlich der Glühwein! Dass die Deutschen das beliebte Wintergetränk aber nicht nur draußen, sondern auch gerne Zuhause trinken, zeigt wiederum die Studie zum Absatz von Glühwein im deutschen Einzelhandel: Alleine im Jahr 2010 wurden rund 90 Millionen 0,75-Liter-Flaschen Glühwein verkauft.

Diesen lukrativen Markt haben natürlich auch die Discounter für sich entdeckt – und plötzlich zeigen sich überall herausgeputzte Etiketten, die nicht nur den Glühwein, sondern „Großvaters Glühwein nach altem Hausrezept“ oder eine „Limited Edition“ des Roten Glühweins mit unübersehbarem Bio-Siegel anpreisen. Mit dem Aussehen steigt natürlich auch der Preis.

Yahoo! Finanzen wollte herausfinden: Lohnt sich das? Getestet wurden sieben Discounter-Glühweine, wobei unsere fünf Tester natürlich nicht wussten, welches Getränk ihnen serviert wurde.

Das schöne Design kann leider nicht über den Geschmack hinwegtrösten. (Bild: Yahoo! Finanzen)

Netto: „Altbayerischer Holunder-Glühwein“ von Kunzmann Weinkeller

Haben die fünf Tester erst über die äußerst überschaubare Menge in ihren Tassen gemeckert, macht sich schon beim Geruchstest Erleichterung darüber breit, nicht mehr trinken zu müssen. Von fünf möglichen Sternen vergeben hier alle Tester nur einen: Bitter riecht der Holunder-Glühwein von Netto, dazu gesellt sich eine wenig appetitliche Vollplastiknote. Auch der erste Schluck verspricht keinen guten Rausch – ganz im Gegenteil: Nach dem Gefühl, Zitronenkonzentrat pur geschluckt zu haben, legt sich ein metallischer Nachgeschmack auf die Zunge. Sehr ernüchternd…

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Für die Weihnachtsstimmung, die der Glühwein ja eigentlich verbreiten sollte, wollen die Tester keine Sterne rausrücken: Wenn Gewürze vorhanden sein sollten, kommen sie gegen die bittere Zitrone einfach nicht an. Gelungen ist lediglich das Design der Flasche, das mit Bügelverschluss, geprägtem Glas und Holunderblüten so viel mehr verspricht als es halten kann.

Preis: 2,79 Euro

Alkoholgehalt: 9 % Vol.

Inhalt: 0,75 Liter

Fazit: Vielleicht kann man sich damit trösten, dass die Flasche voll – und damit die Katerstimmung am nächsten Tag ausbleibt.

Auch der Penny-Glühwein kommt bei unseren Testern nicht gut an. (Bild: Yahoo! Finanzen)

Penny: „Deutscher Winzer-Glühwein“ von Best Moments

Einen „exklusiven Genuss“ verspricht das Etikett des Penny-Glühweins. Immerhin zwei Tester können beim Geruchstest eine leichte Zimtnote erkennen, bei den anderen fällt das Urteil mit Kommentaren wie „erinnert an Essig“ oder „riecht nach alten Socken“ eher vernichtend aus.

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Auch bei diesem Getränk dominiert eindeutige die Chemiekeule, weshalb es für das Aroma durchschnittlich nur zwei von fünf möglichen Sternen gibt. Das gesamte Geschmackserlebnis überzeugt niemanden: „Vorne hui, hinten pfui“ kommentiert ein Tester den bitteren und künstlichen Abgang, der auf den zuckersüßen Einstieg folgt.

Preis: 2,49 Euro

Alkoholgehalt: 12 % Vol.

Inhalt: 0,75 Liter

Fazit: Der überdurchschnittlich hohe Alkoholanteil könnte auf Dauer den miesen Geschmack neutralisieren.

Die Tester wussten nicht, dass sie Tetrapack-Glühwein probierten – das Ergebnis ist dennoch vernichtend. (Bild: Yahoo! Finanzen)

Penny: „Glühwein“ im Tetrapack

Um es noch einmal zu betonen: Die Tester wussten nicht, welcher Glühwein ihnen serviert wurde, deshalb konnte die Bewertung ganz ohne Vorurteile – die sich bei einem Tetrapack-Glühwein wahrscheinlich automatisch einstellen würden – erfolgen. Das hat dem „Aromatisierten weinhaltigen Getränk“ von Penny aber leider auch nicht geholfen. Ein bisschen erinnerte die Wirkung an den vielbeschriebenen „Donnergurgler“ aus „Per Anhalter durch die Galaxis“: Es ist als werde einem mit einem riesigen Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen. Der dominierende metallische Geschmack, der modrige Geruch, der an abgestandene Rotweinreste erinnert sowie die enorme Zuckermenge brachten diesem Glühwein in allen Kategorien 0 Sterne ein.

Preis: 1,49 Euro

Alkoholgehalt: 9,9 % Vol.

Inhalt: 1,5 Liter

Fazit: Finger weg! Um Marvin zu zitieren: Das kann man schon machen, es macht aber keinen Spaß!

