Libyen verlangt Erklärung zu Äußerungen des britischen Außenministers Johnson

Nach der taktlosen Äußerung des britischen Außenministers Boris Johnson über Tote in Libyen haben die dortigen Behörden eine Erklärung gefordert. Der Chef der international anerkannten Regierung, Fajes al-Sarradsch, traf dazu den britischen Botschafter Peter Millett

Nach der taktlosen Äußerung des britischen Außenministers Boris Johnson über Tote in Libyen haben die dortigen Behörden eine Erklärung gefordert. Der Chef der international anerkannten Regierung, Fajes al-Sarradsch, habe sich mit dem britischen Botschafter Peter Millett getroffen und eine Erläuterung des "unannehmbaren" Kommentars verlangt, teilte die Einheitsregierung am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite mit.

Demnach sagte Millett, Johnson habe getötete Islamisten gemeint, die ihrerseits hunderte Libyer getötet hätten. Johnson hatte am Dienstag beim Parteitag der konservativen Tories in Manchester gesagt, Libyen könne zu einem attraktiven Ziel für Touristen und Investoren werden - vorher müssten in der Küstenstadt Sirte aber erst "die Leichen weggeräumt werden".

Das Parlament der libyschen Gegenregierung im Osten des Landes nannte Johnsons Kommentar "unverantwortlich" und sprach von einem Angriff auf die "Würde" des libyschen Volkes. Der Außenausschuss des Parlaments forderte eine offizielle Entschuldigung.

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi 2011 herrscht in dem nordafrikanischen Land Chaos. Rivalisierende Milizen kämpfen um die Vorherrschaft. Dies nutzte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus, um sich auszubreiten.