Unser Testsieger: Der “Christkindl-Glühwein” von Lidl. (Bild: Yahoo! Finanzen)

Lidl: „Christkindl-Glühwein“

Mit einem Preis von 99 Cent war dieser Glühwein – Vorsicht, Spoiler – der billigste in unserer Testreihe. Umso erstaunlicher sind die Bewertungen! Er erinnerte unsere Tester an selbstgemachten Glühwein und überzeugte durch seinen fruchtigen Geschmack, in den sich zarte Zimtnoten mischen, auf ganzer Linie: nicht zu süß, nicht zu sauer, nicht zu stark, nicht zu schwach.

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Im Vergleich zu den anderen Discounter-Glühweinen machte sich das künstliche Aroma nicht bemerkbar. Lediglich im Geruchstest konnte der „Christkindl-Glühwein“ nicht so sehr überzeugen, hier erinnerte er eher an aufgewärmten Wein ohne jegliche Zusätze. Das Gesamtgeschmackserlebnis bewerteten die fünf Tester allerdings durchschnittlich mit vier von fünf möglichen Sternen.

Preis: 0,99 Euro

Alkoholgehalt: 8,7 % Vol.

Inhalt: 1 Liter

Fazit: Bitte noch mal nachschenken!

Der Aldi-Glühwein, der mit Heidelbeer-Geschmack wirbt, konnte im Test niemanden überzeugen. (Bild: Yahoo! Finanzen)

Aldi: „Heidelbeerglühwein“

Obwohl der Aldi-Glühwein mit seinen 9 % Vol. in Sachen Alkoholgehalt im guten Mittelfeld liegt, haben unsere Tester das Gefühl, sich die volle Dröhnung einzufahren. Den klassischen Glühweingeschmack sucht man – genauso wie die angepriesene Heidelbeernote – vergebens. Das Getränk erinnert eher an „erhitzten Red Bull“ oder „Brause mit Schnaps“: eine Mischung aus künstlichem Aroma und dominierendem Alkoholgeschmack also, die niemanden überzeugen kann. Sowohl in Sachen Geruch, Weihnachtsstimmung und Gesamtgeschmack erhält der „Heidelbeerglühwein“ durch die Bank nur einen Stern.

Preis: 1,79 Euro

Alkoholgehalt: 9 % Vol.

Inhalt: 1 Liter

Fazit: Übel und gefährlich!

Optisch auf jeden Fall der Gewinner – in Sachen Geschmack zählt der teure Rewe-Glühwein zu den Verlierern im Test. (Bild: Yahoo! Finanzen)

Rewe: „Dauerglüher“ von der Steinwälder Punschwerkstatt

Aufgemacht wie ein Wein aus dem hochpreisigen Sortiment, wirbt der „Dauerglüher“ von Rewe mit der „handwerklichen Herstellung“ nach „altem Hausrezept“. Und als wäre das nicht schon ein tolles Versprechen, wird auch noch der Zusatz „Großvaters Glühwein“ ergänzt. Diese „Informationen“ lagen unseren Testern natürlich nicht vor. Besser so: Kann der Glühwein im Geruchstest noch komplett überzeugen („natürlich würzig“, „klassischer Glühweingeruch“), folgt nach dem Anstoßen der Schock: „Pfuibäh“, „Fusel“ oder „schmeckt nach Moder“ sind die Kommentare. Was folgt, ist die komplette Verweigerung, weiterzutrinken. Einzelne Kriterien wie „Fruchtfaktor“ und „Winterstimmung“ können die Tester nicht herausarbeiten, weil der bittere und abgestandene Geschmack derart dominant ist, dass sie sonst nichts hinzuzufügen haben. Für das Gesamtgeschmackserlebnis fährt sich der „Dauerglüher“ von Rewe 0 Punkte ein – und das, obwohl er mit einem Preis von 4,29 Euro mit Abstand der teuerste Glühwein in unserem Test ist.

Preis: 4,29 Euro

Alkoholgehalt: 9 % Vol.

Inhalt: 0,75 Liter

Fazit: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein ist es meistens nicht wahr. Pfui.

Der “Rote Glühwein” von Rewe kommt bei unseren Testern ausgesprochen gut an. (Bild: Yahoo! Finanzen)

Rewe: „Roter Glühwein“ mit Bio-Siegel

Das Etikett des Rewe-Glühweins wurde wohl bewusst dunkel gestaltet, damit sofort das Bio-Siegel ins Auge springt. Zudem wurde der Hinweis „Vegan“ angebracht – was erst nach kurzer Recherche Sinn ergibt. Für die Klärung und Filtration der Weine werden nämlich oftmals tierische Produkte wie Kasein, Albumin oder Gelatine eingesetzt. Der „Rote Glühwein“ ist also ein Produkt, das man ganz ohne schlechtes Gewissen genießen darf und das trifft zum Glück auch auf den Geschmack zu.

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Die Tester berichten von „einem ganz natürlichen Aroma“, aus dem sie eine leichte Vanillenote sowie Orange und Zimt herausschmecken – fünf Punkte für die Weihnachtsstimmung. Besonders angenehm fällt zudem auf, dass der Glühwein nicht allzu süß ist und „komplett natürlich“ schmeckt. In der Gesamtwertung erhält der Glühwein vier von fünf möglichen Punkten.

Preis: 3,99 Euro

Alkoholgehalt: 13 % Vol.

Inhalt: 0,75 Liter

Fazit: Trotz vergleichsweise hohem Alkoholgehalt wunderbar süffig. Vorsicht: die Katerstimmung ist am nächsten Tag vorprogrammiert.

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